"Fifty Shades of Grey" für Arme und Alte: Peinlicher "Book Club" startet im Kino

Dresden - Was für ein Cast! Was für eine Enttäuschung! Was sich Jane Fonda, Diane Keaton und Co. nur dabei gedacht haben, so eine peinliche Komödie wie "Book Club" zu drehen, ist ein absolutes Rätsel.

Diane (l., Diane Keaton) verguckt sich in dominanten Piloten Mitchell (r., Andy Garcia).
Diane (l., Diane Keaton) verguckt sich in dominanten Piloten Mitchell (r., Andy Garcia).  © PR/SquareOne Entertainment

Schon die Geschichte liest sich wenig interessant: Vivian (Jane Fonda), Diane (Diane Keaton), Carol (Mary Steenburgen) und Sharon (Mary Steenburgen) sind seit Jahrzehnten beste Freundinnen.

Dank ihres traditionellen Buchclubs treffen sich mindestens einmal im Monat und quatschen über das Werk, das sie gelesen haben, tratschen aber vor allem über Sex, Männer, Peinlichkeiten und ihr Alter.

Als sie beginnen "Fifty Shades of Grey" zu lesen, sind sie gefesselt - und ihre sexuellen Fantasien werden angeregt...

Genauso flach, wie sich dieser Inhalt liest, ist auch der Film geworden.

Die Dialoge sollen zwar bissig sein, wirken in der heutigen Zeit aber zahn- und harmlos.

Es wird auch sonst erkennbar angestrengt versucht, auf den Zug der "Alten-Leute-Filme" aufzuspringen - was völlig misslingt.

Denn schon zu Beginn ist der Film unlustig, uninteressant und nervig-geschwätzig. Er gönnt dem Zuschauer keine Verschnaufpause. Beinahe durchgehend muss man das Alt-Weiber-Getratsche über sich ergehen lassen.

Vivian (r., Jane Fonda) mit ihrer große Jugendliebe Arthur (l., Don Johnson).
Vivian (r., Jane Fonda) mit ihrer große Jugendliebe Arthur (l., Don Johnson).  © PR/SquareOne Entertainment

Dass das nervt, liegt nicht (nur) an der mäßigen deutschen Synchronfassung, sondern vor allem an dem schlechten Drehbuch, dem es so ziemlich an allem fehlt.

Was sich Regie-Debütant Bill Holderman (Drehbuch für "Picknick mit Bären"), der den Film auch mitproduzierte, bei seinen Dialogen zum Fremdschämen gedacht hat, wird nur er wissen.

Der gebürtige Chicagoer meinte: "Der Entschluss, Regie zu führen kam daher, dass ich sonst niemanden für diese Aufgabe hatte. Ich dachte mir: Wenn etwas schiefgeht, dann will ich derjenige sein, der dafür verantwortlich ist."

Und das ist er. Zwar nicht alleine, aber seine Regie-Anweisungen haben offenkundig nicht gerade für Inspiration gesorgt.

Die besonders klischeehafte Szene, in der die Freundinnen über "Fifty Shades of Grey" fantasieren, hebt sich im negativen Sinne sogar noch ab und ist besonders beschämend.

Wegen all dieser Schwächen springt der Funke auf die Zuschauer zu keiner Zeit über. Man kann einfach nichts mit den Figuren und der ausgelutschten Geschichte anfangen.

Von links: Diane (Diane Keaton), Sharon (Candice Bergen), Vivian (Jane Fonda) und Carol (Mary Steenburgen) gehen schon ihr halbes Leben gemeinsam durch dick und dünn.
Von links: Diane (Diane Keaton), Sharon (Candice Bergen), Vivian (Jane Fonda) und Carol (Mary Steenburgen) gehen schon ihr halbes Leben gemeinsam durch dick und dünn.  © PR/SquareOne Entertainment

Bei einer so namhaften Besetzung war damit nicht zu rechnen. Doch gerade die Stars kosten weitere Glaubwürdigkeit.

Denn ihnen allen mangelt es - und das ist bei so erfahrenen Schauspielerinnen äußerst verwunderlich - an Timing, weshalb auch die wenigen soliden Gags im Nichts verpuffen.

Diane Keaton ist in einigen Szenen sogar richtig nervig, weil sie noch mehr überdreht und ihre Figur noch überforderter anlegt als normalerweise, was besonders schlechte Szenen zur Folge hat.

Trotz all dieser Kritikpunkte macht es in einigen wenigen Sequenzen doch ein wenig Spaß, die vielen Stars miteinander spielen zu sehen.

Denn im späteren Verlauf gibt es zumindest ab und zu sinnstiftende Momente, auch wenn vieles weiterhin Genre-Standard oder unterhalb davon ist.

Seien es die typisch-pathetischen Reden mit den gewöhnlichen und altbekannten Botschaften oder das langgezogene Finale: Wirklich überzeugen kann "Book Club" auch in seinen wenigen soliden Szenen nicht.

Titelfoto: PR/SquareOne Entertainment


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