Serie von Bombendrohungen gegen Gerichte: Stecken Neonazis dahinter?

Kiel - An mehreren Gerichten in Deutschland rückten am Freitag nach Bombendrohungen Spürhunde an. Es gibt schnell Entwarnung, nun suchen Ermittler nach den Hintergründen dazugehöriger E-Mails.

Ein Sprengstoffspürhund der Polizei untersuchte das Wiesbadener Justizzentrum wegen der Bombendrohung.
Ein Sprengstoffspürhund der Polizei untersuchte das Wiesbadener Justizzentrum wegen der Bombendrohung.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Der Absender "nationalsozialistische Offensive" ist den Behörden in Bund und Ländern nach Angaben des Bundesinnenministeriums schon öfter untergekommen.

"Es handelt sich um einen oder mehrere Personen, die als Vielschreiber wiederholt Drohungen gegenüber verschiedenen Institutionen geäußert hat beziehungsweise haben", sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Für Kiel, Hamburg, Saarbrücken und Erfurt bestätigten die Behörden, dass die Drohungen mit "nationalsozialistische Offensive" unterschrieben waren.

Eine Einschätzung, wie real ein rechtsextremistischer Hintergrund sein könnte, ist laut Kieler Polizei bisher nicht möglich.

Eine Sprecherin des thüringischen Landeskriminalamts sagte, es sei noch unklar, ob die Tat einen politischen Hintergrund habe. "Wir ermitteln in alle Richtungen."

Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften in Potsdam im Einsatz, um das Justizzentrum nach einer Bombendrohung zu räumen.
Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften in Potsdam im Einsatz, um das Justizzentrum nach einer Bombendrohung zu räumen.  © dpa/Julian Stähle

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) verurteilte die Drohungen als Angriff auf die Justiz (TAG24 berichtete).

"Wer Gerichte bedroht, greift die unabhängige Justiz und unser demokratisches Gemeinwesen an", sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur.

"Diese Straftaten müssen mit allem Nachdruck aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden."

Betroffen waren Gebäude in Kiel, Potsdam, Magdeburg, Erfurt, Saarbrücken, Wiesbaden und Hamburg. Überall gaben die Behörden nach Überprüfungen Entwarnung.

Das Gerichtsgebäude in Hamburg musste laut Polizei nicht geräumt werden. In Schleswig-Holstein und Hamburg ermittelt der Staatsschutz.

In Potsdam hatten Unbekannte nach Polizeiangaben am Donnerstagabend kurz nach 21 in einer E-Mail an das Justizzentrum damit gedroht, dort am Freitag einen Sprengsatz zu zünden.

Ein Polizeisprecher sagte, etwa zeitgleich seien auch die Drohungen in den anderen Städten eingegangen.

Das Landgericht in Magdeburg wurde nach der Bombendrohung am Freitagvormittag geräumt.
Das Landgericht in Magdeburg wurde nach der Bombendrohung am Freitagvormittag geräumt.  © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Die Schreiben seien ersten Erkenntnissen zufolge gleichlautend gewesen. Ob dies auch für alle Unterzeichnung gilt, ließ der Sprecher offen.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte, ein Zusammenhang der Drohung gegen das Wiesbadener Justizzentrum mit den Schreiben in anderen Städten könne nicht ausgeschlossen werden.

In Wiesbaden mussten rund 600 Mitarbeiter das Justizzentrum zeitweise verlassen, acht Spürhunde waren im Einsatz.

In Potsdam wurden rund 200 Menschen aus dem Justizzentrum gebracht. Am Erfurter Landgericht konnte die Arbeit noch am Vormittag wieder aufgenommen werden, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Auch im Landgericht Saarbrücken wurde kein gefährlicher Gegenstand gefunden. "Jetzt läuft der Betrieb wieder ganz normal", sagte eine Sprecherin.

In den vergangenen Wochen hatten bereits Bombendrohungen an anderen Landgerichten in Schleswig-Holstein die Einsatzkräfte beschäftigt (TAG24 berichtete). Bei keinem der Vorfälle wurden verdächtige Gegenstände gefunden.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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