"Borderlands 3" im Test: Darf's noch eine Extra-Portion Irrsinn sein?

Frisco - Lange Zeit schien es unklar, ob "Borderlands 2" aus dem Jahr 2012 je eine Fortsetzung erhält. Sieben Jahre später hat 2K Games nun endlich Teil Drei veröffentlicht - und der Hype war bereits im Vorfeld vollkommen überwältigend. Glücklicherweise scheint das für Entwickler Gearbox nur umso mehr Ansporn gewesen zu sein.

Ihr wollt endlich wieder auf Pandora für Chaos sorgen? Dann erzählt uns auf Facebook von Eurem schönsten "Borderlands"-Moment.
Ihr wollt endlich wieder auf Pandora für Chaos sorgen? Dann erzählt uns auf Facebook von Eurem schönsten "Borderlands"-Moment.  © 2K Games

Um es gleich vorweg zu nehmen: "Borderlands 3" ist seinen serientypischen Elementen treu geblieben.

Comic-Grafik, Koop-Modus, bitterböser Humor, coole Musik und noch coolere Figuren, eine abgedrehte Story, jede Menge Knarren und Claptrap ist natürlich auch dabei.

Zu Beginn Eures Abenteuers wählt Ihr erneut aus vier spielbaren Charakteren, wobei jeder der vier Heldinnen und Helden über eine eigene Persönlichkeit, eigene Aussagen und - zumindest im Bereich der Fähigkeiten - einen eigenen Spielstil verfügt.

Agent Zane Flynt ist der mürrisch-sarkastische alte Hase (oder soll es zumindest sein, dazu jedoch später mehr), der Hightech-Gadgets einsetzt, um das Schlachtfeld zu kontrollieren.

Die neue Sirene Amara ist kampflustig und auf der Suche nach Ruhm und setzt auf ihre telekinetischen Fähigkeiten. Gunnerin Moze entspricht am ehesten einem Soldat und vertraut im Kampf auf ihren Mech Iron-Bear. Beastmaster und Roboter FL4K folgt dem Ruf der Jagd, wirkt höflich und bedacht und hetzt im Gefecht seine Biester auf all jene, die ihm im Weg stehen.

"Borderlands"-Veteranen werden vor allem mit Roboter FL4K ihren meisten Spaß haben, denn der Beastmaster bringt die wahrscheinlich größten Neuerungen mit sich. Neueinsteigern empfehlen wir hingegen Agent Zane, der von vier Helden der wohl zugänglichste ist - zumal der Schwierigkeitsgrad bereits auf "Mittel" Euch gut fordert, zumindest wenn Ihr allein spielt.

Wie bereits in den Vorgängern ist der Koop-Modus eine der größten Stärken von "Borderlands 3". Zwar wurden seit dem Release einige Performance-Probleme gemeldet und auch wir waren vor allem während unseres Splitscreen-Tests auf der PS4 nicht vor Framerate-Einbrüchen gefeit. Wer jedoch das volle Chaos von "Borderlands 3" erleben und seinen Gegnern beispielsweise Bestien auf den Hals hetzen möchte, während sich ein riesiger Mech mit Minigun und Granatenwerfer durch die Feinde arbeitet, kommt an der Koop-Sause nicht vorbei.

Hinzu kommt noch die Wahl zwischen "Kooperation" und "Koopkurrenz", jener Modus, indem Ihr und Eure Partner zusätzlich gegeneinander darum kämpft, wer denn nun den Loot bekommt. Pandora ist und bleibt eben ein ziemlich übler Fleck im Universum.

Review zu "Borderlands 3": "So hat auch Eure Waffe eine Waffe"

Sirene Lilith ist wieder mit von der Partie und rekrutiert Euch...
Sirene Lilith ist wieder mit von der Partie und rekrutiert Euch...  © 2K Games

Doch nicht nur der Koop, auch die Story von "Borderlands 3" weiß zu überzeugen.

Vorbei sind die alten Zeiten, in denen sich Banditenbanden gegenseitig das Leben schwer machten.

Die beiden neuen Bösewichte, die Zwillinge Tyreen und Troy Calypso, haben die Clans in einem sektenartigen Kult, den Children of the Vault (CoV), vereint, lassen sich wie Götter verehren und wollen mit Hilfe einer mysteriösen Karte sowie eines Schlüssels die Kontrolle über alle Vaults im Universum erlangen.

Kurz zur Rekapitulation: Vaults sind von Alienhand geschaffene Kammern, in denen Schätze ungeahnten Ausmaßes verborgen sein sollen.

Sirene Lilith, Heldin aus "Borderlands 2" will jedoch verhindern, dass diese Schätze in die falschen Hände geraten und so schart sie Euren Trupp um sich und Ihr zieht gemeinsam in die Schlacht, um die Galaxie vor den CoV zu retten. Anders als in den Vorgängern seid ihr dabei nicht nur auf Pandora unterwegs, sondern verlasst erstmals den Wüstenplaneten, um unter anderem nach Promethea, in die Heimat des Atlas-Konzerns, zu reisen.

Keine Frage: Schon allein in Sachen Größe macht "Borderlands 3" seinem Namen alle Ehre. Viel mehr als vom schieren Umfang waren wir jedoch von der Liebe zum Detail und der schieren Freude angetan, mit der Gearbox augenscheinlich an Teil Drei arbeitete.

Da wäre zum einen die Grafik, die immer wieder zum Verweilen, Umherschauen und Staunen einlädt. Klar, der Comic-Stil mag auch im mittlerweile fünften Teil der Serie nicht jedermanns Sache sein (das mäßige Mobile-Game "Borderlands Legends" haben wir an dieser Stelle mal ausgelassen). So detailverliebt haben wir den Style jedoch bisher noch nicht erlebt. Gerade Figuren wie die Calypso-Zwillinge, Lilith oder auch Mittlerweile-Banditenboss Vaughn sehen einfach großartig aus.

