"Angriffe auf das System": Boris Palmer kritisiert Radikal-Aktivisten von "Extinction Rebellion"

Tübingen - Die Radikal-Klimaaktivisten von "Extinction Rebellion" sind derzeit in aller Munde, besetzen etwa in Berlin den Potsdamer Platz. Nun hat sich Tübingens OB Boris Palmer (47, Grüne) die Radikal-Ökos vorgeknöpft.

Hat sich erneut auf Facebook zu Wort gemeldet: Boris Palmer.
Hat sich erneut auf Facebook zu Wort gemeldet: Boris Palmer.  © DPA

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte er ein Posting unter der Überschrift "Warum das Klima das erste Opfer der Rebellion ist".

Der Grüne schreibt davon, dass die Aktivisten auch in der Uni-Stadt Tübingen Aufkleber angebracht hätten: "Darin werden unter anderem Bürgerräte zur Kontrolle der Parlamente gefordert."

Bei Palmer schrillen die Alarmglocken: "Da weiß man, wohin das führt: Die höhere Einsicht und moralische Integrität einiger weniger wird zur Rechtfertigung für eine Durchsetzung des eigenen Programms gegen Demokratie und Rechtsstaat." Eigentlich sollte da jedes weitere Wort überflüssig sein, notiert das wohl berühmteste Stadtoberhaupt Deutschlands.

"Ich glaube aber, man muss auch mit denjenigen streiten, die Sympathie für den Gedanken haben, das System lahm zu legen, weil es das Klima zerstört", schreibt Palmer.

Er macht sich die Logik der vermeintlichen Öko-Rebellen zueigen: "Ja, es stimmt, seit drei Jahrzehnten versäumen es die Staaten der Welt (nicht nur die Demokratien, auch China, Saudi Arabien oder Russland), die Verbrennung fossiler Brennstoffe ernsthaft zu vermindern. Ja, es stimmt, wir haben nicht mehr viel Zeit. Der Klimwandel bedroht zahlreiche Ökosysteme der Erde und besonders die Menschen, die sowieso nur das Nötigste zum Leben haben. Es muss sofort gehandelt werden und ganz entschieden umgesteuert."

"Protest ja. Rebellion nein."

Ein Fan der Aktivisten von "Extinction Rebellion" wird Palmer wohl nicht mehr. (Symbolbild)
Ein Fan der Aktivisten von "Extinction Rebellion" wird Palmer wohl nicht mehr. (Symbolbild)  © DPA

Doch er warnt: "Gerade weil das so ist, sind radikal Blockaden und Angriffe auf das 'System' das Dümmste, was man machen kann. Von diesem System hängt das Leben von vielen Milliarden Menschen ab."

Wer es lahm lege, werde ein Massensterben vor allem bei den ärmeren Menschen auf dem Planeten auslösen.

Und damit nicht genug: Jetzt, da genügend öffentliche Unterstützung für entschiedenes Handeln in vielen Ländern der Welt entstanden sei und die Politik sich daher auch bewege, unterminiere eine Rebellion alles, was Fridays for Future aufgebaut habe.

"Die übergroße Mehrheit der Menschen in Deutschland will, das jetzt wirksame Klimaschutzpolitik gemacht wird. Aber noch mehr Menschen wollen, dass unsere Demokratie erhalten bleibt. Das Anliegen des Klimaschutzes wird diskreditiert, wenn es nun von Radikalen gekapert wird", mahnt der nicht ganz typische Grünen-Politiker.

Er warnt vor den Folgen der Öko-Rebellen: "Wer jetzt Rebellion predigt, der ruiniert das Klima, weil wir handlungsunfähig werden und uns heillos zerstreiten. Wer jetzt Rebellion predigt zerstört nicht das System, sondern die Chance, aktiven Klimaschutz voranzubringen. Wer jetzt Rebellion predigt, der sorgt dafür, dass das Klima garantiert kippt - gesellschaftlich und meteorologisch."

Palmers Fazit zu den Radikalos: "Protest ja. Rebellion nein."


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