Mieterin fällt riesige Birke und bekommt dafür die fristlose Kündigung

Melanie R. (li.) und ihre Nachbarin Manuela R. (re.) sind fassungslos, wie der Vermieter derzeit agiert.
Melanie R. (li.) und ihre Nachbarin Manuela R. (re.) sind fassungslos, wie der Vermieter derzeit agiert.

Bielefeld - Seit Jahren hat eine Birke in einer Bielefeld Wohnsiedlung Probleme bereitet. Dachrinnen waren verstopft, Kinder reagierten mit Atemproblemen, Wände und Fußböden durchnässt und weil der Baum gefällt wurde, muss eine 39-jährige Frau ihre Wohnung räumen.

Im Vorgarten von Melanie R. (39) ragte die Birke in die Höhe. Zwei Jahre habe sie versucht, den Baum zu beseitigen. Der Vermieter hat die Frau jedes Mal vertröstet.

"Der Hausmeister riet mir schließlich: 'Hau sie doch einfach selber weg'", erzählte sie der Neuen Westfälischen. Mittels einer ebay-Kleinanzeige dauerte es nur zwei Tage, ehe ein Mann und seine zwei Söhne da waren und die Birke nahezu spurlos fällten. Nur der Baumstumpf blieb übrig, an dem zu erkennen war, dass der Baum von einem Pilz befallen war. Ein weiteres Indiz dafür, dass es es längst überfällig war, den Baum zu beseitigen.

Auch der Nachbarin Manuela R. war die Birke ein Dorn im Auge: "Mein Sohn ist schwer lungenkrank und leidet an einer Stoffwechselerkrankung. Er ist sauerstoffpflichtig. Ich kann doch nicht einfach drei Monate lang die Fenster geschlossen halten."

Es dauerte nur vier Wochen, da gab's die Hiobsbotschaft für die 39-jährige R.. Sie erhielt die fristlose Kündigung wegen "Beschädigung von Miteigentum". Eigentlich war die Birke im Besitz des Vermieters, der Berliner In-West Grundstücksverwaltung (IWG).

"Wir hatten doch von einer Verwaltungsangestellten und dem Hausmeister seit rund drei Jahren mehrfach eine mündliche Erlaubnis erhalten", war die Mieterin sprachlos wegen des Briefs. Außerdem gab es vor rund vier Jahren einen ähnlichen Fall, bei dem es im Anschluss keine Probleme gab.

Bis auf den Baumstumpf blieb nicht viel von der Birke übrig.
Bis auf den Baumstumpf blieb nicht viel von der Birke übrig.

Allerdings sind die IWG-Mitarbeiter seit mehreren Monaten nicht mehr angestellt. Inzwischen hat eine neue Verwalterin die Verantwortung für die Stieghorster Siedlung am Alten Dreisch.

Sie sagte der Zeitung, dass sie von Beschwerden oder mündlichen Zusagen nichts gewusst habe. Erst zwei Tage vor der Fällung habe sie die Mail von der Mieterin erhalten. "Als ich die Anfrage gelesen und abgelehnt hatte, war der Baum schon weg", sagte Cornelia Pilz von der IWG.

Im Endeffekt habe das Amtsgericht der IWG Recht gegeben und so einer fristlosen Kündigung zugestimmt. Die 39-jährige Frau hat vier Monate Zeit die Wohnung zu räumen - die Frist endet Ende Februar. Einspruch kann sie gegen das Urteil nicht einlegen.

"Ich befinde mich in der Privatinsolvenz, beziehe Sozialhilfe und darf keine neuen Schulden aufnehmen", erklärte sie frustriert. Aus Sicht der Experten ist es ein schwieriger Fall. "Solche Angelegenheiten müssen Mieter grundsätzlich schriftlich klären – gerade bei wechselnden Zuständigkeiten", verdeutlichte Ralf Brodda, Geschäftsführer des Mieterbunds OWL, der zudem von einem "sehr strengen Urteil" sprach.

Rückblickend bereut auch die Mieterin ihr Handeln: "Ich habe doch nie im Leben damit gerechnet, dass ich deshalb meine Wohnung räumen muss. Vielleicht hätte ich auch nach mehr als zwei Jahren einfach noch mehr Geduld haben müssen."