Hinzu kommt der irrwitzige Humor, der an so ziemlich jeder Stelle zu finden ist. Claptrap putzt Euch permanent als nutzlosen Rekruten runter, die Calypso-Zwillinge machen auf Influencer und halten Euch für ihren größten Fan, Gegner drohen mit "Wir sehen uns im nächsten Teil", wenn Ihr sie besiegt und in den Ladebildschirmen finden sich Tipps darüber, wie man "Törööö" richtig schreibt (am Ende mit drei "ö", wie wir nun gelernt haben). Der bisher schönste Hinweis war für uns übrigens, dass, sollten wir uns mal nicht zwischen Sturmgewehr und Schrotflinte entscheiden können, Schießeisen der Marke "Vladof" ja immer eine zweite Waffe unter ihrem Lauf angebracht haben. "So hat auch Eure Waffe eine Waffe."

Kritik an "Borderlands 3": So klingt doch kein Auftragskiller

Um das Universum vor den bösen Zwillingen Tyreen und Troy Calypso zu retten.
Um das Universum vor den bösen Zwillingen Tyreen und Troy Calypso zu retten.  © 2K Games

Der einzige Wermutstropfen, den wir während unseres Tests feststellen musst, findet sich im Sound.

Klar, die nahezu unendlich vielen und wieder einmal vollkommen abgedrehten Waffen knallen ordentlich, ebenso wie die Fähigkeiten Eurer Helden.

Mit den deutschen Synchronstimmen, gerade im Falle von Zane, wollten wir allerdings nicht so ganz warm werden.

Statt nach mürrischem Auftragskiller, der kurz vor der Rente steht, klingt der Agent mitunter ziemlich naiv und sogar eine Spur zu leichtmütig. Um das Ganze angenehmer zu gestalten, wollten wir während unseres Tests die Sprache auf Englisch stellen, mussten jedoch erkennen, dass dies offenbar nicht möglich ist. Vielleicht kann Gearbox an dieser Stelle nochmal nachpatchen.

Im Gegensatz dazu sei jedoch auch erwähnt, dass uns FL4Ks Synchro vollkommen überzeugte. Die Stimme klingt so wunderbar maschinell, ohne dabei an Persönlichkeit zu verlieren. Diesen Beastmaster hätten wir gern als KI auf unserem Smartphone.

Fazit zu "Borderlands 3"

Ihr setzt dabei erneut auf ein schier unendliches Arsenal irrwitziger Waffen sowie zahlreiche spektakuläre Fähigkeiten.
Ihr setzt dabei erneut auf ein schier unendliches Arsenal irrwitziger Waffen sowie zahlreiche spektakuläre Fähigkeiten.  © 2K Games

"Borderlands 3" ist eine Fortsetzung, wie sie im Buche steht. Entwickler Gearbox setzt auf bewehrte Stärken, füttert diese mit einer Extra-Portion Umfang, Irrsinn und Detailversessenheit an und verpackt das Ganze schließlich in einer spannend erzählten Story.

Das Bemerkenswerteste an "Borderlands 3" war für uns jedoch die schiere Spielfreude, die das Game immer wieder ausstrahlt. Hier wird kein liebloser Aufguss geboten, hier schienen die Entwickler von Gearbox noch mit Liebe zum Detail und vor allem viel Spaß an der Sache dran gewesen zu sein. Über ein paar Performance-Problemchen kann man da schon mal hinwegsehen - zumal Gearbox bereits bekannt gab, dass sie an der Sache dran sind.

Facts:

  • Spiel: "Borderlands 3"
  • Publisher: 2K Games
  • Genre: Loot-Shooter
  • Erschienen am: 13. September 2019
  • Plattformen: PC, PS4, XBoxOne
  • Preis: Etwa 60 Euro (Amazon)
Und natürlich darf auch Claptrap nicht in einem "Borderlands" fehlen.
Und natürlich darf auch Claptrap nicht in einem "Borderlands" fehlen.  © 2K Games

UPDATE, 24. September, 16 Uhr: "Borderlands" verzeichnet Rekord-Verkaufszahlen

Wie 2K nun bekannt gab, verzeichnet "Borderlands 3" seit seiner Veröffentlichung "Wahnsinns-Verkaufszahlen" und hat bereits mehrere Rekorde für den Publisher aufgestellt. So sollen - im Vergleich zum Vorgänger - innerhalb der ersten fünf Tage ganze 50 Prozent mehr Kunden Borderlands 3 gekauft haben, was das Spiel zum sich am schnellsten verkaufenden Titel in der Geschichte von 2K macht. Fünf Millionen Exemplare seien in den ersten fünf Tagen an den Handel ausgeliefert worden, was die Loot-Shooter-Reihe auf Nettoeinnahmen von über eine Milliarde bringe.

Darüber hinaus habe das Spiel unter anderem die höchsten Vorbesteller-Verkaufszahlen eines 2K-Titels geliefert.

UPDATE, 22. November: Erster Story-DLC enthüllt

Mit "Moxxis Überfall auf den Handsome Jackpot" wurde nun der erste Story-DLC für "Borderlands 3" enthüllt. Zusammen mit Moxxi und ihrer Crew von "Experten" macht Ihr Euch daran, Handsome Jacks Casino auf Hyperion zu plündern. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen mit dem Ober-Bösewicht. Einen ersten Trailer findet Ihr nachfolgend. Releasetermin ist der 19. Dezember.

Übrigens: Wer Borderlands 3 schon immer ausprobieren wollte, der bekommt vom 21. bis 24. November auf PS4 und Xbox One die Möglichkeit dazu.

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