Deshalb wird Bier immer teurer

München - Elf Euro: Für den Preis einer Maß Bier auf dem Oktoberfest gibt es im Getränkemarkt einen Zehn-Liter-Kasten Premium-Pils. Neu ist dieses Jahr, dass die Preise auch im Handel gestiegen sind, stärker sogar als auf der Wiesn.

Die Rohstoffe sind nicht der Grund, warum Bier immer teurer wird.
Die Rohstoffe sind nicht der Grund, warum Bier immer teurer wird.  © DPA

Getreide ist teurer geworden, "Gerste ist im Höhenflug", sagte Walter König, Geschäftsführer beim Bayerischen Brauerbund.

Aber die Brauereien haben langfristige Lieferverträge, die Preiserhöhungen wirken sich erst nächstes Jahr aus - und auch dann nur minimal: Gerade mal 7 oder 8 Cent kostet das Malz für einen Liter Bier.

Hopfen schlägt je nach Menge und Qualität mit knapp 2 Cent zu Buche oder mit bis zu 8 Cent - "wenn ich mich in Hopfen verliebe", so König.

Das heißt, "die Rohstoffe stehen nicht so im Fokus, da haben die Landwirte schon recht". Auch Wasser, Kronkorken oder Etiketten seien eher winzige Kostenfaktoren.

Sehr unterschiedlich ist der Anteil, der an den Handel geht. Große Brauereien müssen Regalstellungskosten zahlen und in Werbung investieren.

Da spart eine kleinere Brauerei, die viel an die Gastronomie und im Direktverkauf absetzt. Zudem nutzen Super- und Getränkemärkte Bier im Sonderangebot auch oft, um Kunden in die Läden zu locken.

Lohn-, Energie- und Transportkosten für Bier sind gestiegen

Beim Preis kommt es auf Sorte, Marke und Region an.
Beim Preis kommt es auf Sorte, Marke und Region an.  © DPA

Für die Preiserhöhung entscheidend seien die Lohn-, Energie- und Transportkosten, heißt es beim Brauerbund.

"Die Brauer haben lange viel geschluckt und nicht auf den Preis umgelegt. Denn jeder Brauer weiß: Preiserhöhung bedeutet Mengenrückgang", erklärte König. "Da sind die Leute empfindlich, da probieren sie mal ein anderes Bier aus." Aber allein die Löhne seien in zwei Jahren um 5 Prozent gestiegen. Jetzt sei das Maß voll gewesen.

Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für den Gerstensaft im Juni um 4,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Drei Viertel ihres Biers kaufen die Deutschen im Laden.

Die Marktforscher von Nielsen ermittelten für das erste Halbjahr einen Durchschnittspreis von 1,24 Euro je Liter Pils. Sommerwetter und Fußball-WM halfen, die Preiserhöhung durchzusetzen - der Bierabsatz stieg nach langem Abwärtstrend trotzdem um ein Prozent.

Die Preisspanne ist aber groß, je nach Sorte, Marke und Region. Ein Kasten Bier im Einstiegssegment ist für 6 Euro zu haben, im Hochpreissegment werden auch 17 Euro bezahlt. Einen Liter Pils gibt es in PET-Flaschen für 70 Cent, für Craft-Bier dagegen legen die Kunden auch mehr als 10 Euro hin.

Auf dem Oktoberfest klettern die Bierpreise dieses Jahr um 3,6 Prozent auf bis zu 11,50 Euro. Die simple Faustformel in der Gastronomie, Einstiegspreis mal drei plus Mehrwertsteuer, gilt auf der Wiesn natürlich nicht. Allein der Auf- und Abbau eines Zelts kostet ein bis zwei Millionen Euro, die Musikkapelle gut 200.000, die Ordner im Zelt 400.000 Euro oder mehr, wie Wiesnwirt Christian Schottenhamel sagt.


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