Borkenkäfer-Invasion in Sachsen: Was kann die Plage eindämmen?

Dresden - Die größte Bedrohung unserer Wälder ist kaum größer als ein Streichholzkopf: Der Borkenkäfer frisst Nadelbäume kahl, fällt sogar über Obstbäume her und ließ sich auch von Soldaten der Bundeswehr nicht aufhalten. Die Plage eindämmen könnte nur ein besonderer Winter.

Schlimmste Schäden seit Zweitem Weltkrieg: Thomas Rother (46) vom Sachsenforst zeigt befallenes Holz.
Schlimmste Schäden seit Zweitem Weltkrieg: Thomas Rother (46) vom Sachsenforst zeigt befallenes Holz.  © Kristin Schmidt

Begünstigt durch Hitze, Trockenheit und Sturmschäden wütete der Schädling so stark wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Waldschäden sind insgesamt verheerend: Nur noch jede vierte Baum in Sachsens Wäldern ist ohne erkennbare Schäden.

Während Milliarden Buchdrucker (gefährlichste und häufigste Borkenkäfer-Art) jetzt in Rinden und Boden überwintern, hoffen Waldbesitzer auf eisige Kälte. "Ab -30°C gefriert die Körperflüssigkeit der Käfer und er stirbt ab", sagt Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes (35). Problem: So eisig wird's selbst in höheren Lagen nur (noch) selten.

Fürchten muss der Schädling aber auch in milderen Wintern das sogenannte Kontaktgefrieren. "Dies setzt dann ein, wenn der Käfer in einer feuchten Umgebung überwintert und gefrorene Wasserkristalle durch seine Körperöffnungen in den Körper gelangen", erklärt Coordes.

Aus Waldschutzsicht wünschenswert wäre darum ein beständiger Witterungsmix: Milde Temperaturen mit Regen im Wechsel mit strengem Frost. Dann würde die Käfersterblichkeit (normalerweise 50 Prozent) steigen, im Frühjahr weniger Schädlinge ausfliegen.

Nix Minusgrade: So kuschelig zeigt sich der Winter wirklich

Bislang braucht der Borkenkäfer den Winter nicht zu fürchten. Auch diese Woche bleibt es im Freistaat mild.

Heute sind sogar bis zehn Grad drin. Ein paar Tröpfchen fallen höchstens morgen (maximal fünf Grad). Unter den Gefrierpunkt sinken die Temperaturen nicht, steigen am Donnerstag sogar wieder auf bis 8 Grad. Erst am Wochenende wird's etwas kälter. Im Bergland und höheren Lagen (ab 500 Metern) rechnen die Metereologen mit Schnee, im Tiefland eher mit "Flöckchen".

Ein eisiger Winter zeichnet sich nicht ab. Das kann sich allerdings auch noch ändern - trotz moderner Technik lässt sich das Wetter maximal für zwei Wochen einigermaßen verlässlich vorhersagen.

Viele Käfer überwintern bis zum Frühjahr unter der Rinde.
Viele Käfer überwintern bis zum Frühjahr unter der Rinde.  © Kristin Schmidt
In Altenberg sorgen Schneekanonen auch bei mildem Winterwetter für Pistenspaß.
In Altenberg sorgen Schneekanonen auch bei mildem Winterwetter für Pistenspaß.  © Egbert Kamprath

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