"Jahrhundertkatastrophe": Thüringer Waldbesitzer sehen sich extremen Schäden gegenüber

Erfurt - Die Lage in Thüringens Wäldern scheint düster. "Wenn Sie mit offenem Auge durch den Thüringer Wald oder quer durch Deutschland fahren, werden Sie überall riesige Mengen Holz liegen sehen, irgendwo an Waldrändern oder an Straßen, die nicht weiterverarbeitet werden", sagt der Präsident des Thüringer Waldbesitzerverbandes Jörg Göring.

Borkenkäfer plagen die Bäume schon seit dem vergangenen Jahr.
Borkenkäfer plagen die Bäume schon seit dem vergangenen Jahr.  © DPA

Im Sommer 2019 blühen den Thüringer Waldbesitzern wegen der Dürre und der Borkenkäfer-Plage extrem hohe ökologische und wirtschaftliche Verluste. Die großen Mengen an Schadholz, die gerade anfallen, werden sie teilweise nicht los.

Das Thüringer Landwirtschaftsministerium geht nach momentanem Stand davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2,5 bis 3 Millionen Festmeter Käferholz in den Wäldern im Freistaat anfallen.

Der Holzmarkt sei nicht in der Lage, diese Mengen aufzunehmen, sagt Göring. Momentan seien die Waldarbeiter in den Forstämtern damit beschäftigt, das Schadholz zu schlagen und aus dem Wald zu transportieren.

Die Umsatzeinbußen im Holzverkauf sind der eine Teil. Dazu kommt, dass die Schadflächen wieder aufgeforstet werden müssen. Je nach Baumart kostet das pro Hektar 10.000 bis 15.000 Euro, wie das Landwirtschaftsministerium informiert.

Derzeit geht die Landesforstanstalt Thüringenforst von 13.000 bis 14.000 Hektar Schadfläche in den Wäldern Thüringens aus. Das sind Flächen, in denen mehr als 30 Prozent der Bäume abgestorben sind - sie machen momentan rund 2,5 Prozent der gesamten Waldfläche im Freistaat aus.

Wiederaufforstung kostet Millionen

Das Holz, das nicht mehr verwendet werden kann, wird an den Straßenrand gelegt und bleibt zurück.
Das Holz, das nicht mehr verwendet werden kann, wird an den Straßenrand gelegt und bleibt zurück.  © DPA

Allein die Wiederaufforstung dieser Flächen bringt Kosten im dreistelligen Millionenbereich, wie ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagt. Gleichzeitig betont er, dass die Schäden in den kommenden Monaten drastisch ansteigen. Außerdem sei das Schadensausmaß in einigen Regionen deutlich schlimmer, besonders um Sondershausen und im Hainich-Werratal. Flächen, in denen weniger als 30 Prozent der Bäume abgestorben sind, sind zudem nicht mit eingerechnet.

"Es ist eine ökonomische und eine ökologische Katastrophe", sagt Göring. Zustimmung bekommt er von Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke). "Die Thüringer Waldbesitzer, Waldarbeiter, Förster und Unternehmen arbeiten seit Beginn des Jahres 2018 permanent an der Belastungsgrenze", sagt sie. "Sie leisten Großartiges, um die von Trockenheit und Borkenkäfer verursachten Waldschäden zu beheben. Es schmerzt natürlich, dass die forstlichen Leistungen ganzer Generationen nun dem Borkenkäfer zum Opfer fallen."

Insgesamt will die Thüringer Landesregierung für dieses und die kommenden Jahre 32 Millionen Euro bereitstellen, falls die Sondersituation in den Wäldern anhält. Alleine in diesem Jahr kann Thüringenforst zusätzlich 4 Millionen Euro abrufen. Für die Kommunal- und Privatwaldbesitzer stehen 2019 insgesamt 8,5 Millionen Euro Fördermittel bereit.

"Das reicht überhaupt nicht au", sagte Göring. "Was nützt uns die Aufarbeitungsprämie, wenn wir das Holz nicht verkaufen können?" Zudem müssten die Forstbetriebe die Schäden vorfinanzieren, was aktuell zu Liquiditätsproblemen führe. "Das ist ja noch nicht da, das Geld. Das ist eine Willensbekundung."

Währenddessen warten die Waldbesitzer darauf, dass es endlich wieder ausreichend Niederschlag gibt. "Wenn es jetzt nicht irgendwann anfängt zu regnen - und das vielleicht 4 bis 6 Wochen durch - wird sich an der Situation nichts ändern. Und wir werden Wälder verlieren in Deutschland in einem Größenmaß, das hat noch keiner erlebt von uns. Es ist die Jahrhundertkatastrophe, nicht nur in Thüringen, sondern in ganz Europa", sagt Göring.

Titelfoto: DPA

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