Amazonas Regenwald brennt, aber Brasilien lehnt Soforthilfe ab

Amazonas/Brasilien - Seit Wochen brennt der Regenwald im Amazonas. Erst wurde es ignoriert, dann Soforthilfe angeboten. Jetzt wurde diese vom Staatschef abgelehnt. Europa solle sich doch um seine eigenen Probleme kümmern.

Ein Feuerwehrmann trinkt Wasser während seines Einsatzes im Amazonasgebiet.
Ein Feuerwehrmann trinkt Wasser während seines Einsatzes im Amazonasgebiet.  © dpa/Gaston Brito

Seit Januar wurden mehr als 80.000 Brände registriert, so die Weltraumagentur INPE. Betroffen sind besonders Privatgrundstücke aber auch Teile der Naturschutzgebiete. Schuld soll unter anderem die gestiegene Anzahl an Brandrodungen der Bauern sein. (TAG24 berichtete)

Da die Katastrophe die gesamte Umwelt betrifft, wurde der Regenwald kurzfristig auf die Themenliste des vergangenen G7-Gipfels im französischen Biarritz gesetzt. "Die Lunge unserer gesamten Erde ist betroffen und deshalb müssen wir hier auch gemeinsame Lösungen finden", so Bundeskanzlerin Angela Merkel (65).

Das betroffene Gebiet ist für rund 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs verantwortlich und kann eine große Menge an CO2 binden. Somit ist er ein großer Faktor für das globale Klima.

Das sehen auch die großen Industriestaaten und wollen schnell handeln. Der Plan der G7: 17,9 Millionen Euro für den Regenwald freigeben, beziehungsweise für die Finanzierung von Löschflugzeugen.

Außerdem soll eine Initiative für den Amazonas gestartet werden, bei der es vor allem um die spätere Aufforstung gehen soll, so der französische Präsident Emmanuel Macron (41).

Und was sagt der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro (64)?

Flammen lodern in einem Waldgebiet im Bundesstaat Rondonia.
Flammen lodern in einem Waldgebiet im Bundesstaat Rondonia.  © dpa/AP/Eraldo Peres

Der fühlt sich auf die Füße getreten und von den Industriestaaten bevormundet.

Zunächst nahm er die Soforthilfe noch unter der Prämisse an, dass er selbst über die Verwendung des Geldes entscheiden könne. Schließlich sei es sein Land und seine Verantwortung.

Jetzt der Schock. Am Dienstag verkündete er, doch keine Hilfe der G7 anzunehmen.

Das Geld solle Macron doch lieber für seine eigenen Probleme nutzen und die europäischen Wälder aufforsten, so Onyx Lorenzoni (64), Bolsonaros Kabinettschef, gegenüber dem brasilianischen Nachrichtenportal "G1". Für Bolsonaros handelt es sich bei den Bränden nämlich um eine innere Angelegenheit und somit bestimmt auch er das weitere Vorgehen, berichtet die DPA.

"Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer 'Allianz' der G7-Staaten zur 'Rettung' des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", so der Staatschef am Montag auf Twitter.

Hat er das Geld also nicht nötig und schafft es alleine, die Brände zu löschen?

Die brasilianische Regierung setzt nun Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern ein.
Die brasilianische Regierung setzt nun Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern ein.  © dpa/AP/Eraldo Peres

Oder liegt es an dem Streit zwischen den beiden Präsidenten, dass er die Hilfe nicht annimmt?

Statt miteinander zu kooperieren, schießt der Brasilianer nämlich gegen Präsident Macron und beleidigt seine Frau. Nicht politisch, sondern hart unter der Gürtellinie.

Untätig ist der brasilianische Staatschef aber nicht. Laut US-Medien soll er rund 44.000 Soldaten in die betroffenen Gebiete geschickt haben, um die Brände zu löschen und Brandstifter ausfindig zu machen.

Ob das reicht und der Regenwald sich wieder erholen kann?

Rico Fischer vom Helmholz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, äußerte sich zu dem Thema gegenüber "Spiegel Online": "Das ist ein langwieriger Prozess. Gesunde Regenwald-Ökosysteme brauchen etwa hundert Jahre, um sich nach einem Brand zu regenerieren. Im Fall des Amazonas dürfte es deutlich länger dauern, weil er durch Rodungen und Klimawandel bereits geschwächt ist, wenn er sich überhaupt erholen wird. Ich fürchte, viele der entstandenen Freiflächen könnten künftig landwirtschaftlich genutzt werden und noch größere Lücken im Regenwald reißen, das ist problematisch."

Seit Bekanntwerden der verheerenden Brände sitzt der Schock weltweit tief. Prominente, wie Leonardo DiCaprio (44), der sich schon lange für den Umweltschutz einsetzt, nutzen ihre Reichweite und informieren ihre Fans und Follower.

Aber nicht nur das. DiCaprio spendete auch. Etwa 4,5 Millionen Euro soll er investiert haben, um den Regenwald zu retten, so "Metro".


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