Bockige Bockauer wählten alten Ortschef wieder

Bockauer, die ihren Bürgermeister behalten wollten: Annemarie Beyreuther (66, l.), Manfred Weck (63) und Maria Finke (58).
Bockauer, die ihren Bürgermeister behalten wollten: Annemarie Beyreuther (66, l.), Manfred Weck (63) und Maria Finke (58).

Von Bernd Rippert

Bockau - Die Erzgebirger gelten als stur. Besonders bockig sind die Bockauer. Bei der Bürgermeisterwahl machten die Bürger einen Mann zum Gemeindechef, der gar nicht mehr kandidiert hatte, nicht auf dem Stimmzettel stand - den bisherigen Bürgermeister Siegfried Baumann (65).

Eigentlich wollte Baumann nach 24 Jahren im Amt in den Ruhestand gehen, „mehr Zeit mit meiner Frau Monika verbringen“.

Die Bockauer waren anderer Meinung. Bei der ersten Wahl schrieben so viele Bewohner Baumanns Namen auf die Stimmzettel, dass ein zweiter Wahlgang nötig wurde. Und da wurde der Alt-Bürgermeister mit 506 Stimmen (60,4 Prozent) deutlicher Sieger vor dem offiziellen Kandidaten.

Bleibt im Amt, obwohl er nicht wieder kandidiert hatte: Bürgermeister Siegfried Baumann (65).
Bleibt im Amt, obwohl er nicht wieder kandidiert hatte: Bürgermeister Siegfried Baumann (65).

Siegfried Baumann sah den ungewollten Sieg abends im TV. Ungläubig ging er zum Wahlleiter. Als der das Ergebnis bestätigte, nahm Baumann das Amt an: „Ich bin stolz, dass die Bürger meine Arbeit schätzen.“

Das bestätigten seine Wähler, als die MOPO in Bockau nachfragte. „Ich bin zufrieden mit ihm“, sagte Annemarie Beyreuther (66). „Klar, seine Frau bedauert das“, ahnt Maria Finke (58). „Aber wir sind eben bockige Bockauer.“

Baumann: „Wenn ich mich gut fühle, trete ich in sieben Jahren noch einmal an.“

Verpflichtung Ehrenamt

Bürger wählen einen Bürgermeister, der nicht kandidiert hatte - der Fall Bockau ist nach Auskunft des Innenministeriums wohl einmalig in Sachsen. Bürger müssen bei Kommunalwahlen den Stimmzettel nicht beachten, sagt die Wahlordnung.

Wähler können neben den Kandidaten einen eigenen Vorschlag aufschreiben. Der Eintrag muss eindeutig einer Person zuzuordnen sein. Wer in ein Ehrenamt gewählt wird, muss die Wahl annehmen - Ablehnung ist nur bei wichtigen Gründen möglich. Dann wird neu gewählt.

Bock auf Bockau

Kommentar von Bernd Rippert

Erzgebirger haben ihren eigenen Kopf. Das gilt auch für Wahlen. Ein Mann wollte in Bockau offiziell Bürgermeister werden, drei weitere inoffiziell, also quasi nachnominiert, ohne auf dem Stimmzettel zu stehen (was laut Kommunalwahlgesetz möglich ist). Doch die Bürger wollten ihren alten Gemeindechef behalten.

Die Bockauer setzten sich durch und wählten Siegfried Baumann mit großer Mehrheit. Das kann der alte/neue Bürgermeister schon aus rechtlichen Gründen nicht ablehnen.

Für mich ist das Wahlergebnis nicht nur ein Sieg für die Demokratie, sondern auch ein Ausdruck von Bürgersinn. Gut, dass sich die Bockauer nicht so schnell ins Bockshorn jagen lassen, sondern selbst in der Wahlkabine das tun, was sie für richtig halten.

Siegfried Baumann hatte auf die früheren Hochwasser reagiert, die alte Papierfabrik gegen viele Widerstände abreißen lassen, Fußballern und Grundschülern geholfen sowie die Eigenständigkeit Bockaus verteidigt. Den Kurs wollen die Bürger fortsetzen. Wenn der richtige Mann nicht zur Wahl antritt, dann wird er eben durch handschriftliche Einträge auf dem Stimmzettel dazu gezwungen. Das macht Bock auf Bockau.

Fotos: Heinz Patzig


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