So will die Stadt für bezahlbaren Wohnraum kämpfen

Bielefeld – Nachdem die Stadt Bielefeld öffentlich gemacht hat, dass der Wohnraum bezahlbar gemacht werden soll (TAG24 berichtete) gibt es nun die ersten Entwürfe und Ideen für die Umsetzung.

Die Stadt will Grundstücke kaufen und wieder verkaufen, um günstigen Wohnraum zu schaffen. (Symbolbild)
Die Stadt will Grundstücke kaufen und wieder verkaufen, um günstigen Wohnraum zu schaffen. (Symbolbild)  © 123RF

Die Stadt will in den Immobilienmarkt eingreifen und Grundstücke selbst erwerben. Die Interessenten bekämen den Zuschlag, die den niedrigsten Mietpreis garantieren könnten.

Zudem sollen die bestehenden Bebauungspläne verdichtet und geändert werden, teilte die Neue Westfälische mit.

Diese Idee soll nun den Bielefeldern vorgestellt werden. Das Modell "Sozialgerechte Bodennutzung" aus der Nachbarstadt Münster gilt als Vorbild. "Aber auch Ansätze aus der Hamburger HafenCity könnten mit einfließen", betonte Bauamtsleiterin Catrin Hedwig.

Gemeinsam mit ihrem Team hat Hedwig einen Entwurf für ein "gelenktes Bodenmanagement" entwickelt. Einige Städte hätten so eine Planung bereits umgesetzt, "weil die Preise für Wohnraum überall extrem angezogen sind".

Gerade für Familien sei ein Eigenheim häufig nicht mehr bezahlbar: "Um weiterhin eine gute Durchmischung in der Stadt zu gewährleisten, muss da etwas getan werden", so Hedwig.

Familien können sich häufig kein Eigenheim leisten

Die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. (Symbolbild)
Die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. (Symbolbild)  © 123RF

Die Kritik daran, dass die Stadt sich in den Immobilienmarkt einmische, könne sie nicht verstehen. Wohnungsbau oder Stadtplanung sei schließlich die "Ur-Aufgabe" der Stadt. Für die Umsetzung des Plans bedarf es jedoch der Zustimmung von Politik und Bevölkerung.

In enger Zusammenarbeit mit dem Gutachterausschuss sollen die Bodenrichtwerte festgelegt werden. Dazu wird ein Kriterienkatalog entwickelt, der genau festlegt, wer zu welchen Bedienungen Land von der Stadt erwerben kann. Gerade für Familien mit Kindern sollen die Preise niedriger ausfallen, als für gutverdienende Paare.

Im Februar oder im März sollen die ersten Pläne der Politik, den Marktakteuren und den Bürgern vorgestellt werden. Danach soll im Sommer ein Beschluss über die Umsetzung des Modells gefasst werden.

Auch bestehende Bebauungspläne sollen im Zuge der Wohnraumschaffung geändert werden. Die Aufstockung von Einfamilienhäusern wäre eine Möglichkeit. "Wie zum Beispiel bei den sehr kleinen Wohnhäusern der ehemaligen britischen Soldaten in der Sperberstraße", erläuterte Hedwig. Auch in der Innenstadt sei eine solche Aufstockung möglich. Auch die Reduzierung der Pflicht-Stellplätze ist der Bielefelder Politik ein Anliegen.

Die Veränderungen seien notwendig, da sich die Ansprüche ans Wohnen deutlich erhöht haben: "Bis etwa 2012 war die Einwohnerzahl stagnierend oder eher rückläufig. Und jetzt ist der Bedarf enorm gestiegen", erklärte Hedwig die Veränderungen. "Es wird sicherlich immer unterschiedliche Wohnformen und Preise geben, aber es darf eben nicht nur im oberen Segment etwas möglich sein", so Hedwig.

Wie schnell sich die Veränderungen vollziehen lassen, bleibt abzuwarten. Durch die neue Bauordnung vom 1. Januar lassen sich viele Bauprozesse beschleunigen, dennoch bleibt viel Potenzial noch ungenutzt. Thema Digitalisierung: "Wenn wir da besser aufgestellt sind, kann das die Arbeit enorm erleichtern und Prozesse beschleunigen", teilte Hedwig mit.

Titelfoto: 123RF

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