Falscher Bombenalarm: Wer wird dafür eigentlich zur Kasse gebeten?

Nicht nur das Absperrband gehen ins Geld: Beamte, Fahrzeuge und weiteres Equipment sind ein Fall für die Staatskasse.
Nicht nur das Absperrband gehen ins Geld: Beamte, Fahrzeuge und weiteres Equipment sind ein Fall für die Staatskasse.  © DPA

Berlin - Zwei vergessene Werkzeugkisten führten am Montag zu einem Chaos an der Warschauer Straße (TAG24 berichtete). U-Bahn, Straßenbahn und Bus standen still und auch für den Autoverkehr ging nichts mehr. Die Polizei war in einem hohen Aufgebot vor Ort. Bislang wurden Verursacher nur sporadisch zur Kasse gebeten. Passiert es aber dann doch, so ist die Höhe äußerst empfindlich.

Freunde wird sich derjenige mit dieser Aktion nicht gemacht haben. Ein ganzer Stadtteil versank im Verkehrschaos, nur weil zwei Werkzeugkisten zu einem Bombenalarm führten. Das Gebiet wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt und für mehrere Stunden bewegte sich allenfalls die vom Wind getragene Plastiktüte.

Wie der rbb berichtete, hat aber der Einsatz nicht nur zu einem Verkehrschaos sondergleichen geführt. Vor allem die Kosten sind in Anbetracht der Umstände für den Steuerzahler sehr schmerzlich, denn 50 Beamte waren über Stunden mit dem falschen Bombenalarm beschäftigt.

Doch bei den Beamten blieb es nicht. Auch der LKA musste mit Spezialkräften samt Bombenroboter anrücken. Summa summarum beläufen sich somit die Einsatzkosten auf schätzungsweise mehrere 10.000 Euro.

Ein spezieller Bombenroboter untersuchte die verdächtigen Kisten in der Straßenbahn der Linie M10 an der Warschauer Straße.
Ein spezieller Bombenroboter untersuchte die verdächtigen Kisten in der Straßenbahn der Linie M10 an der Warschauer Straße.  © DPA

Die vergessenen Werkzeugkisten sind in Berlin jedoch kein Einzelfall. Im laufenden Jahr führten Koffer, Tüte & Co schon zu 21 Einsätzen. Allein dafür sind jedes Mal mehrere hunderttausend Euro angefallen.

Ein Nachspiel muss der Besitzer der Werkzeugkisten nicht befürchten, wie ein Polizeisprecher erläutert: "Sie können niemanden in Regress nehmen, wenn er seinen Koffer irgendwo vergisst."

Wird jedoch mutwillig ein Bombenalarm oder -drohung herbeigeführt, zudem Spezialisten anrücken müssen, kann man sich durchaus finanziell das Leben ruinieren. Diese Erfahrung musste auch eine Studentin 2003 machen. Sie wollte mit ihren Freund nicht in den Urlaub fliegen und drohte am Telefon mit einer Bombenexplosion am Düsseldorfer Flughafen. Die Folge: Terminals musste geräumt werden, Flüge mussten verschoben oder teilweise gestrichen werden.

Diese Dummheit ließ das Düsseldorfer Landgericht nicht ungesühnt und verurteilte die junge Frau zu einem Schadenersatz in Höhe von 207.000 Euro. "Ihr wird in den nächsten 30 Jahren nur das Einkommen bleiben, was unterhalb des Pfändungsfreibetrages liegt", sagte ein Sprecher des Gerichtes nach Abschluss der Urteilssprechung.


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