Darum stößt dieser Straßen-Name auf Kritik

Bielefeld - Probleme mit Straßennamen, die auf umstrittene Vertreter des Nationalsozialismus zurückgehen, gibt es nicht nur in Bünde (TAG24 berichtete). Dort sorgte die Lettow-Vorbeck-Staße für mächtig Unmut. Mehrfach wurden bereits Anträge gestellt, die Straße umzubenennen.

Der Name in Bünde sorgte für Verwunderung, denn Lettow Vorbeck war aktiver Nazi.
Der Name in Bünde sorgte für Verwunderung, denn Lettow Vorbeck war aktiver Nazi.

Ähnlich ergeht es jetzt dem Richard-Wilmanns-Weg in Bielefeld. "Wenn man heute noch denkt, dass der Name in Ordnung ist, dann ist das ein Problem", erklärt Peter Brunnert von den Grünen gegenüber der Neuen Westfälischen.

Doch was ist verkehrt an dem Namen? Es geht vor allem darum, wer dahinter steckt. Richard Wilmanns war ein deutscher Mediziner, der zwischen 1925 und 1949 in Bethel praktizierte. Während des Nationalsozialismus war er für zahlreiche Zwangssterilisationen verantwortlich.

Daher empfindet es Brunnert als nicht mehr zeitgemäß, eine Straße nach ihm zu benennen: "Ein Gedenken an Richard Wilmann durch die Straßenbenennung von 1961 ist heute nicht mehr tragbar."

Bei den von Bodelschwinghschen Anstalten sieht man allerdings keinen Handlungsbedarf. "Bereits 1961 ist geprüft worden, ob wir die Straße nach Richard Wilmanns benennen können. Und der Vorstand ist damals zum Schluss gekommen, dass das geht", erklärt Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Anstalten.

Die Grünen fordern, dass der "Richard-Wilmanns-Weg" umbenannt wird.
Die Grünen fordern, dass der "Richard-Wilmanns-Weg" umbenannt wird.

Dass sich der Arzt während der NS-Zeit schuldig gemacht hat, sei nicht vom Tisch zu weisen. "Er hat mitgemacht, keine Frage. Das bedeutet eine schwere persönliche Schuld, die nicht wieder gutzumachen ist."

Wilmanns habe aus genetisch-medizinischen Gründen die Zwangssterilisationen durchgeführt, betont Pohl, nicht aus nationalsozialistischem Gedankengut heraus. "Zu dieser Schuld bekennen wir uns, unter anderem mit der Gedenktafel auf dem Bethelplatz".

Allerdings sei es falsch, nur den leitenden Mediziner für die Taten verantwortlich zu machen. "Er gehört nicht alleine an den Pranger", findet der Pastor. Zudem habe der Arzt auch Gutes vollbracht.

Christina Osei von den Grünen hält aber an ihrer Meinung fest: "Aus Respekt den Opfern gegenüber muss was passieren", stellt sie klar. Nachdem die Namensänderung während einer Sitzung der Bezirksvertretung der Grünen beschlossen wurde, soll der Antrag jetzt zur Stadtverwaltung weitergeleitet werden.

Der Vorschlag der Partei ist es, die Straße nach einem der Opfer des NS-Regimes und Wilmanns umzubenennen: "Sie soll nach Dorothea Buck benannt werden", so Brunnert.


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