Bob-WM: Francesco Friedrich schreibt Geschichte!

Altenberg - Die letzten Meter rutschten Francesco Friedrich und sein Anschieber Thorsten Margis in Altenberg auf dem Seitenrand ihres Zweiers sitzend vor die Massen im Ziel. Die Fäuste geballt, tausende Fans jubelten ihnen zu. Es war vollbracht. Als erster Bob-Pilot der Geschichte gewann "Franz" den WM-Titel im kleinen Schlitten zum 6. Mal in Folge.

Francesco Friedrich (r.) zeigt es an: Den Zweier-WM-Pokal hat er jetzt als erster Pilot zum sechsten Mal in Folge gewonnen. Fünfmal zusammen mit Anschieber Thorsten Margis.
Francesco Friedrich (r.) zeigt es an: Den Zweier-WM-Pokal hat er jetzt als erster Pilot zum sechsten Mal in Folge gewonnen. Fünfmal zusammen mit Anschieber Thorsten Margis.  © Lutz Hentschel

Und die Konkurrenz war chancenlos bei der Machtdemonstration des 29-Jährigen und seines Anschiebers.

Für die vier Läufe brauchte das Duo insgesamt 3:40,44 Minuten. Johannes Lochner (Berchtesgaden) lag als Zweiter unglaubliche 1,65 Sekunden dahinter. Bronze ging an den Letten Oskars Kibermanis (+1,79).

"Wir waren gut vorbereitet", meinte Friedrich im Nachgang mit einem breiten Grinsen im Gesicht. "Seit Olympia 2018 haben wir so viele Testfahrten hier gemacht und sind jetzt super happy." Erfolg ist im Falle des Pirnaers eben planbar.

Obwohl für beide Renntage das Wetter so unterschiedlich angekündigt war (Sonnabend warm und trocken, Sonntag Regen, kühl und windig), hatte das Team die Ruhe weg.

"Wir alle wissen, was wir tun", meinte Crew-Mitglied Martin Grothkopp vorm ersten Lauf. Sogar die Kufen hatten sie für diese Bedingungen seit Wochen ausgesucht.

Am Abend konnte also gefeiert werden. "Hier erst mit den ganzen Fans. Dann schauen wir, wo wir am Abend versacken", meinte der Rekord-Weltmeister nach seinem Sieg. Rainer Jacobus, der Präsident seines Vereins BSC Sachsen Oberbärenburg, hatte in einem Hotel in Oberbärenburg alles für die Party vorbereitet. "Wir sind gut versorgt", meinte Friedrich augenzwinkernd.

Nico Walther Verlierer des Tages

Wie ein Häufchen Elend saß Nico Walther nach seiner Ziel-Ankunft im Finallauf im Bob. Statt Silber oder Bronze blieb für ihn nur Rang vier.
Wie ein Häufchen Elend saß Nico Walther nach seiner Ziel-Ankunft im Finallauf im Bob. Statt Silber oder Bronze blieb für ihn nur Rang vier.  © Lutz Hentschel

Der sich mal wieder als überragender Sportsmann präsentierte. In der Stunde eines seiner größten Triumphe tröstete der Olympiasieger den Verlierer des Tages - Pilot Nico Walther.

Bei der Siegerehrung nahm er den Viertplatzierten lange in den Arm. "Es tut mir echt leid für ihn. Für das Wetter kann niemand was."

Was war passiert? Walther lag vorm letzten Lauf auf Platz zwei. Hatte eine Medaille eigentlich sicher und dann hörte es ausgerechnet bei ihm auf zu regnen.

Die Folge war, dass die Bahn verreifte und den Lokalmatadoren trotz gutem Start und augenscheinlich perfekter Fahrlinie so bremste, dass er seinen Vorsprung und die Medaille verlor.

"Das sind nicht meine Bedingungen", haderte Nico, der dafür die falschen Kufen unter seinem Bob hatte. "Es war ein hartes Jahr für uns. Es sah so aus, als ob wir hier ein Happy End hätten feiern können", meinte er und kämpfte mit den Tränen.

"Irgendwann kommt alles zurück. Vielleicht sollte ich mal Lotto spielen."

Zu den ersten Friedrich-Gratulanten zählten seine Frau Magdalena (l.) und die Kinder.
Zu den ersten Friedrich-Gratulanten zählten seine Frau Magdalena (l.) und die Kinder.  © Lutz Hentschel
Francescos Mutter Peggy (u.3.v.r.) drückte auf der Tribüne ihrem Sohn die Daumen. Zweifel, dass der WM-Coup nicht klappt, hatte die stolze Mama nie.
Francescos Mutter Peggy (u.3.v.r.) drückte auf der Tribüne ihrem Sohn die Daumen. Zweifel, dass der WM-Coup nicht klappt, hatte die stolze Mama nie.  © Lutz Hentschel
Der erfolgreichste Anschieber der Welt, Kevin Kuske (vierfacher Olympiasieger), wurde am Rande der WM in die Sportlerrente verabschiedet.
Der erfolgreichste Anschieber der Welt, Kevin Kuske (vierfacher Olympiasieger), wurde am Rande der WM in die Sportlerrente verabschiedet.  © Lutz Hentschel

Titelfoto: Lutz Hentschel


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