Heckenschütze vor Gericht! Benjamin K. muss in die Psychiatrie

Bautzen/Bischofswerda - Er schoss auf 17 Autos! Benjamin K. (42) sorgte im August 2018 in Bischofswerda und Umgebung für Angst und Schrecken (TAG24 berichtete).

Benjamin K. am Freitag vor dem Landgericht in Bautzen.
Benjamin K. am Freitag vor dem Landgericht in Bautzen.  © Peter Schulze

Jetzt sitzt der Heckenschütze im Landgericht Bautzen auf der Anklagebank. Nach Willen des Staatsanwaltes soll Benjamin K. in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.

Denn der Schütze leidet laut Gutachten an einer Geisteskrankheit. Offenbar hatte Benjamin K., in dessen Wohnung später zwei Pistolen und ein Gewehr mit Zielfernrohr gefunden wurden, aus Angst auf Autos geschossen.

Innerhalb von acht Tagen wurden in und um Bischofswerda schier wahllose 17 Wagen demoliert. Ein Wunder, dass niemand zu Schaden kam. Denn die Geschosse zerfetzten Scheiben, schlugen in Sitzbänken ein.

Hätte dort jemand gesessen, hätte es gar Tote geben können. Aber von solch einer Gefahr weiß Benjamin K. nichts. Er sei aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage, das Unrecht seiner Taten einzusehen, so der Staatsanwalt.

Der Heckenschütze wurde gefasst, als er von einem Zeugen beobachtet wurde, wie er Äste auf die Staatsstraße 111 warf. Doch schon kurz nach der Festnahme war klar: Der mutmaßliche Täter gehört nicht in U-Haft, sondern in eine Klinik. Dort lebt er seither und soll nun dort bleiben.

Der Heckenschütze hatte im August 2018 auf 17 Autos in Bischofswerda geschossen.
Der Heckenschütze hatte im August 2018 auf 17 Autos in Bischofswerda geschossen.

Der Staatsanwalt verfasste deshalb nicht, wie üblich, eine Anklage gegen den Schützen wegen des Versuchs des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, sondern eine sogenannte "Antragsschrift zur Unterbringung". Demnach sei es notwendig, Benjamin K. in einer Klinik unterzubringen, weil die Gefahr bestehe, dass er sonst weitere Taten begehen werde. Der Schütze sei - so die Anklagebehörde - für die Allgemeinheit gefährlich.

Das Landgericht hat vier Prozesstage geplant. Es will Zeugen, Ärzte und Gutachter hören, um Anfang März ein Urteil zu fällen.

Update 18.35 Uhr: Benjamin K. wurde soeben verurteilt. Das Landgericht Bautzen ordnete die Unterbringung in einer Psychiatrie an. Der Mann sei schuldunfähig. Aber weitere Taten könnten auf Grund seiner Krankheit nicht ausgeschlossen werden.

Update, 12 Uhr: Zum Prozessauftakt äußerte sich Benjamin K. zu den Vorwürfen, sprach von Selbstverteidigung. Er habe die Rolle des „Kleinstadt-Sheriffs“ annehmen müssen, um sich zu schützen.

Laut Anklage leidet Benjamin K. an paranoider Schizophrenie und ist nicht in der Lage sein Unrecht einzusehen. Der gelernte KfZ-Mechaniker fühlt sich von Autos regelrecht verfolgt: „Die Autofahrer haben zu Demonstrationszwecken bestimmte Routen abgefahren. Es ist eine miteinander vernetzte Klientel. Diese Demonstrationen müssen irgendwann aufgelöst werden!", sagte er dem Richter.

Und: „Als ich am Morgen auf dem Markt meine Fitnessübungen machte, schnitten die Autofahrer den Fußweg, da musste ich handeln.“

Zunächst „übte“ er, in dem er auf Kaffeetassen ballerte. Dann zielte der Schütze auf Autos. „Wenn ich abends drei, vier Autos erwischt habe, war erst einmal Ruhe und ich konnte gut schlafen", so der Angeklagte. Dass bei seinen irren Taten niemand verletzt wurde, schreibt er seinem Können zu: „Ich habe sauber gearbeitet.“

Benjamin K., der seit seiner Ergreifung in Arnsdorf lebt, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mehr zum Thema Dresden Crime:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0