"Negerarbeit": Rassismus-Vorwurf gegen Ausländerbehörde

Bielefeld - "Wer hier meckert wird erschossen!" Dieser geschmacklose Satz auf einem Schild sorgte im Sommer 2016 bundesweit für Aufregung. Es hing an der Pforte der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) in Bielefeld (TAG24 berichtete).

Dieses Schild hängt in der Ausländerbehörde in Bielefeld.
Dieses Schild hängt in der Ausländerbehörde in Bielefeld.

Doch das soll nicht das einzige Problem bei der Behörde gewesen sein: Ein 35-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe in der Neuen Westfälischen. Der Bielefelder Wirtschaftsjurist, geboren in einem afrikanischen Land gab an, mehrmals beleidigend behandelt worden zu sein.

"Ich mache hier doch keine Negerarbeit, mach das selber", soll seine Vorgesetzte zu ihm gesagt haben, als er sie darum bat, einen Fax-Sendebericht weiterzuleiten. Ein Zeuge hatte zugehört. Der Spruch soll nur der Höhepunkt eines "Spießrutenlaufs" gewesen sein.

"Jeden Tag in diesen sechs Monaten ist etwas passiert, das nur mir galt. Es war nicht nur das Verhalten, es war auch die Gestik, die Mimik, ich wurde nicht zurückgegrüßt, ignoriert und fast täglich wurde ich angebrüllt", wird er in der Zeitung zitiert. "Ich konnte nicht mehr schlafen."

Der Fall sei eine "grausame Geschichte", sagt Claus Melter, Professor an der Fachhochschule und Rassismus-Forscher. Der Mann sei deutscher Staatsbürger und werde "trotzdem als afrikanischer Mitarbeiter angesehen, stigmatisiert" und "in seiner Menschenwürde verletzt."

Die Vorwürfe gegen die ZAB wiegen schwer.
Die Vorwürfe gegen die ZAB wiegen schwer.

Nach der Probezeit wurde dem 35-Jährigen gekündigt, weil er zu langsam gearbeitet haben soll, so die Stadt.

Außerdem durfte der Mann nicht in zwei bestimmten Flüchtlingsunterkünften arbeiten: "Weil sonst Verwechslungsgefahr besteht", wurde ihm gesagt. Die Stadt teilte allerdings mit, dass dies zu seinem eigenen Schutz geschehen sei. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass Mitarbeiter derselben Ethnie besonderen Anfeindungen ausgesetzt sind, wenn es um Abschiebungen geht."

Vor Gericht klagte der 35-Jährige gegen die Kündigung, stimmte einem Vergleich nicht zu. Für den "Negerarbeit"-Kommentar entschuldigte sich die ZAB in Person von Rechtsamtsleiterin Marion Schröter und ZAB-Leiter Torsten Böhling: "Eine nicht hinzunehmende Äußerung, für die sich die Stadt Bielefeld in aller Form entschuldigt."

Auch der betroffenen Vorgesetzten soll ihr Verhalten, dass aus einer Stresssituation heraus entstanden sein soll, bedauern. Doch das habe sie gegenüber dem Juristen "bis heute nicht geäußert." Die Klage wurde abgewiesen, weil das Gericht kein "feindliches Umfeld" ausmachen konnte.

Dass der Kündigungsgrund nur vorgeschoben war, sah das Gericht ebenfalls als nicht als erwiesen an.

UPDATE, 14.30 Uhr: Am Nachmittag äußerte sich Oberbürgermeister Pit Clausen zu den Vorwürfen, die gegen die Zentrale Ausländerbehörde erhoben wurden:

"Die ZAB Bielefeld leistet eine über die Grenzen unserer Stadt hinausgehende anerkannt gute Arbeit. Zur Zeit sind hier mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 30 Personen mit einer eigenen Migrationsgeschichte. Vor diesem Hintergrund hat es in der Vergangenheit in der – zum Teil sehr intensiven und engen – Zusammenarbeit keine Probleme im Miteinander gegeben. Im Gegenteil: Der Umgang mit Menschen anderer Herkunft ist für alle Beschäftigten völlig normal und letztlich Voraussetzung für die anspruchsvolle und teilweise auch belastende Tätigkeit. Menschenverachtendes und diskriminierendes Verhalten wird in keiner Form geduldet.

Die in der Berichterstattung zitierte Aussage der 'Neger-Arbeit' entspricht im Wesentlichen der Wahrheit. Die Tatsache, dass diese Worte nicht personenbezogen und wohl im Rahmen einer stressbedingten Ausnahmesituation erfolgt sind, entschuldigt dies nicht. Irritierend wirkt vielleicht, dass der betroffene Mitarbeiter die Vorwürfe erst erhoben hat, als die Kündigung bereits im Raum stand. Ohne auf die Details eingehen zu können weise ich in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass für die ausgesprochene Kündigung des Mitarbeiters in der Probezeit ausschließlich Leistungsmängel ausschlaggebend waren. Dies hat das Arbeitsgericht entsprechend bestätigt.

Das respektvolle und wertschätzende Verhalten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Bielefeld ist mir ein wichtiges Anliegen. Nicht nur im Miteinander mit den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, sondern auch innerhalb der Verwaltung. Dieser Einzelfall ist mehr als bedauerlich, sollte aber nicht zu einer Pauschalverurteilung führen."


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