Stillgelegtes Kraftwerk soll Berlin bei Blackout retten

Steffen Kretschmer, Meister der Elektrotechnik, kontrolliert das Innere der Gasturbine A im Kraftwerk Thyrow (Brandenburg).
Steffen Kretschmer, Meister der Elektrotechnik, kontrolliert das Innere der Gasturbine A im Kraftwerk Thyrow (Brandenburg).  © DPA

Trebbin – Es gibt Kraftwerke, die dann ins Spiel kommen, wenn es in Deutschland einen riesigen Stromnetz-Zusammenbruch geben würde. Sie zählen zu systemrelevanten Kraftwerken – und deren Zahl nimmt zu.

Auf dem stillgelegten Gelände werden Turbinen gepflegt und gewartet - obwohl sie gar keinen Strom für den Markt produzieren. Die riesigen Gasturbinen des Kraftwerks Thyrow liegen südlich von Berlin in Brandenburg. Die Anlagen haben vor allem eine Aufgabe: Anspringen, wenn es zu einem Netz-Blackout käme.

Schwarzfall nennen Experten das Ereignis, das sich niemand wünscht - wenn Stromnetze großflächig zusammenbrechen. Würde ein Blackout eintreten, kämen Kraftwerke ins Spiel, die eine Schwarzstartfähigkeit haben. Sie können unabhängig vom bestehenden Netz in Betrieb genommen werden.

Kretschmer an der Schaltwarte der Gasturbine A in Thyrow.
Kretschmer an der Schaltwarte der Gasturbine A in Thyrow.  © DPA

In Thyrow würde das dann so ablaufen: Vom Standort kommt Spannung zu einem Braunkohlekraftwerk in der Grenzregion zu Polen. Das läuft an und von dort wird weitere Spannung verteilt, so dass sich das Netz nach und nach wieder aufbauen kann, wie das Energieunternehmen Leag mitteilt.

Das weitläufige Gelände in Trebbin-Thyrow wurde 2016 vom Strommarkt genommen. Die Bundesnetzagentur stuft jedoch einen Teil des Standorts als systemrelevant ein. Was ist die Folge?

Mehrere Mitarbeiter - darunter Elektrotechniker - kümmern sich weiterhin unter anderem um die Wartung und Instandhaltung der Geräte.

Das Gasturbinenkraftwerk in Thyrow (Brandenburg) soll im Notall für die Wiederherstellung des Stromnetzes sorgen.
Das Gasturbinenkraftwerk in Thyrow (Brandenburg) soll im Notall für die Wiederherstellung des Stromnetzes sorgen.  © DPA

Flüssigkeiten müssen in Bewegung bleiben, der Gasdruck regelmäßig überprüft werden und es gibt Probefahrten der Turbinen. Darüber hinaus läuft eine Fernüberwachung in einer zentralen Warte.

Ein Erdgasspeicher liegt unter einer Wiese, von dem die Turbinen versorgt werden können.

50Hertz, der Übertragungsnetzbetreiber in Ostdeutschland und im Raum Hamburg, listet drei Kraftwerke auf, die Bestandteil seines Netzwiederaufbaukonzeptes sind. Neben Thyrow handelt es sich demnach um die Pumpspeicherkraftwerke Goldisthal in Thüringen und Markersbach in Sachsen. Diese sind aber - anders als Thyrow - gleichzeitig am aktiven Strommarkt beteiligt.

Gab es eigentlich schon einmal einen Blackout in ganz Deutschland? Die Bundesnetzagentur sagt Nein. Auf Regionen bezogen gab es demnach im Münsterland im Winter 2005 einen großflächigeren Ausfall wegen Schneechaos' und Sturms.

Strommasten knickten damals wie Streichhölzer um. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Der Stromausfall zog sich über Tage hin.


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