Vergewaltigung der Camperin: Polizei soll Hilfe-Anruf des Freundes nicht ernst genommen haben

Mit diesem Phantomfoto wurde nach dem Täter gefahndet.
Mit diesem Phantomfoto wurde nach dem Täter gefahndet.

Bonn - Unfassbare Vorwürfe gegen die Bonner Polizeileitstelle! Focus Online liegen jetzt Protokolle vor, die das Geschehen in der Nacht auf den 2. April, als ein Pärchen in der Bonner Siegaue in ihrem Zelt von einem Mann überfallen wurde, und die Frau anschließend vergewaltigt wurde (TAG24 berichtete), dokumentiert.

Der 31-jährige Asylbewerber schnitt das Zelt der beiden auf, klaute Geld und bedrohte das Paar mit einem Astsäge. Mit den Worten "Come out bitch, I want to fuck you" musste die Studentin aus Freiburg sich dem Mann hingeben. Ihr Freund konnte nicht eingreifen, da der Mann immer wieder mit seiner Astsäge drohte.

Nun kommt heraus: Als der Freund der 23-Jährigen im Zelt den Polizeinotruf wählte, fand er dort keine wirkliche Hilfe. Focus Online hat jetzt das Protokoll des Gesprächs vorliegen. Flüsternd rief der Freund, der im Zelt verharrte, die Dienstelle an: "Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt. Von einem Schwarzen. Und zwar in der Siegaue unter einer Brücke."

Die Polizistin lässt dies offenbar zunächst kalt: "Und da geht jemand ihre Freundin an oder wie?" Als der verzweifelte Freund ihr entgegnete, dass der Angreifer mit einer Machete bewaffnet ist, antwortet diese: "Sie wollen mich nicht verarschen, oder?"

Auch als er immer wieder versichert haben soll, dass er gerade Todesängste um sich und seine Freundin hätte, reagierte die Polizistin nicht gerade emphatisch. Nachdem sie dem Mann versprach eine Streife vorbeischickte, verabschiedete sie sich mit den Worten "Danke, tschö".

Die Tat ereignete sich in der Bonner Siegaue.
Die Tat ereignete sich in der Bonner Siegaue.

Als der Täter endlich von seiner Freundin abgelassen hatte und flüchtete, lief das Paar einfach nur weg zur nächsten Straße. Der Freund wählte erneut den Notruf. Doch wieder soll bei dem Gespräch jedes Maß an Emphatie gefehlt haben. Die Beamtin schnief einmal tief durch und soll dem verzweifelten Mann am Telefon eine Nummer der Polizei in Siegburg gegeben haben, da diese das "richtig koordinieren" können.

Kurz danach traf dann auch endlich die versprochene Streife ein. Anhand Aussagen der Studentin konnte schnell ein Phantombild erstellt werden. Einige Tage später konnte der Mann geschnappt werden. Es stellte sich heraus, dass es offenbar nicht seine erste Straftat in diesem Bereich gewesen sein soll.

Der Mann bestreitet bislang die Vorwürfe. Die Polizei allerdings hat ihren Fehler jetzt eingeräumt. Gegenüber Focus Online erklärte Frank Piontek, Sprecher der Bonner Polizei, dass die "aufnehmende Beamtin in der Leitstelle nach unseren Feststellungen die Umstände des ersten Anrufs zunächst nicht richtig eingeordnet und sprachlich unangemessen reagiert hat."

Der Prozess gegen den aus Italien eingereisten Asylbewerber, der offenbar vor einige Tage vor der Tat die Ablehnung seines Antrages erhielt, soll im September beginnen.


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