Was steckt hinter den mysteriösen Steinhügeln im Bodensee?

Langenargen/Uttwil - Rund 100 Steinhügel vor dem Schweizer Bodenseeufer geben Forschern seit Jahren Rätsel auf. Neue Untersuchungen sollen nun für mehr Klarheit sorgen.

Wissenschaftler und Forscher bereiten am 29. Mai 2019 auf dem Bodensee zwischen Hagnau und Konstanz die Bohrplattform vor, die eingesetzt wird, um das Sediments des Bodensees zu erforschen.
Wissenschaftler und Forscher bereiten am 29. Mai 2019 auf dem Bodensee zwischen Hagnau und Konstanz die Bohrplattform vor, die eingesetzt wird, um das Sediments des Bodensees zu erforschen.  © DPA

Mit Sedimentbohrungen soll das Alter der Hügel besser bestimmt werden, heißt es beim Amt für Archäologie des Kantons Thurgau. Am Freitag (10 Uhr) wollen die Wissenschaftler über den aktuellen Stand dieser Untersuchungen berichten.

Die Steinhügel waren 2015 bei einer Tiefenvermessung des Bodensees zwischen Romanshorn und Bottighofen entdeckt worden. Sie haben jeweils einen Durchmesser von 15 bis 30 Metern und befinden sich in regelmäßigen Abständen in einer Reihe in Ufernähe. Sie liegen etwa drei bis fünf Meter unter der Wasseroberfläche.

Unklar war zunächst, ob es sich um natürliche Ablagerungen des Bodenseegletschers vor 18.000 Jahren handelte. Inzwischen sind sich die Forscher aber einig, dass die Hügel von Menschenhand aufgeschüttet wurden - vermutlich in prähistorischer Zeit.

Wozu die Strukturen dienten, ist aber noch nicht erforscht.

Steinhügel stammen wohl aus der Bronzezeit

Beim Rätselraten um rund 170 Steinhügel auf dem Seegrund vor dem Schweizer Bodenseeufer kommen die Forscher in kleinen Schritt voran. Er gehe derzeit davon aus, dass die Hügelreihe vermutlich aus der Bronzezeit rund 1000 vor Christus stammen könnte, sagte Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie des Kantons Thurgau am Freitag.

Um den Zeitraum genauer eingrenzen zu können, haben die Forscher gemeinsam mit Geologen der Universität Bern Bohrproben aus rund acht Metern Tiefe an den Hügeln entnommen. Mit ersten Ergebnissen rechne er im Herbst, sagte Leuzinger.

Der Archäologe Leuzinger schätzt, dass der Bereich der Hügel zur Zeit des Baus im flacheren Wasser gelegen hat. "Ich gehe davon aus, dass das Wasser den Menschen damals maximal bis zum Bauchnabel ging", sagte er.

Wozu die Strukturen dienten, ist dagegen noch völlig unklar. Es gibt derzeit verschiedene Theorien, etwas dass sie als Wehranlagen, Grabhügel oder Transportwege dienten. In diesem Zusammenhang sei auch der Begriff "Stonehenge vom Bodensee" aufgetaucht, sagte Leuzinger.

Einen astronomischen Bezug halte er allerdings für unwahrscheinlich. Seiner Meinung nach könnte es aber durchaus einen kultischen Hintergrund für die Hügel geben. "Sie könnten zum Beispiel als Begräbnisplattform oder als Denkmal für Verstorbene genutzt worden sein."

Die auf der Schweizer Seite des Bodensees entdeckten rätselhaften Steinhügel sind von Menschen aufgeschüttet worden. Zu diesem Ergebnis seien Experten gekommen, berichtete der Kanton Thurgau im April 2018. (Archivbild)
Die auf der Schweizer Seite des Bodensees entdeckten rätselhaften Steinhügel sind von Menschen aufgeschüttet worden. Zu diesem Ergebnis seien Experten gekommen, berichtete der Kanton Thurgau im April 2018. (Archivbild)  © Matthias Schnyder/Amt für Archäologie des Kantons

Titelfoto: Matthias Schnyder/Amt für Archäologie des Kantons

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