Klima-Proteste: versuchte Gefangenen-Befreiung - acht verletzte Beamte

Garzweiler/Aachen/Rheinland - Die Proteste für mehr Klimaschutz im Rheinland gehen weiter: Tausende Teilnehmer werden am Samstag (11 Uhr) zur Protesten und Aktionen am Tagebau Garzweiler erwartet. Am Mittag kam es zu einem ersten Zwischenfall: Mehrere Hundert Aktivisten stürmten das Gebiet es Tagebaus.

Seit Freitagabend blockieren etwa 800 Aktivisten die Gleise zu einem Kraftwerk.
Seit Freitagabend blockieren etwa 800 Aktivisten die Gleise zu einem Kraftwerk.  © DPA

Nach ihrem internationalen Streiktag in Aachen mit Zehntausenden Teilnehmern hat die Protestbewegung "Fridays For Future" zu einer Demo von Hochneukirch am Norden des Tagebaus in das Umsiedlungsdorf Keyenberg aufgerufen.

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hat ebenfalls für Samstag Blockaden im Rheinischen Revier mit mehreren Tausend Menschen angekündigt.

Bereits seit Freitagabend gibt es eine Blockade von Schienen zu einem RWE-Kraftwerk bei Grevenbroich. Rund 800 Aktivisten blockierten die Gleise die ganze Nacht über.

Der Energiekonzern RWE warnte vor lebensgefährlichen Risiken auf seinem Betriebsgelände.

Zu einer Fahrraddemo des Umweltverbandes BUND werden bis zu 3000 Teilnehmer erwartet.

Die Bürgerinitiative "Alle Dörfer bleiben" möchte sich an dem Aktionstag symbolisch zwischen Keyenberg und den Tagebau Garzweiler stellen.

Update, 21.37 Uhr: Versuchte Gefangenenbefreiung - acht verletzte Beamte

Polizisten stehen in der Braunkohlengrube Garzweiler hinter einem Hügel, eine Polizistin hält eine Fotokamera.
Polizisten stehen in der Braunkohlengrube Garzweiler hinter einem Hügel, eine Polizistin hält eine Fotokamera.  © DPA

Bei den Klimademonstrationen im rheinischen Braunkohlerevier ist es im Tagebau Jackerath am Samstagabend zu versuchten Gefangenenbefreiungen gekommen.

Die Polizei Aachen appellierte via Twitter an die Demonstranten, sich "besonnen und kooperativ" zu verhalten und "Befreiungsversuche und Angriffe auf Beamte" zu unterlassen.

Die Polizei teilte auf dpa-Anfrage mit, dass es mehrere Ingewahrsamnahmen gegeben habe. Genaue Zahlen, um wieviele Personen es sich handele, konnte die Polizei zunächst nicht machen.

Die von der Polizei in Gewahrsam genommen Demonstranten werden laut Polizei bei derartigen Demonstrationen in einer "bestimmten Örtlichkeit" festgehalten.

Bei der Feststellung der Personalien sei es den Angaben zufolge zu den versuchten Gefangenenbefreiungen gekommen. Dies sei eine Straftat, das Eindringen in den Tagebau Hausfriedensbruch, dazu komme Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

In den Tagebau Garzweiler waren zuvor nach Polizeiangaben mehrere Hundert Aktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" gestürmt. Dabei sind laut einer am Samstagabend veröffentlichten Zwischenbilanz acht Polizistinnen und Polizisten verletzt worden.

Am frühen Abend haben die Einsatzkräfte laut Polizei mit der Räumung des Tagebaus begonnen.

Update, 19.05 Uhr: Zwei Pumpstationen im Tagebaugebiet in Brand gesetzt

Unbekannte haben am Samstag in Mönchengladbach-Wanlo am Rand des Tagebaugebiets Garzweiler den Schaltschrank einer Pumpstation des Betreibers RWE in Brand gesetzt.

Die Polizei gehe von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagte eine Sprecherin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Feuer im Zusammenhang mit der Klimademonstration gelegt worden sei, hieß es. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr löschte den Schaltkasten.

Bereits am Freitagabend hatte den Angaben zufolge eine Pumpstation im nur wenige Kilometer entfernten Lützerath gebrannt. Auch hier vermutet die Polizei eine Brandlegung.

Update, 15.35 Uhr: Polizei warnt Aktivisten im Tagebau

Nachdem es einer Gruppe von Aktivisten gelungen ist, die Polizeikette zu durchbrechen, warnt die Polizei per Twitter vor den Gefahren im Gebiet des Tagebaus Garzweiler. Dessen Abbruchkannten könnten jederzeit abrutschen. Daher bestehe Lebensgefahr.

