Nach massiver Kritik: Innenminister äußert sich zu angespannter Flüchtlingssituation

Boostedt - Wegen der angespannten Flüchtlingssituation in der Gemeinde Boostedt (Schleswig-Holstein) will sich Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) am Mittwoch in einer Bürgerversammlung den Fragen der Einwohner stellen.

Innenminister Grote im Gespräch: Am Mittwochabend will er sich den Bürgern in Boostedt stellen.
Innenminister Grote im Gespräch: Am Mittwochabend will er sich den Bürgern in Boostedt stellen.  © DPA

Der Bürgermeister von Boostedt, Hartmut König (CDU) hatte zuvor in einem Interview über zunehmende Probleme in den Flüchtlingsunterkünften geklagt und massive Kritik am Land geübt (TAG24 berichtete).

"Unsere Gemeinde wird mit einer Klientel von Flüchtlingen belastet, mit der sich ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr identifizieren kann", sagte König damals und klagte über Krawalle, rüpelhaftes Benehmen und Respektlosigkeit.

Die Bevölkerung der 4600-Einwohner-Gemeinde im Kreis Bad Segeberg habe anfangs noch große Hilfsbereitschaft gezeigt, viele hätten sich ehrenamtlich für die Zuwanderer engagiert, sagte König.

Das habe sich nun geändert, die Stimmung im Ort kippe. "Das Ehrenamt ist zusammengebrochen." Das Engagement werde "von den Flüchtlingen nicht gewürdigt", wettert König.

König warf der Landesregierung weiter vor, die Gemeinde mit den Problemen weitgehend alleine zu lassen. Statt Flüchtlingsfamilien seien in Boostedt inzwischen viele junge Männer ohne Bleibeperspektive untergekommen. Sie dürften nicht arbeiten, seien frustriert und sollen dort laut König bis zu ihrer Abschiebung bleiben.

Vonseiten des Innenministeriums werde dagegen bereits an einer Entschärfung der Situation gearbeitet, hieß es in einem Bericht der Kieler Nachrichten. Wie genau das aussehen soll, erfahren die Bürger bei einer öffentlichen Versammlung: Am Mittwochabend, um 19 Uhr, will sich der Innenminister für Schleswig-Holstein nun den Fragen zur angespannten Situation im Ort stellen.

Das Land will die Zahl der Flüchtlinge in Boostedt bis Ende 2019 auf 500 reduzieren, in Notfällen auf 700. Im Jahr 2024 soll die Landesunterkunft komplett geschlossen werden.

In Boostedt ist eine der beiden Landesunterkünfte für Asylbewerber in einer ehemaligen Kaserne untergebracht. Zurzeit leben dort etwa 1200 Flüchtlinge, ursprünglich sollten es maximal 400 sein. Die Gemeinde selbst hat nur rund 4600 Einwohner.


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