Islamist soll Vortrag in Bielefelder Moschee halten

Bielefeld - Eigentlich steht das Islamische Zentrum Bielefeld (IZB), das sich an der August-Bebel-Straße befindet, für Offenheit und Integration. Das wollen die Verantwortlichen jedes Jahr beim Tag der offenen Moschee beweisen.

Mit diesem Plakat wirbt das IZB für den Vortrag des Islamisten.
Mit diesem Plakat wirbt das IZB für den Vortrag des Islamisten.  © Facebook/Islamisches Zentrum Bielefeld e.V.

Beobachter der Islamisten-Szene hinterfragen das jetzt allerdings. Am 7. April findet in der Moschee nämlich ein Vortrag statt, der von Khaled Hanafy gehalten wird.

Das Problem: Er gilt als "einer der wichtigsten Vernetzer der Muslimbruderschaft in Europa", wie Sigrid Herrmann-Marschall, Islamismus Expertin, gegenüber der Neuen Westfälischen erklärt.

Die Bruderschaft, die ihren Ursprung in Ägypten hat, wurde mittlerweile verboten. In Deutschland wird sie als fundamentalistisch mit verfassungsfeindlichen Tendenzen gehandelt.

Der Organisation wird vom Verfassungsschutz vorgeworfen, dass sie eine "auf der Scharia basierenden gesellschaftliche und politische Ordnung" errichten will. Auch die Islamismus-Expertin spricht von einer "extremistische[n] Organisation", die zum Dschihad aufrufe.

Am 7. April soll Khaled Hanafy zum Islamischen Zentrum Bielefeld kommen.
Am 7. April soll Khaled Hanafy zum Islamischen Zentrum Bielefeld kommen.

Wie in der Ankündigung der Veranstaltung vom IZB zu lesen ist, wird Hanafy als Vorsitzender, Dekan und Mitglied verschiedener Organisationen vorgestellt, die zur Muslimbruderschaft gehören.

"Damit ist überdeutlich, dass das IZB mit den Muslimbrüdern direkt zu tun hat, allem schönen [Gerede] zum Trotz", wie die Bielefelder Szene-Expertin Birgit Ebel meint. Und auch Herrmann–Marschall gibt zu bedenken, dass diejenigen, die Redner wie Hanafy einladen, zu 95 Prozent dem Netzwerk der Muslimbruderschaft angehören.

Ein Mitglied der Bielefelder Moschee sieht das anders: "Das war uns so nicht bekannt." Es werde bereits überlegt, ob Personal dafür sorgen soll, dass der Redner gestoppt wird, sollte er Inhalte verbreiten, die nicht zum IZB passen.

"Ich denke nicht, dass das Islamische Zentrum einem radikalen Prediger eine Bühne geben würde. Sollte es jedoch sein, dass man unwissend eine Person eingeladen hat, die ein radikales Gedankengut hat, müsste man sofort eingreifen. Radikalen, egal aus welcher Ecke, darf man keinen Plattform bieten, denn sie zerstören das friedliche Miteinander", sagt der Sprecher des Bündnisses der Bielefelder Moscheen, Cemil Sahinöz, dem der Referent angeblich unbekannt ist.

Solche Aussagen sind Herrmann-Marschall allerdings vertraut: "Das ist die übliche Doppelstrategie. Nach außen gibt es Friede, Freude und Folklore, nach innen wird es knallhart politisch und islamistisch."


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