Anwohner sauer auf Stadt: Purer Geiz lässt Friedhof vergammeln

Bischofswerda - Trauernde und Hinterbliebene müssen auf dem städtischen Friedhof von Bischofswerda besonders tapfer sein. Denn zusätzlich zu ihrem Leid müssen sie einen vergammelten Gottesacker aushalten.

Bestatter Marcoo Klöber zeigt die Kopien einiger Beschwerdebriefe, die er wegen des verdreckten Friedhofs schon an die Stadt geschickt hat.
Bestatter Marcoo Klöber zeigt die Kopien einiger Beschwerdebriefe, die er wegen des verdreckten Friedhofs schon an die Stadt geschickt hat.  © Steffen Unger

Weil die Stadt Geld sparen wollte, wurde der Auftrag an eine möglichst preiswerte Pflegefirma erteilt. Mit bitteren Folgen.

Die Papierkörbe werden nicht geleert, Unkraut wuchert an Nebenwegen so hoch wie die Grabsteine, das Laub des letzten Herbstes liegt unter den Sträuchern. Vor zwei Jahren war der Friedhof noch eine gepflegte Anlage - heute will man nur fliehen.

Als der langjährige Friedhofsmeister in den Ruhestand ging, schrieb die Stadt die Pflege aus. Eine örtliche Gärtnerei kalkulierte mit mindestens 90.000 Euro pro Jahr.

Doch ein Gebot war preiswerter: Eine Firma aus Oberfranken (!) erhielt den Zuschlag für 42.627 Euro, obwohl die Stadt erheblich mehr kalkuliert hatte.

Volle Mülleimer lassen vermuten, dass hier nicht übertrieben oft nach dem Rechten gesehen wird.
Volle Mülleimer lassen vermuten, dass hier nicht übertrieben oft nach dem Rechten gesehen wird.  © Steffen Unger

Doch diese Geiz-ist-geil-Mentalität ging nach hinten los. Hinterbliebene schrieben mehrfach Protestbriefe an die Stadt. Auch die Bestatter beklagen die Unzuverlässigkeit der Firma. Die Trauerhalle wird unzureichend gereinigt, manchmal kommt der Schlüssel viel zu spät.

Marco Klöber vom Bestattungshaus Schuster-Griete: "Der Gipfel der Pietätlosigkeit war, als eine stille Abschiednahme später beginnen musste, weil das Urnengrab noch nicht ausgehoben war." In der Region Bautzen sei dieser Friedhof inzwischen Schlusslicht bei Service und Pflege.

Hoffnung für die Trauernden: Der Vertrag mit der Billigheimer-Firma läuft in zwei Wochen aus. Stadtsprecher Sascha Hasche: "Wir werden die Option zur Verlängerung nicht ziehen und eine Übergangslösung suchen."

Für Trauernde ist es kein schöner Anblick, wenn rund um die Gräber alles vergammelt.
Für Trauernde ist es kein schöner Anblick, wenn rund um die Gräber alles vergammelt.  © Steffen Unger

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