Hochhausbrand in London. Kann das auch bei uns passieren?

Das vollkommen ausgebrannte Hochhaus in London. In Deutschland sind solche Brände fast ausgeschlossen.
Das vollkommen ausgebrannte Hochhaus in London. In Deutschland sind solche Brände fast ausgeschlossen.  © DPA

London/Berlin – Nach der Brandkatastrophe in einem Hochhaus in London geht in Deutschland die Debatte über Brandschutz los. Kann ein solcher Großbrand auch in einen deutschen Hochhaus wüten?

Die Berliner Feuerwehr äußerte sich ebenso wie der Innenminister Bayerns Joachim Herrmann (CSU). Letzterer will die energetische Gebäudesanierung in Deutschland auf den Prüfstand stellen.

Die Ursache des Brandes im Londoner Hochhaus Grenfell Tower ist zwar noch unbekannt. Aber die Kritik an den Brandschutzmaßnahmen wird lauter, obwohl das Gebäude erst vor Kurzem modernisiert wurde.

Die britische Feuerschutzvereinigung (FPA) schrieb in einer Stellungnahme, dass grundsätzlich einige Dämmmaterialien zu leicht entflammbar seien. Dadurch könne ein Brand vom Erdgeschoss eines Hochhauses bis zum Dach übergreifen.

Ob das auch für den Grenfell Tower gelte, sei nicht klar. Nach Ansicht der FPA sind aber die baulichen Vorschriften in Großbritannien derzeit generell nicht ausreichend, um Brände zu verhüten.

Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling fordert für Gebäude unter 22 Meter einen besseren Brandschutz.
Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling fordert für Gebäude unter 22 Meter einen besseren Brandschutz.

Aber kann denn ein derartige Unglück wie in London, wo bei einem Hochhausbrand zwölf Menschen starben und 79 teils schwer verletzt wurden, überhaupt in Deutschland passieren?

"Ein vergleichbarer Fassadenbrand an einem Hochhaus ist in diesem Ausmaß bei uns so gut wie ausgeschlossen", sagte Innenminister Herrmann.

"Wir nehmen das jedoch zum Anlass und werden überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die britischen Behörden müssten jetzt der Ursache nachgehen. "Den derzeitigen Berichten zufolge hat die Außendämmung des Gebäudes Feuer gefangen."

In Deutschland müssen Häuser, die über 22 Meter hoch sind, mit nicht brennbaren Fassaden gebaut sein. "Bei Neubauten sind in Deutschland außerdem Brandmeldeanlagen, Sprinkler, Feuerwehraufzüge und zwei voneinander unabhängige Sicherheitstreppenhäuser vorgeschrieben, die statisch und technisch komplett vom Resthaus getrennt sind", sagte Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries gegenüber der FAZ.

Auch die Berliner Feuerwehr äußerte sich nach der Londoner Brandkatastrophe und beruhigt, dass bei jedem Hochhausbau die Feuerwehr prüfe, ob sie im Ernstfall in dem Gebäude Einsätze durchführen kann und ob die Vorgaben der Sonderbauvorschriften im Brandschutz für Hochhäuser eingehalten werden.

Dennoch werde man die Entwicklung in London aufmerksam verfolgen: "Wir werden die Auswertung dieses Großbrandes aufmerksam verfolgen und gewonnene Erkenntnisse prüfen" erklärte ein Sprecher der Feuerwehr.

Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling wies allerdings im RBB-Inforadio darauf hin, dass bei Häusern mit einer Höhe von weniger als 22 Metern brennbares Dämmmaterial erlaubt sei. "Das bemängeln wir als Feuerwehr, weil wir da schon schlechte Erfahrungen gemacht haben - nicht hier in Berlin, aber schon in anderen Städten."

Mindestens zwölf Menschen sind bei dem Brand im Londoner Hochhaus ums Leben gekommen.
Mindestens zwölf Menschen sind bei dem Brand im Londoner Hochhaus ums Leben gekommen.  © DPA

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