"Wie mit Kaninchen": Pausenbrot-Giftmischer machte Versuche an Kollegen

Bielefeld – Im Prozess um vergiftete Pausenbrote in Ostwestfalen ist der Angeklagte nach Einschätzung eines Gutachters psychisch gesund und damit voll schuldfähig. Eine Strafminderung komme somit nicht infrage.

Die Verteidiger von Klaus O. sprachen sich gegen einen versuchten Mord aus.
Die Verteidiger von Klaus O. sprachen sich gegen einen versuchten Mord aus.

Allerdings attestiert der forensische Psychiater Carl-Ernst von Schönfeld aus Bielefeld dem 57-jährigen Angeklagten eine große kriminelle Energie und einen Hang zu weiteren Straftaten.

Daher empfiehlt der Mediziner Sicherungsverwahrung. "Für einen Hang spricht die intensive Beschäftigung über Jahre mit dem Thema Gift", sagte von Schönfeld.

Dem Psychologen zufolge habe er wie ein Wissenschaftler mit den Giftstoffen experimentieren wollen.

Nach seinem Eindruck habe der 57-Jährige an seinen Kollegen beobachten wollen, wie das Gift auf ihren Pausenbroten wirkt, sagte der Mitarbeiter des psychologischen Dienstes in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld am Dienstag.

Versuche "wie ein Wissenschaftler"

Das forderte die Anklage vor dem Bielefelder Landgericht.
Das forderte die Anklage vor dem Bielefelder Landgericht.

"Seine Äußerungen zu seinem Motiv kamen mir vor wie bei einem Wissenschaftler, der ausprobiert, wie Stoffe wirken bei einem Kaninchen."

Der Psychologe hatte den Angeklagten fünfmal getroffen und sollte in den Gesprächen klären, ob der Mann in der Untersuchungshaft selbstmordgefährdet ist.

Klaus O. muss sich vor dem Landgericht Bielefeld wegen versuchten Mordes in drei Fällen verantworten. Laut Anklage soll er über Jahre Arbeitskollegen mit vergifteten Pausenbroten und Getränken gesundheitlich geschädigt haben.

Zwei der Kollegen sind schwer nierenkrank, ein weiteres Opfer hat einen Hirnschaden und muss im Wachkoma von seinen Eltern betreut werden. Bislang hat der Angeklagte sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, auch nicht gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen.

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