"Monströser Fall": Schock über Kindesmissbrauch auf Campingplatz sitzt tief

Bielefeld – Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat seine Forderung nach einer Meldepflicht für Internet-Anbieter bekräftigt.

Auf dem Campingplatz Eichwald wurden mindestens 29 Kinder sexuell missbraucht.
Auf dem Campingplatz Eichwald wurden mindestens 29 Kinder sexuell missbraucht.

"Wenn sie auf kinderpornografisches Material stoßen, sollte das dem Bundeskriminalamt gemeldet werden", sagte Johannes-Wilhelm Rörig dem Westfalen-Blatt.

Der Beauftragte der Bundesregierung bezeichnete den Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen (TAG24 berichtete) als "monströsen Fall". Die Ermittler hätten mehrere Terabyte an pornografischem Material gefunden. "Es ist tatsächlich so, dass die Täter immer größere Datenmengen abspeichern", erklärte er.

Rörig hatte schon im vergangenen Juni die Einführung einer Meldepflicht für Internet-Anbieter gefordert. Bisher kämen in Deutschland Meldungen zu Missbrauchsdarstellungen vor allem vom US-Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (National Center for Missing and Exploited Children, NCMEC), weil in den Vereinigten Staaten eine gesetzliche Meldepflicht gelte, erklärte er damals.

Gesetzliche Meldepflicht für Kinderpornographie

Die Ermittlungen in westfälischen Lüdge sind in vollem Gange.
Die Ermittlungen in westfälischen Lüdge sind in vollem Gange.  © DPA

Auch deutsche Anbieter sollten gesetzlich verpflichtet werden, Verdachtsfälle auf Kinder- und Jugendpornografie an eine zentrale Stelle, zum Beispiel beim BKA, zu melden.

Das sollte auch für Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch gelten. Für die Bearbeitung dieser zusätzlichen Hinweise ist nach Einschätzung von Rörig eine Personalaufstockung sowohl beim BKA als auch in den Landeskriminalämtern unumgänglich, wie es bereits im Juni geheißen hatte.

Mindestens 23 Kinder wurden auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe für den Dreh von Kinderpornos sexuell missbraucht. Drei tatverdächtige Deutsche sitzen in Untersuchungshaft.

UPDATE, 10.42 Uhr: Bei den Ermittlungen wegen des massenhaften sexuellen Missbrauchs von mindestens 23 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde hat die Polizei neue Hinweise bekommen. Eine neue Opferzahl gebe es aber nicht, sagte ein Polizei-Sprecher am Donnerstagmorgen.

Zwei der Verdächtigen aus NRW im Alter von 56 und 33 Jahren sollen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen die Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Der 46-Jährige war wohl selbst nie vor Ort in Lügde.

Seit 2008 waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge mindestens 23 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen zu Opfern geworden. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich viele Betroffene noch nicht gemeldet haben.

"Wie hoch die Dunkelziffer ist, können wir seriös derzeit nicht sagen", erklärte der Leiter der Ermittlungskommission, Gunnar Weiß, am Mittwoch.

Titelfoto: DPA

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