"Bis dann, mein Sohn": Furchtbarer Unfall entzweit eng befreundete Familien!

Deutschland - Episch! Selten war ein Wort als Beschreibung für einen Film so passend, wie in diesem Fall. Das chinesische Familiendrama "Bis dann, mein Sohn" startet am 14. November in den deutschen Kinos und ist eine zutiefst berührende Perle geworden.

Hier war noch alles gut: Die Familien feierten mit ihren Söhnen gemeinsam Geburtstag.
Hier war noch alles gut: Die Familien feierten mit ihren Söhnen gemeinsam Geburtstag.  © PR/Piffl Medien
Das 185 Minuten lange Werk beginnt mit dem jungen Haohao, der von einer Anhöhe aus Kinder beim Spielen im Wasser am Stausee beobachtet.

Er selbst will eigentlich mitmachen, doch sein Freund Xingxing kann nicht schwimmen und fühlt sich sichtlich unwohl.

Doch er lässt sich überreden - was jahrzehntelange Folgen hat. Denn es kommt zum großen Unglück: Xingxing ertrinkt wenig später, was seine Eltern Wang Liyun (Yong Mei) und Liu Yaojun (Wang Jingchun) schwer getroffen zurücklässt.

Sie ziehen vom Wohnheim der Metallfabrik in einer nicht genannten Stadt im Norden Chinas, in der sie gearbeitet haben, in die Provinz Fujian in den Süden des Landes, wo niemand sie und ihre Vorgeschichte kennt, ihnen die Lebensweise fremd ist und sie den hiesigen Dialekt der Menschen nicht verstehen.

Dort adoptieren sie ein Waisenkind und beginnen mit ihm ein neues Leben und halten sich mit einer eigenen Metallwerkstatt über Wasser. Sie nennen ihn übrigens wie ihren verunglückten Sohn - Xingxing.

Doch nicht nur sie haben unter dem schweren Verlust zu leiden. Auch Haohao selbst, seine Mutter Li Haiyan (Al Liya) und sein Vater Shen Yingming (Xu Cheng) werden über viele Jahre hinweg von schweren Schuldgefühlen geplagt. Der Unfall hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen. Kann die Zeit die tiefen Wunden der einst eng befreundeten Familien heilen?

Yong Mei und Wang Jingchun wurden auf der 69. Berlinale zurecht für ihre Top-Leistungen ausgezeichnet

Wang Liyun (vorne, Yong Mei) arbeitet in der Sortierabteilung einer Metallfabrik.
Wang Liyun (vorne, Yong Mei) arbeitet in der Sortierabteilung einer Metallfabrik.  © PR/Piffl Medien

Diese herzergreifende Geschichte hat der vielfach ausgezeichnete Regisseur Wang Xiaoshuai genial umgesetzt.

Sein intelligenter Film zählt zu den besten des Jahres und wurde völlig zurecht auf der diesjährigen 69. Berlinale mit dem Preis für den besten Hauptdarsteller und die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Yong Mei und Wang Jingchun zeigen nämlich Leistungen auf internationalem Spitzen-Niveau und tragen das Drama in beeindruckender Manier über die gesamte Laufzeit von mehr als drei Stunden hinweg.

Auch die anderen Darsteller zeigen mitreißende Performances, was sowohl an der Regieführung, als auch am exzellenten Drehbuch liegt, das den Figuren eine authentische und deshalb nachvollziehbare Hintergrundgeschichte spendiert.

All die Handlungen der Charaktere sind aufgrund ihrer glaubwürdigen Entwicklung und Tiefe verständlich. Dadurch bedingt fiebert man emotional mit und sieht auch über die ein oder andere kleinere Länge hinweg.

Wer möchte, dass dieses Meisterwerk seine volle Wirkung entfaltet, muss sich allerdings erst einmal an den sprunghaften Schnitt gewöhnen, der es einem zu Beginn immer wieder schwer macht, dem detaillierten und anspruchsvollen Verlauf mit all seinen Verzweigungen zu folgen.

Regisseur Wang Xiaoshuai macht aus "Bis dann, mein Sohn" ein umfassendes Meisterwerk

Liu Yaojun (Wang Jingchun) eröffnet in Fujian eine kleine Metallwerkstatt, mit der er sich und seine Familie über Wasser hält.
Liu Yaojun (Wang Jingchun) eröffnet in Fujian eine kleine Metallwerkstatt, mit der er sich und seine Familie über Wasser hält.  © PR/Piffl Medien

Wohl nur absolute Experten des chinesischen Kinos werden schon am Anfang alle Schauspieler, Rollen und die verschiedenen Zeitebenen auseinanderhalten können.

