Warum laufen der Lausitz die Menschen weg?

Zukunft ungewiss: Wie lange sich der 3000 Tonnen schwere Tagebau-Schaufelradbagger 1571 aus dem Tagebau Nochten noch durch Lausitzer Erde frisst, ist derzeit unklar.
Zukunft ungewiss: Wie lange sich der 3000 Tonnen schwere Tagebau-Schaufelradbagger 1571 aus dem Tagebau Nochten noch durch Lausitzer Erde frisst, ist derzeit unklar.

Schleife - Seit der schwedische Energiekonzern Vattenfall seinen Ausstieg aus der Braunkohle verkündet hat, ist die Unsicherheit in der Lausitz groß. Schleifes Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos) warnt bereits vor sozialer Erosion.

Am Horizont dampft weißer Rauch aus den Kühltürmen, davor erstreckt sich der Tagebau Nochten scheinbar endlos. Am Horizont sind Trebendorf und Schleife zu sehen.

Eigentlich sollte sich der Tagebau bis in diese Dörfer fressen. Doch mit dem Ausstieg von Vattenfall stehen alle Planungen still. Die Verträge mit den 1 600 Umsiedlern hat der Konzern fertig verhandelt - aber nicht unterschrieben.

Die Ortskirche von Schleife. Breitet sich der Tagebau Nochten weiter aus, müssen rund 1 500 Einwohner aus Schleife und Trebendorf umsiedeln.
Die Ortskirche von Schleife. Breitet sich der Tagebau Nochten weiter aus, müssen rund 1 500 Einwohner aus Schleife und Trebendorf umsiedeln.

Die Suche nach einem neuen Investor gestaltet sich schwierig. Zum Ende der Bieterfrist Mitte März hatten nur zwei tschechische Interessenten Angebote vorgelegt (MOPO berichtete). Die Lausitzer plagt Ungewissheit.

„Die Menschen sitzen auf gepackten Koffern, wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Bürgermeister Reinhard Bork. Seit dem Umsiedlungsstopp gebe es eine „soziale Erosion“. Vor allem junge Menschen wollen nicht länger warten - und ziehen weg.

Die Konsequenz: Vereinen und freiwilliger Feuerwehr fehlen die Mitglieder. An Privathäusern und öffentlichen Bauten wird nur noch das Notwendigste gemacht. Bork: „Wer will schon investieren, wenn der Tagebau näher rückt?“

Früher pflegte man mit Vattenfall eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, berichtet der Orts-Chef. Regelmäßig habe es Gespräche gegeben. „Davon ist im Moment nicht mehr viel zu spüren.“

Dabei hätten die meisten Bürger Verständnis für den Tagebau, der ihnen Arbeit und Einkommen sichere. Jetzt, so Bork, habe man Angst, dass eine strukturschwache Region mit der Kohle ihr letztes Zugpferd verliere.

Foto: dpa/A.Burgi (1), dpa/J.Trenkler (1)


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