Prozess: Hat Bio-Professor alle Homosexuellen zu Pädophilen erklärt?

Kassel - Wegen umstrittener Äußerungen zu Homosexuellen steht am heutigen Mittwoch ab 11.30 Uhr in Kassel ein Biologie-Professor vor dem Amtsgericht.

Insbesondere Mann-Mann-Beziehungen sieht Ulrich Kutschera in dem Interview kritisch (Symbolbild).
Insbesondere Mann-Mann-Beziehungen sieht Ulrich Kutschera in dem Interview kritisch (Symbolbild).  © 123RF/theartofphoto

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Wissenschaftler Ulrich Kutschera unter anderem Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor.

Die Vorwürfe beziehen sich auf ein Interview, das 2017 auf dem katholischen Internetportal kath.net erschien.

Darin hatte sich der Hochschulprofessor zur "Ehe für alle" geäußert, also zu Eheschließungen unter Personen gleichen Geschlechts.

Der Bundestag hatte im Juni 2017 in einer historischen Entscheidung die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare beschlossen (TAG24 berichtete)

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Kutschera "unter dem Vorwand angeblicher 'biowissenschaftlicher Fakten' homosexuellen Personen eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern vorgeworfen".

In dem fraglichen Abschnitt des Interviews geht es um die Adoption von Kindern und Jugendlichen durch homosexuelle Paare.

Kutschera zum Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare

Unter anderem hatte Kutschera erklärt: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen."

Es ist nur ein Verhandlungstermin angesetzt. Ob es am selben Tag zum Urteil kommt, ist aber ungewiss.

Verteidigung will Kutscheras Aussagen wissenschaftlich belegen

Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera zeigt im Gerichtssaal sein Buch "Das Gender-Paradoxon".
Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera zeigt im Gerichtssaal sein Buch "Das Gender-Paradoxon".  © DPA

Update 13.56 Uhr: Begleitet von großem öffentlichen Interesse hat am Mittwoch der Prozess gegen den Biologie-Professor Ulrich Kutschera vor dem Amtsgericht Kassel begonnen. Der 64-Jährige ist wegen umstrittener Äußerungen über Homosexuelle angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor. Zum Prozessbeginn stellte die Verteidigung 14 Beweisanträge. Sie will durch Mediziner und Forscher belegen, dass die Äußerungen des Uniprofessors auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußen und keine Beleidigung Homosexueller darstellen.

Zu dem Prozess kamen so viele Zuschauer, dass die Verhandlung zunächst in einen größeren Saal verlegt werden musste und verspätet begann.

Titelfoto: 123RF/theartofphoto


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