Das Vordringen in den Tagebau bringe unkalkulierbare Risiken mit sich. Zudem handle es sich um Betriebsgelände von RWE und das unbefugte Betreten stelle den Anfangsverdacht eines Hausfriedensbruchs dar.

Zahlreiche Umweltaktivisten laufen in den Tagebau Garzweiler, nachdem sie die Polizeisperre durchbrochen haben.
Zahlreiche Umweltaktivisten laufen in den Tagebau Garzweiler, nachdem sie die Polizeisperre durchbrochen haben.  © DPA

Update, 13.35 Uhr: Polizeikette durchbrochen, Beamte nutzen Pfefferspray

Polizisten versuchen, Aktivisten am Betreten des Tagebau Garzweiler zu hindern.
Polizisten versuchen, Aktivisten am Betreten des Tagebau Garzweiler zu hindern.  © DPA

Bei den Demonstrationen im Rheinischen Revier hat es am Samstagmittag einen ersten Zwischenfall gegeben: Nachdem Aktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" eine Polizeikette durchbrachen, setzten die Beamten nach eigenen Angaben Pfefferspray ein.

Einige Klima-Aktivisten seien anschließend in den Tagebau Garzweiler gelaufen. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, konnte die Polizei zunächst nicht sagen.

"Aus dem Aufzug, der vom Gut Aspernschlag in Richtung Kraftwerk Niederaußem unterwegs ist, hat sich eine Personengruppe gelöst und eine Polizeikette durchbrochen. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray", twitterte die Polizei Aachen.

"Ende Gelände" schrieb dazu ebenfalls bei Twitter: "Pfefferspray kann extrem gefährlich und sogar tödlich sein - warum wird es gegen Menschen eingesetzt, die für das Überleben der Menschheit kämpfen?"

Laut Polizei seien Beamte "massiv angegangen & teilweise verletzt" worden. Nach Informationen der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die unter anderem mit ihrem Landesvorsitzenden Michael Mertens im Rheinischen Revier vor Ort ist, wurden bis zum frühen Nachmittag mindestens zwei Beamte verletzt. Vermutlich seien sie gestürzt während des Ansturms auf den Tagebau.

Update, 10.13: Bahnhof wieder frei

Seit etwa 9.35 Uhr ist der Bahnhof in Viersen wieder uneingeschränkt nutzbar. Die Klima-Aktivisten von "Ende Gelände" wichen nach Angaben der Sprecherin unter anderem auf Busse aus, um zu einer Demonstration gegen Braunkohle-Verstromung in Hochneukirch zu gelangen.

Die Polizei wollte die Aktivisten aber erst einsteigen lassen, wenn sie ihre "Schutzbewaffnung" ablegten. Darunter versteht die Polizei zum Beispiel Schutzbrillen oder Helme, die vermuten ließen, dass die Betroffenen nicht an einer friedlichen Versammlung teilnehmen wollten, so eine Sprecherin der Polizei Aachen.

Die Polizei twitterte gegen 9.45 Uhr, dass nun auch ein weiterer Zug Teilnehmer zur Demo bringe. Wie es zu dieser Wende kam, konnte die Pressestelle zunächst nicht sagen.

Update, 8.56 Uhr: Einschränkungen am Bahnhof Viersen

Wie die Polizei Aachen am Samstagmorgen per Twitter mitteilte, halten Züge mit Fahrtrichtung Mönchengladbach derzeit nicht am Bahnhof Viersen. Grund sei das zuvor angekündigte Eindringen von Unbefugten in den Tagebau.

Der Zutritt zum Bahnhof sei aber weiterhin möglich. Demonstranten könnten "nach Ablegen der mitgeführten Schutzbewaffnung" weiter zur Demo fahren.

Zwischenbilanz der Polizei

Demonstranten bei der Klimademo in Aachen.
Demonstranten bei der Klimademo in Aachen.

Die Polizei Aachen hat am Freitagabend eine positive Bilanz des bisherigen Einsatzes gezogen. Die Aktivitäten der Klimaaktivisten seien weitgehend störungsfrei abgelaufen.

Aufgrund der Besetzung einer laut Polizei einsturzgefährdeten Bastei am Freitagnachmittag sei es zur kurzfristigen Gewahrsamnahme von 14 Personen gekommen und es gab fünf Festnahmen.

Die Blockade der Gleise zwischen dem Kraftwerk Niederaußem und Neurath stuft die Polizei als Versammlung ein. Zuvor hätten 500 Personen eine Polizeikette durchbrochen.

Aktivisten vom Aktionsbündnis "Ende Gelände" sammeln sich am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler
Aktivisten vom Aktionsbündnis "Ende Gelände" sammeln sich am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler  © DPA
Die Polizei stuft die Blockade der Gleise als Versammlung ein.
Die Polizei stuft die Blockade der Gleise als Versammlung ein.  © DPA

Titelfoto: DPA

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