Blutnacht von Hanau: Tobias R. wurde kurz vor den Morden von der Polizei kontrolliert

Hanau/Berlin - Die schreckliche Mordserie in Hanau schockierte ganz Deutschland. Nun wurde bekannt: Kurz davor wurde der Todesschütze Tobias R. von der Polizei kontrolliert.

Das Foto zeigt Mitarbeiter der Spurensicherung an einem der Tatorte in Hanau.
Das Foto zeigt Mitarbeiter der Spurensicherung an einem der Tatorte in Hanau.  © Dorothee Barth/dpa

Der 43-jährige Sportschütze Tobias R. war etwa eine Stunde vor Abgabe des ersten Schusses wegen Falschparkens kontrolliert worden.

Wie Teilnehmer einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages am Donnerstag berichteten, stand sein Auto in der Nähe des ersten Tatorts.

Er habe bei der Kontrolle nicht aggressiv reagiert, erfuhren die Teilnehmer von Generalbundesanwalt Peter Frank.

Bei der sogenannten "Blutnacht von Hanau" starben insgesamt elf Menschen. Der Täter erschoss neun Personen mit Migrationshintergrund in zwei Shisha-Bars in Hanau. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst.

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau wurde bekannt, dass Tobis R. – der als Sportschütze legal Waffen besitzen durfte – offenbar an einer "schweren psychotischen Krankheit" litt, wie der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, mitteilte (TAG24 berichtete).

Tobias R. hatte von Verschwörungstheorien geprägte Weltsicht

Ebenso wurde bekannt, dass die Bundesanwaltschaft schon im vergangenen November Kontakt mit dem 43-Jährigen hatte. Tobias R. hatte Strafanzeige gegen eine unbekannte geheimdienstliche Organisation gestellt und darin zum Ausdruck gebracht, dass es eine übergreifende große Organisation gebe, die vieles beherrsche, "sich in die Gehirne der Menschen einklinkt und dort bestimmte Dinge dann abgreift, um dann das Weltgeschehen zu steuern".

Auch in einem YouTube-Video hatte der 43-Jährige seine wirre und von Verschwörungstheorien geprägte Weltsicht dargelegt.

Die Ermittlungen zu dem Anschlag in Hanau dauern an.

Anschlag in Hanau: Todesschütze feuert 52 Schuss ab

"Fight now!" (kämpft jetzt), mit diesen Worten beendet der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., sein wirr anmutendes Video, in dem er vor unterirdischen Militäreinrichtungen in den USA warnt, in denen angeblich Kinder misshandelt und getötet würden.
"Fight now!" (kämpft jetzt), mit diesen Worten beendet der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., sein wirr anmutendes Video, in dem er vor unterirdischen Militäreinrichtungen in den USA warnt, in denen angeblich Kinder misshandelt und getötet würden.  © Screenshot/YouTube

Update, 13.52 Uhr: Hinweise über mögliche Mitwisser oder Unterstützer gebe es bislang nicht, berichteten die Abgeordneten weiter.

Allerdings warteten die Ermittler noch auf Auskünfte des FBI zu möglichen Kontakten von Tobias R. während einer Reise in die USA im November 2018.

Den Angaben zufolge erschoss der Attentäter am Mittwoch vergangener Woche in der hessischen Stadt innerhalb von zwölf Minuten die ersten neun Opfer seines des Anschlags.

Die Polizei fand nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung des Innenausschusses drei Schusswaffen: eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung.

Die Abgeordneten erfuhren weiter, der Todesschütze von Hanau habe insgesamt 52 Schuss abgegeben.

Im Wagen lagen noch 18 weitere Patronen. In einem Rucksack in seinem Zimmer fanden Ermittler demnach später noch 350 Patronen.

Der erste Tote um 21.58 Uhr: So verlief die "Blutnacht von Hanau"

In der Innenstadt von Hanau kam es zu einem Anschlag mit zahlreichen Toten.
In der Innenstadt von Hanau kam es zu einem Anschlag mit zahlreichen Toten.  © wiesbaden112.de

Update, 14.53 Uhr: Wie die Abgeordneten weiter berichteten, erschoss der Attentäter von Hanau am 19. Februar um 21.58 Uhr das erste seiner Opfer auf einer Straße.

Dann sei er geflohen und habe unterwegs einen zweiten Menschen getötet, bevor er weiter zur Bar Midnight fuhr und dort vier Schüsse durch die Tür abgab. An diesem Tatort sei ein Mensch gestorben, hieß es. Als er weiterfuhr, tötete der Mann einen weiteren Menschen. Im Vorraum eines Kiosks habe er dann vier Menschen getötet. In der benachbarten Arena Bar gab es demnach einen Toten und mehrere Verletzte.

Um 22.10 Uhr sei der Todesschütze dann mit dem Auto zur Wohnung seiner Eltern gefahren. Dort soll sein Auto – nach Auswertung einer Video-Aufnahme und Kennzeichen-Abfrage – um 23.10 Uhr festgestellt worden sein.

Wie ein Abgeordneter berichtete, klingelte die Polizei erst – vergeblich – an der Tür. Dann sei eine Drohne losgeschickt worden, um durch das Fenster schauen zu können. Ein Spezialeinsatzkommando sei um 3.03 Uhr in die Wohnung eingedrungen, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung übereinstimmend.

Ihren Angaben zufolge lag die Mutter von Tobias R., die zuletzt pflegebedürftig gewesen war, tot im Wohnzimmer. Die Leiche des 43-Jährigen sei am Kellerabgang gefunden worden.

Die Ermittlungen zu den tödlichen Schüssen in Hanau laufen auf Hochtouren.
Die Ermittlungen zu den tödlichen Schüssen in Hanau laufen auf Hochtouren.  © NEWS5 / Höfig

Titelfoto: Montage: Dorothee Barth/dpa, Screenshot/YouTube

Mehr zum Thema Terror:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0