Wer allerdings Interesse an exotischen Filmen, ein wenig Toleranz und Geduld mitbringt, der wird mit einem großartigen Familiendrama belohnt, das sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt und die Auswirkungen eines kurzen Momentes tiefschürfend beleuchtet.

Am Ende, wenn sich alle Puzzleteile zusammengefügt haben, ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild und ein Drama, das noch lange nachhallt.

Um diese schon reichhaltige Story baut Xiaoshuai noch viele wissenswerte Details der chinesischen Geschichte ein. Ganz besonders im Fokus: Die einschränkenden Auswirkungen auf die Freiheit eines Individuums durch die Ein-Kind-Politik, die dazu diente, dass Bevölkerungswachstum in Grenzen zu halten.

Auch sonst wird nicht mit mehr oder weniger versteckt gehaltener Kritik gespart. Als Liyun und andere in der Fabrik entlassen werden, gibt es unter den Arbeitern eine Revolte. Das Podium, auf dem drei Parteifunktionäre sitzen, wird wütend gestürmt, weil sie zwar von Patriotismus schwafeln und damit die Entlassungen begründen, aber selbst nicht von ihren Posten zurücktreten.

"Bis dann, mein Sohn" ist einer der besten Filme des Kinojahres 2019

Liu Yaojun (l., Wang Jingchun) und Wang Liyun (r., Yong Mei) kehren viele Jahre nach dem Auszug wieder in ihre Wohnung zurück.
Liu Yaojun (l., Wang Jingchun) und Wang Liyun (r., Yong Mei) kehren viele Jahre nach dem Auszug wieder in ihre Wohnung zurück.  © PR/Piffl Medien

Dieses falsche Spiel entlarven die Mitarbeiter schnell. Die Aussage von Xiaoshuais brisantester Szene ist ein klares Zeichen gegen soziale Ungerechtigkeit mit der Botschaft: Wenn ihr euch zusammenschließt, seid ihr stark und könnt auch die Mächtigen in die Knie zwingen!

Wegen der Kritik am System und der Politik Chinas ist verständlich, dass die asiatische Großmacht dieses Ausnahmewerk nicht als "Oscar"-Beitrag für das kommende Jahr ausgewählt hat. Schade ist es dennoch, denn die Qualität von "Bis dann, mein Sohn" genügt allerhöchsten Ansprüchen.

Wie Liebe und Vergebung Hass und Verbitterung schlagen, wird hier ebenfalls eindrucksvoll porträtiert.

Daran haben auch die aussagekräftigen und lebensweisen Dialoge einen entscheidenden Anteil. Sie sorgen für entscheidende Denkanstöße. Auch sonst erhalten viele universelle Themen Einzug in den Film, ohne ihn zu voll zu stopfen.

Darüber hinaus sorgt die ruhige Kameraführung mit ihren cineastischen Einstellungen für visuelle Abwechslung, woran auch die abwechslungsreichen Locations einen entscheidenden Anteil haben. Diese strotzen vor Details und wirken authentisch, weil sie perfekt zum Milieu passen, in dem die Geschichte angesiedelt ist. Auch die angemessenen Kostüme und die Ausstattung tragen zur fesselnden Atmosphäre bei.

Deshalb ist "Bis dann, mein Sohn" einer der besten Filme des Jahres. Er begeistert mit einer tiefschürfenden, aus dem Leben gegriffenen Geschichte, überragenden schauspielerischen Leistungen und spart dabei auch nicht mit der kritischen Auseinandersetzung von politischen Beschlüssen. Sehenswert!

Wang Liyun (l., Yong Mei) und Liu Yaojun (Wang Jingchun) haben jahrelang mit dem schrecklichen Unfall zu kämpfen, der ihr Leben aus den Fugen gerissen hat.
Wang Liyun (l., Yong Mei) und Liu Yaojun (Wang Jingchun) haben jahrelang mit dem schrecklichen Unfall zu kämpfen, der ihr Leben aus den Fugen gerissen hat.  © PR/Piffl Medien

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