"Riskante Aktion": Vergewaltiger zog ein Messer, als die jungen Frauen eingriffen

Bielefeld – Linda Cariglia (20) und Karolina Smaga (21) werden für ihr Eingreifen in eine versuchte Vergewaltigung am frühen Sonntagmorgen in Bielefeld als Heldinnen gefeiert. Dabei begaben sie sich in große Gefahr, denn der Angreifer zückte ein Messer.

Linda Cariglia (20) und Karolina Smaga (21) verhinderten mutig eine Vergewaltigung.
Linda Cariglia (20) und Karolina Smaga (21) verhinderten mutig eine Vergewaltigung.

Die Freundinnen verhinderten nicht nur den Übergriff eines 25-jährigen Marrokaners auf eine junge Frau, sondern verfolgten den Täter auch noch (TAG24 berichtete). Dafür erhalten sie viel Lob und Anerkennung, nicht zuletzt von der Polizei.

"Im Gegensatz zu anderen, die auch vor Ort waren, haben sie dazu beigetragen, die Tat zu verhindern", lobte auch Polizeisprecherin Sarah Siedschlag das "sehr couragierte und mutige Verhalten" der jungen Frauen gegenüber der Neuen Westfälischen.

Trotzdem haben sie sich dabei in große Gefahr begeben, als die 21-jährige Smaga den Täter von seinem Opfer heruntergestoßen hat. Auch ihre Freundin war auf den Mann losgegangen, nachdem er Smaga geschlagen und ihr das Handy weggenommen hatte.

"Da sie zu zweit waren, war es sicherlich richtig, die Tat zu verhindern", so die Polizeisprecherin. "Die Verfolgung auf eigene Faust sei aber nicht ungefährlich gewesen.

Smaga und Cariglia betonten, dass sie in der Situation gar nicht darüber nachdachten, dass sie in Gefahr seien, sondern nur die Verhinderung der Tat vor Augen hatten. "Einfach wegzugucken, damit hätte ich nicht leben können", betonte Smaga.

Ohne nachzudenken, nahm sie daher nach der Flucht des Täters die Verfolgung auf und stürzte ihn auf dem Parkplatz an der Elsa-Brändström-Straße sogar von seinem Fahrrad, woraufhin dieser ein Messer zückte und die Rietbergerin verletzte.

Bei einem überlegenen Täter sofort Distanz schaffen

Die Tat ereignete sich in einem Gebüsch hinter der Eisenbahnbrücke.
Die Tat ereignete sich in einem Gebüsch hinter der Eisenbahnbrücke.

"Wenn der Gegner, etwa durch ein Messer, überlegen ist, sollte man sofort Distanz schaffen, weglaufen und konkret auf Menschen zugehen oder sich zumindest in Menschenmengen begeben", rät die Polizistin.

So brach auch Smaga beim Anblick des Messers die Verfolgung ab, der 25-Jährige flüchtete. Wenig später konnten Polizeibeamte ihn festnehmen.

Auch Christian Hjort meint, es sei "pures Glück" gewesen, dass die 21-Jährige bei der Verfolgung nicht verletzt wurde. "Die Aktion war wirklich super. So gut sie war, so riskant war es aber auch. Als die Retterinnen auf den Täter losgegangen sind, waren sie in großer Gefahr", merkte der erfahrene Kampfsportler und Trainer für Selbstverteidigungskurse an.

Ein Messer gehöre laut Hjort zu einer der tödlichsten Waffen und man wisse nie, wie der Täter reagiert, wenn man ihn in die Enge treibe. Deshalb rät der Kampfsportler von einer Verfolgung auf eigene Faust ab.

Drohe ein Täter nur, solle man sich kooperativ zeigen und beispielsweise das Smartphone oder Geld herausgeben. "Sobald sie haben, was sie wollen, lassen sie ihr Opfer - von der statistischen Wahrscheinlichkeit her - in Ruhe", erklärte Hjort.

Greife der Täter jedoch an, müsse man sich mit Gegenständen aus dem Umfeld zur Wehr setzen. "Mit der Handtasche oder dem Gürtel schlagen" sei eine Option.

Gegenwehr kann Vergewaltiger in die Flucht schlagen

Christian Hjort bietet in seinem Sportclub auch Selbstverteidigungskurse an.
Christian Hjort bietet in seinem Sportclub auch Selbstverteidigungskurse an.

So hielten Passanten den Messerangreifer in einem Hamburger Supermarkt mit Stühlen in Schach, sodass keiner verletzt wurde. "Das war perfekt", meint der Experte.

Bei dem Versuch einer Vergewaltigung ruft Hjort zu Widerstand auf. "Wer brüllt, kratzt und tritt, zeigt dem Täter, dass er sich bei der Wahl seines Opfers verschätzt hat. Wer den Täter verletzt, macht ihn zudem identifizierbar."

Wehrt das Opfer sich, lassen laut Hjort 68 Prozent der Vergewaltiger von ihrem Opfer ab. Auch im Bielefelder Fall haben die Hilferufe funktioniert sowie die große Zivilcourage der beiden Retterinnen.

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