Bruder von toter Tramperin: "Höcke zieht Andenken meiner Schwester durch den Dreck"

Erfurt/Leipzig - Im Sommer war die Leipziger Studentin Sophia Lösche durch Deutschland getrampt und von diesem Ausflug nie wieder zurückgekehrt. Ihr Bruder übt jetzt massive Kritik am AfD-Landesvorsitzenden aus Thüringen, Björn Höcke.

 Björn Höcke auf dem Parteitag der AfD in Thüringen im November.
Björn Höcke auf dem Parteitag der AfD in Thüringen im November.  © DPA

Gemeinsam mit seinen Eltern hatte Andreas Lösche Anzeige gegen den Rechtsaußen der AfD erstattet, nachdem der sich auf seiner Facebook-Seite vor einem Plakat mit Sophias Foto präsentiert hatte. Der Thüringer Landtag hob daraufhin die Immunität von Höcke auf, um den Weg für die Ermittlungen der Chemnitzer Staatsanwaltschaft frei zu machen.

Jetzt spricht Sophias Bruder über die Anzeige gegen den prominenten Politiker, gegenüber watson.de. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, denn Sophia hätte es niemals gewollt, für einen Trauermarsch der AfD genutzt zu werden.

Außerdem sei sie kein Opfer "irgendeiner Migration" geworden. Der des Mordes verdächtigte marokkanische Lkw-Fahrer sei die Strecke auf der er Sophia traf, schon vor 2015 gefahren und machte sie so zum Opfer von Gewalt an Frauen.

Für Andreas Lösche ist klar: Björn Höcke hat "das Andenken meiner Schwester völlig durch den Dreck gezogen".

Das wolle sich die Familie nicht gefallen lassen. Dass sie mit ihrer Anzeige viel Wirbel verursachen, sei ihnen klar, aber die Geschichte seiner Schwester soll nicht verdreht werden.

Andreas Lösche, der Bruder der ermordeten Sophia, will in Gedenken an seine Schwester einen Verein oder eine Stiftung gründen.
Andreas Lösche, der Bruder der ermordeten Sophia, will in Gedenken an seine Schwester einen Verein oder eine Stiftung gründen.

Dass das Hochhalten des Fotos der toten Sophia ein Akt der Trauer gewesen sei, lässt Lösche nicht gelten: "Wissen Sie, uns haben viele Menschen ihre Trauer ausgedrückt, sogar der spanische Ministerpräsident. Aber: Von der AfD hat uns niemand kondoliert. Uns hat auch niemand gefragt, ob man ihr Foto verwenden darf."

Die Familie hoffe nun, dass die Justiz die Ermittlungen weiter führt. In der Zwischenzeit haben sie eine Stiftung im Namen von Sophia gegründet, die Opfern von Gewalt gegen Frauen helfen soll.

Titelfoto: DPA

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