Sex und Drogen: Das geschah vor dem Rasiermesser-Angriff auf Friseuse

Zum Prozessauftakt machte der Tatverdächtige eine ausführliche und überraschende Aussage (Symbolbild).
Zum Prozessauftakt machte der Tatverdächtige eine ausführliche und überraschende Aussage (Symbolbild).  © DPA

Herzberg/Cottbus – Nach einer lebensgefährlichen Attacke auf seine Chefin muss sich ein 39-jähriger Mann seit Donnerstag vor dem Landgericht Cottbus verantworten.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung, berichtete Gerichtssprecher Frank Merker. Der Mitarbeiter eines Kosmetiksalons in Herzberg (Elbe-Elster) soll laut Anklage im Juni unvermittelt mit einem Rasiermesser auf seine Chefin losgegangenen sein, die in dem Geschäft auf einer Liege lag.

Dabei wurde die Frau durch Stiche in den Hals und in der Brust schwer verletzt. Hilferufe alarmierten einen Zeugen, der den Angeklagten wegdrängen konnte (TAG24 berichtete).

Der Syrer galt eigentlich als Paradebeispiel für gelungene Integration, lernte Deutsch, hatte Arbeit... Doch in den Wochen vor der Tat hatte er sich stark verändert. Er wirkte zunehmend antriebslos, bekam nur noch wenig auf die Reihen, wie die Lausitzer Rundschau unter Berufung auf sein Umfeld berichtet.

Am ersten Verhandlungstag machte er nun eine ausführliche Aussage. Er könne sich zwar nicht an die Tat an sich erinnern, jedoch an die Gegebenheiten vor diesem Tag. Er hätte, nachdem er die Frist für den Antrag des Familiennachzugs für seine Frau und seine beiden Söhne verpasst hatte, sich von seinen Landsleuten immer häufiger zum Drogenkonsum überreden lassen.

Der Angeklagte hatte mit dem
Der Angeklagte hatte mit dem  © DPA

Er habe angeblich regelmäßig Haschisch, Marihuana und Ecstasy genommen. Allerdings merkte der Richter während der Verhandlung an, dass zumindest am Tattag bei der Blutprobe keine Hinweise auf Ecstasy vorgelegen hätten.

Eine weitere überraschende Wendung brachte die Aussage, dass der Angeklagte ein Verhältnis mit seinem späteren Opfer gehabt hatte. Schon drei Monate nachdem der in dem Salon angefangen hatte zu arbeiten, hatte er mit der Inhaberin ein Affäre begonnen. Er sei sogar zusammen mit ihr in den Urlaub nach Barcelona geflogen.

Danach hätte er die Affäre aber beenden wollen. Doch am Tattag hätte es, wie aus dem Vernehmungsprotokoll hervor geht, ausgesehen, wie ein Date. Er und die Ladeninhaberin hätten sich im Salon verabredet. Er hätte an diesem Tag frei gehabt und vor dem Treffen mit seinem Kumpel noch eine Joint geraucht, berichtet die Lausitzer Rundschau.

Dann habe er die Frau auf der Massage-Liege gelegt, mit dem Ziel sie zu töten. Er schnitt mit dem Rasiermesser in Hals und Brust. Nur weil ein Kollege und Landsmann von ihm dazwischen ging, überlebte die Frau. Der Täter soll danach zu ihm gesagt haben: "Hättest du mich mal machen lassen."

In den kommenden Verhandlungstagen muss das Gericht nun Licht in diesen Wust aus angeblichen Erinnerungslücken, Geständnissen und Drogeneskapaden bringen. Der Prozess soll am 4. Januar fortgesetzt werden. Für den Prozess sind noch vier Verhandlungstage bis zum 29. Januar vorgesehen.

Titelfoto: DPA


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