Sie zahlten Miete und Strom: 56-Jähriger soll 23 Menschen abgezockt haben

In der Werkstatt brannte es am 1. März. Jetzt flog ein weiterer Betrug auf.
In der Werkstatt brannte es am 1. März. Jetzt flog ein weiterer Betrug auf.

Bielefeld - Nachdem am 1. März in einer Autowerkstatt an der Stadtheider Straße in Bielefeld ein Feuer ausgebrochen war, das das Gebäude zerstörte, wurde schnell gegen die Besitzer ermittelt. Ihnen wurde vorgeworfen, den Brand vorsätzlich gelegt zu haben (TAG24 berichtete).

Gegen einen 56-Jährigen wurde schließlich Anklage erhoben. Er muss sich aktuell vorm Gericht verantworten. Durch Zufall kamen jetzt noch ganz andere Machenschaften des mutmaßlichen Betrügers ans Licht.

Denn seit Jahren soll der Angeklagte seine Stromrechnung für die Werkstatt beziehungsweise ein dazugehöriges dreistöckiges Haus nicht bezahlt haben.

Deshalb gingen Mitarbeiter der Stadtwerke am Dienstag zum Haus, um den Strom abzustellen. Was sie dabei entdeckten, macht sprachlos: In der "Werkstatt" fanden sie nämlich sechs Wohnungen, die es offiziell gar nicht gibt.

Unter den Bewohnern sind sowohl Angehörige des Werkstattbesitzers als auch ein alleinstehender Mann mit Flüchtlingsstatus, eine Flüchtlingsfamilie aus dem Irak mit fünf Kindern und eine vierköpfige Familie mit pflegebedürftigem Vater.

Der Strom wurde mittlerweile abgestellt.
Der Strom wurde mittlerweile abgestellt.

Für sie brach eine Welt zusammen: "Wir haben unseren Strom gezahlt", erzählt eine Bewohnerin, die mit ihrer Familie seit vier Jahren in dem Haus lebt, gegenüber der Neuen Westfälischen. "Unsere monatlichen Abschlagszahlungen hat der Vermieter nicht weitergeleitet."

Über Jahre hinweg soll der Angeklagte das Geld nicht bezahlt haben: Es entstand ein Schuldenberg in Höhe von 20.000 Euro. Die Bewohner wussten angeblich nicht, dass sie illegal wohnen. "Wir haben alle Mietverträge."

Drei der sechs Mietparteien haben laut Polizeisprecher Michael Kötter bereits Anzeige erstattet. Mittlerweile wurde der Strom in der "Werkstatt" komplett abgestellt - in Absprache mit der Stadt, wie Stadtwerke-Sprecherin Yvonne Liebold betont. "Wir drehen nicht einfach so den Strom in Wohnungen ab."

Die Familien haben sich bereits an die Abteilung "Wohnungsnotfälle" bei der Stadt gewandt. Ihre Wohnungen sind baufällig und renovierungsbedürftig: Rissige Fensterscheiben, verschimmelte Bäder und undichte Decken überall.

"Wir suchen seit Jahren nach einer geeigneten Wohnung und sind nur aus Not hier eingezogen. Mein Bruder ist in der Ausbildung, mein Vater ist pflegebedürftig, muss dreimal die Woche zur Dialyse. Wir wissen nicht, wie es weitergeht", so die Bewohnerin.

Übergangsweise werden die 23 Mieter jetzt erst mal in Unterkünften, die die Stadt für Wohnungsnotfälle bereithält, und in Flüchtlingsunterkünften unterkommen.

Die Bewohner wohnten unter schlimmen Bedingungen.
Die Bewohner wohnten unter schlimmen Bedingungen.
Risse in Fensterscheiben wurden notdürftig mit Klebeband repariert.
Risse in Fensterscheiben wurden notdürftig mit Klebeband repariert.

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