Warum Bargeld für Hilfs-Organisationen plötzlich ein Problem ist

Die Spendenbüchse wird immer mehr durch Kreditkartenzahlung, Überweisung oder Bankeinzug verdrängt.
Die Spendenbüchse wird immer mehr durch Kreditkartenzahlung, Überweisung oder Bankeinzug verdrängt.  © DPA

Potsdam/Berlin - Bargeldspenden spielen für viele gemeinnützige Organisationen in Brandenburg immer weniger eine Rolle. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. "Haus- und Straßensammlungen führen wir kaum noch durch", sagt Harald-Albert Swik vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Fläming-Spreewald in Luckenwalde (Teltow-Fläming).

Barspenden erhält auch das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kaum noch, wie Sprecherin Christiane Albrecht mitteilt.

Geld kann regelrecht zum Problem werden: Insbesondere Kirchengemeinden haben Albrechts Angaben zufolge manchmal Schwierigkeiten, ihre Kollekten auf ein Konto einzuzahlen. "Bei einigen Banken wird eine Gebühr auf Bareinzahlungen und Kontoführungsgebühren erhoben", moniert sie. Gerade im ländlichen Bereich hätten viele Kirchengemeinden mit der Bareinzahlung ein großes Problem. Oft auch, weil Bankschalter vor Ort fehlten.

Die ehrenamtlichen Helfer der Berliner Tafel kritisieren die technische Ausstattung der Banken mit Münzzählautomaten. "Der Automat ist öfter voll oder kaputt", sagte Antje Trölsch, Tafel-Geschäftsführerin. Die Einzahlung dauere sehr lange, bei technischen Problemen hätten die Bankangestellten nicht immer sofort Zeit.

Banken wollen für die Annahme von Bargeld auch von gemeinnützigen Vereinen oft horrende Gebühren.
Banken wollen für die Annahme von Bargeld auch von gemeinnützigen Vereinen oft horrende Gebühren.  © DPA

"Da es nur einen Automaten gibt, müssen andere Kunden warten, bis wir fertig sind oder wir lassen sie vor. Wir wünschen uns die Möglichkeit, kostenlos einzuzahlen und mindestens zwei Automaten vor Ort."

Die Gebühren für das Einzahlen von Münzgeld sind von Bank zu Bank unterschiedlich. "Firmenkunden, dazu zählen auch Vereine, zahlen dafür 10 Euro", sagte eine Sprecherin der Berliner Sparkasse der dpa. Grund für die Gebühr seien unter anderem die Kosten für Sicherheit und Transport der Münzen. Bei der Commerzbank würden hingegen die Konditionen mit gemeinnützigen Vereinen "individuell vereinbart", erklärte eine Sprecherin.

In Ostprignitz-Ruppin versucht die Sparkasse hingegen, auch in der Fläche präsent zu bleiben, wie ein Sprecher in Neuruppin mitteilt. Außerdem würden für das Einzahlen von Spendengeldern durch Vereine und gemeinnützige Institutionen auf das eigene Konto keine Gebühren erhoben.

Von den derzeit herrschenden Niedrigzinsen sind laut dem Sprecher der Sparkasse auch die Konten zahlreicher Hilfsorganisationen betroffen. Beispielsweise sei für Stiftungen ein Spezialfonds eingerichtet worden, der das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Kursschwankungen und Ertragskraft berücksichtige. Dabei werde das Stiftungskapital zum Teil in Aktien investiert, um Kapitalerträge zu ermöglichen.

Titelfoto: DPA


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