Blutnacht von Hanau mit 11 Toten: Boris Palmer spricht auch über AfD und Linke

Tübingen/Hanau - Nach der Blutnacht im hessischen Hanau mit elf Toten hat sich Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer (47, Grüne) mit deutlichen Worten gemeldet.

Tübingens Rathauschef Boris Palmer.
Tübingens Rathauschef Boris Palmer.  © DPA

Die Terror-Tat von Tobias R. (†43) trieb Palmer in einem Facebook-Beitrag um.

"Den Opfern der Gegner im Krieg zu Gedenken, ihre Menschenwürde zu achten, die Toten zu bestatten, das ist schon in den frühen Hochkulturen als zivilisatorischer Standard etabliert worden", begann er sein Posting.

"Die schlimmsten Verbrechen der Menschheit bedeuteten immer einen Zivilisationsbruch an dieser Stelle: Den Feinden wurde die Menschenwürde aberkannt, ihre Opfer wurden verachtet."

Und weiter: "Die Nazis schickten Frauen und Kinder in die Gaskammer."

Die Tat von Hanau sei in Deutschland ohne Beispiel, befindet Deutschlands bekanntester Oberbürgermeister.

"In Halle wäre es fast so weit gekommen, dort verhinderte das Schloss an der Synagoge gerade noch ein Blutbad unter Juden. Fünf der Opfer sind türkische Staatsbürger. Alle Opfer haben sind Einwanderer oder deren Kinder", heißt es in dem Posting [Rechtschreibung übernommen].

Palmer kommt auf die AfD zu sprechen

Forensiker an einem Mercedes CLS in Hanau-Kesselstadt.
Forensiker an einem Mercedes CLS in Hanau-Kesselstadt.  © Boris Roessler/dpa

Es könne also überhaupt keinen Zweifel daran geben, dass der Täter seine Opfer nach diesem Kriterium ausgesucht habe. "Er wollte 'Ausländer' töten."

Dass nun in rechten Foren und von vielen in der Vergangenheit als AfD-nah erkennbaren Kommentatoren versucht werde, dieses Muster in Abrede zu stellen und zu behaupten, "man könne darüber gar keine Aussage machen, es sei doch egal, wer die Opfer sind, denn alle Menschen seien ja gleich, der Täter sei eben ein Irrer gewesen, dafür könne niemand was oder gar die Behauptung ins Feld geführt wird, der Täter sei ja Sohn eines Grünen gewesen, finde ich zutiefst verstörend".

Palmer will wissen, ob diejenigen, die das äußern, darüber nachgedacht hätten, wie sich heute Menschen fühlen, die selbst türkische Staatsbürger seien oder aussehen wie Einwandererkinder?

"Wäre es nicht jetzt an der Zeit, die Toten der anderen zu ehren, sich mit den Lebenden zu solidarisieren? Könnten nicht die AfD-Wähler heute sagen: Nicht in unserem Namen?", fragt der 47-Jährige.

Der Grüne betrachtet aber auch die Gegenseite: "Umgekehrt halte ich auch nichts davon, die Tat jetzt zu nutzen, um der AfD die Verantwortung dafür alleine zuzuweisen. Könnten nicht die Linken heute die Frage stellen, wie Sie auf den politischen Gegner zugehen könnten, um einen Grundkonsens zu bewahren?" Und: "Könnten die Linken sich nicht fragen, ob es rechte Radikale frei setzt, wenn man alles Rechte an sich verdammt und ausgrenzt?"

Tübingens Rathauschef appelliert an die User: "Im Angesicht unfassbarer Gewalt wäre die Rückbesinnung auf Errungenschaften der Zivilisation der beste Schutz vor weiteren Opfern."

Wie berichtet, hatte der Todesschütze am Mittwochabend gegen 22 Uhr das Feuer am Heumarkt eröffnet, später fielen Schüsse im Hanauer Stadtteil Kesselstadt. Neun Menschen starben, dann fuhr der 43-Jährige nach Hause, brachte seine Mutter (†72) und sich selbst um.

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