Merkel holte sich ihr "Wissen" bei der Bild

Frau Doktor Merkel (63, CDU)  hat sich ein Bild von Böhmermann gemacht - via Bild.
Frau Doktor Merkel (63, CDU) hat sich ein Bild von Böhmermann gemacht - via Bild.

Köln/Bochum/Berlin - Bild Dir Deine Meinung: Kanzlerin Dr. Angela Merkel hatte sich damals über das Böhmermann'sche Schmähgedicht informiert - und zwar auf bild.de. Das stößt dem Satiriker Jan Böhmermann (36) bitter auf.

Am 31. März 2016 hatte Böhmermann unter dem Titel "Schmähkritik" ein Gedicht über den türkischen Präsidenten vorgetragen, mit der er erklären wollte, was man in Deutschland sagen - und nicht sagen dürfe. Damit löste er eine Staatsaffäre und ein Ermittlungsverfahren gegen sich aus.

Merkels Einlassung ("Bewusst verletzend") kam damals einem Urteil gleich.

"Die Staatsanwaltschaft hat unserer von Anfang an geäußerten Einschätzung der Rechtslage entsprochen", bemängelte Böhmermanns Anwalt Christian Schertz schon im Herbst 2016 Merkels zu zeitiges "Urteil".

"Anders als etwa die Bundeskanzlerin, die offenbar in Unkenntnis des genauen Sachverhalts ihren Regierungssprecher die satirische Nummer von Herrn Böhmermann sogleich pauschal als 'bewusst verletzend' bewerten ließ, noch dazu gegenüber einer ausländischen Regierung, hat die Staatsanwaltschaft erkannt, dass man das Gedicht nicht solitär betrachten kann" (TAG24 berichtete).

Jan Böhmermann (36): "Beruhigend zu wissen, dass sich die Kanzlerin vor größeren politischen Entscheidungen nochmal bei bild.de schlau macht."
Jan Böhmermann (36): "Beruhigend zu wissen, dass sich die Kanzlerin vor größeren politischen Entscheidungen nochmal bei bild.de schlau macht."

Es war bis dato nicht klar, ob sie den GESAMTEN TV-Auftritt zuvor überhaupt verfolgte. Umso peinlicher ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich von Jan Böhmermanns umstrittener TV-Satire über den türkischen Staats-Chef Erdogan kein eigenes Bild gemacht hat, bevor sie den Satiriker-Auftritt mit dem "Schmähgedicht" öffentlich kritisierte.

Das Kanzleramt musste den Fakt einräumen, nachdem es vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zu entsprechenden Auskünften verpflichtet worden war (Az. OVG 6 S 9.17).

Böhmermann selbst schreibt dazu auf Facebook:

"Die Kanzlerin habe das Gedicht bei 'bild.de' zur Kenntnis genommen, hieß es. Erst danach habe sie es als 'bewusst verletzend' bezeichnet. Zudem wurden weitere Kanzleramts-Interna zu dem Geschehen und Merkels Informationsstand dargelegt. Beruhigend zu wissen, dass sich die Kanzlerin vor größeren politischen Entscheidungen nochmal bei bild.de schlau macht, worum es (ungefähr) geht, lol!

Bild.de hatte damals das 'reine' Schmähgedicht aus der ZDF Sendung herausgeschnitten. Für Laien und den flüchtigen Leser konnte so der Eindruck entstehen, dies sei die gesamte gesendete Erdogan-Nummer gewesen. Ich feier hier einfach nur eine große Satireparty. ? Bild.de! Sie hat bei bild.de nachgeguckt! ???"

Erst die Eilklage des Tagesspiegels "zwang das Kanzleramt zur Antwort. Der Fall ist bedeutsam, weil die Regierung bisher den Standpunkt vertreten hat, die Kanzlerin müsse grundsätzlich keine Angaben zu ihrem Informationsstand im Vorfeld von Regierungsentscheidungen machen", heißt es dort.


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