Brandpunkt "Holzberg": Biotop mit seltenen Tierarten soll zugeschüttet werden

Leipzig - Der Holzberg im Thallwitzer Ortsteil Böhlitz bei Leipzig ist Mitteldeutschlands höchste Felswand und gleichzeitig Herberge für verschiedene strenggeschützte Tierarten. Laut den Plänen eines Bauunternehmens soll das Gebiet um die Felswand mit Bauschutt verfüllt werden. Eine Bürgerinitiative will dagegen vorgehen - und bekommt prominente Unterstützung.

22 Jahre nach Beendigung des Bergbaus in Böhlitz bei Leipzig haben sich mehrere streng geschützte Lebewesen hier angesiedelt.
22 Jahre nach Beendigung des Bergbaus in Böhlitz bei Leipzig haben sich mehrere streng geschützte Lebewesen hier angesiedelt.  © Bürgerinitiative Böhlitz/Joachim Promm

Bereits seit dem Herbst 2018 kämpft die Bürgerinitiative Böhlitz gegen das Vorhaben des Tiefbauunternehmens KAFRIL. Das Unternehmen möchte das Natur- und Klettergebiet "Holzberg" mit einer 30 Meter mächtigen Schicht aus Erdaushub und Bauschutt verfüllen. (TAG24 berichtete)

Und das wohl mit "Recht": KAFRIL hatte Gelände rund um die Felswand aufgekauft und müsse den ehemaligen Steinbruch laut gesetzlicher Vorlage auffüllen, so der Geschäftsführer Jens Karnahl. Mit seinem Vorhaben wird er auch vom Landratsamt unterstützt.

Die Auswirkungen die die Genehmigung eines solchen Vorhabens haben würde, kommentiert der bekannte Leipziger Alpinist Dr. Olaf Rieck in seinem Blog „Holzberg: Das Gutachten“ wie folgt: „Es bleibt nichts, aber auch gar nichts von der Flora und Fauna des Holzbergs übrig.“ Und das wäre fatal!

Ministerpräsident möchte Bürgerinitiative unterstützen

Unter anderem der Laubfrosch ist in dem alten Steinbruch beheimatet.
Unter anderem der Laubfrosch ist in dem alten Steinbruch beheimatet.  © Bürgerinitiative Böhlitz

Ein aktuelles wissenschaftliches Gutachten belegt das Vorkommen einer riesigen Artenvielfalt auf engstem Raum: Allein 47 Vogelarten, 10 Fledermausarten, 5 Amphibienarten, 5 Reptilienarten und 21 Tagfalterarten wurden demnach im Holzberg nachgewiesen.

Gleich mehrere dieser Arten sind nach europäischem Naturschutzrecht streng geschützt. Dieses einzigartige Ökosystem hat sich nach der Beendigung der bergbaulichen Tätigkeit vor 22 Jahren ganz ohne menschliches Zutun herausgebildet.

Endlich und gerade noch rechtzeitig kommt jetzt Bewegung in die Rettung des einzigartigen Natur- und Klettergebiets „Holzberg“ vor den Toren Leipzigs. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schaltet sich nun persönlich in die Rettung des Holzbergs ein. Im Anschluss an eine Podiumsdiskussion in Leipzig hatte sich der CDU-Politiker klar für den Erhalt des "Holzbergs" ausgesprochen.

Gegenüber dem Leipziger Stadtrat und Aufsichtsratsmitglied der Leipziger Wasserwerke Andreas Geisler (SPD) und dem Sprecher der Bürgerinitiative Böhlitz, Gunter Winkler, machte der Ministerpräsident den Vorschlag einen Mediator einzusetzen, um den wertvollen Lebensraum zu erhalten. Gedacht sei dabei an eine verdiente Persönlichkeit der Sächsischen Landespolitik.

Nicht nur im Interesse der Bürgerinitiative ist zu wünschen, dass das Ökosystem um den Holzberg erhalten bleibt.

Auch bei Kletterern ist das Gebiet samt mitteldeutschlands höchster Felswand sehr beliebt.
Auch bei Kletterern ist das Gebiet samt mitteldeutschlands höchster Felswand sehr beliebt.  © PR/olafrieck.de
Gab offenbar den Anstoß zur Rettung des Natur- und Klettergebiets: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU).
Gab offenbar den Anstoß zur Rettung des Natur- und Klettergebiets: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU).  © DPA/Robert Michael

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