Für seine Verdienste! Sven Hannawald beim Sportpresseball ausgezeichnet

Breitenbrunn/Frankfurt - Skispringer Sven Hannawald (45) ist ein Kind der Wende, feierte am 9. November 1989 gerade seinen 15. Geburtstag. Er wuchs im Osten auf, feierte dann aber seine großen Erfolge im vereinten Deutschland. Beim Sportpresseball wurde er nun für seine Verdienste im gesamtdeutschen Sport ausgezeichnet.

Sven Hannawald mit seiner Frau Melissa. Die beiden haben zwei Kinder.
Sven Hannawald mit seiner Frau Melissa. Die beiden haben zwei Kinder.  © Tobias Hase/dpa

Zusammen mit dem 45-Jährigen erhielt auch Boxlegende Henry Maske (55) den "Pegasos Preis". Die Auszeichnung wurde nach 2014 erst zum zweiten Mal vergeben. Der frühere Fußball-Europameister Matthias Sammer (52), der ebenfalls ausgezeichnet werden sollte, hatte kurzfristig abgesagt.

Größter Triumph von Sven Hannawald war Gesamtsieg der Vierschanzentournee 2001/02, bei der er als erster Springer überhaupt alle vier Wettbewerbe für sich entschied. "Ich bin froh und stolz, dass ich der Erste sein durfte".

Hannawald hatte am gestrigen Samstag doppelten Grund zur Freude, denn er feierte auch Geburtstag. Aus diesem Grund veröffentlichte er auf seinem XING-Profil seine persönlichen Erinnerungen an die turbulente Zeit nach dem Mauerfall, den er als 15-Jähriger im Internat der Kinder- und Jugendsportschule von Dynamo Klingenthal erlebte. "Nach einem normalen Tag mit Schule und Training lief am Donnerstag, den 9. November 1989, ab 19.30 Uhr die 'Aktuelle Kamera', [...]Die Nachrichtensprecherin Angelika Unterlauf hatte soeben vorgelesen: 'Alle DDR-Bürger dürfen kurzfristig und ohne besondere Angabe von Gründen private Reisen ins Ausland unternehmen.'"

Weiter erinnert er sich: "Mein Papa fackelte nicht lange, am nächsten Tag holte er mich aus dem Internat ab. Wir feierten wie geplant am Samstag meinen Geburtstag nach und am Abend fuhren wir durch die Nacht in den Westen, genauer gesagt immer Richtung Süden, über Nürnberg, München bis nach Burgau bei Günzburg. Dort wohnten zwei meiner Tanten und Onkel Georg."

Die Familie beschloss in den Westen zu ziehen. Hannawald blieb allerdings noch eine Weile in Sachsen, machte erst noch seinen Realschulabschluss.

"Die Entscheidung in den Westen zu gehen, bereitete mir einige schlaflose Nächte"

In einem Bericht auf XING erinnert sich Sven Hannawald an die Zeit nach dem Mauerfall.
In einem Bericht auf XING erinnert sich Sven Hannawald an die Zeit nach dem Mauerfall.  © Peter Kneffel/dpa

"Die Entscheidung, in den Westen zu ziehen, brachte die Lebensläufe von uns allen komplett durcheinander. Besonders aber meinen. [...] Diese Frage bereitete mir einige schlaflose Nächte. [...] Von meinem zuvor geordneten Leben war nicht mehr viel übrig. Es war eine Umstellung, die ich klaglos hinnahm, die im Nachhinein aber sicherlich einige Spuren hinterlassen hat."

Schließlich nahm Sven Hannawald zusammen mit seinem Vater, seine Sportkarriere neu in die Hand. Er ging zum Skiclub Hinterzarten. "Ich wollte nicht mehr zurück-, sondern nur noch nach vorn schauen. Natürlich war ich als Heranwachsender damals total mit mir selbst beschäftigt, ich hatte nicht wirklich viel Zeit, die Wendezeit zu begreifen, geschweige denn, damals schon zu bewerten."

Sportlich ging es für den 45-Jährigen steil bergauf. Neben dem Vierschanzentournee-Sieg gewann er Goldmedaillen bei Olympia und bei Weltmeisterschaften. Nach schwierigen Jahren mit gesundheitlichen Problemen und Burn-Out, hat Hannawald nun auch sein privates Glück gefunden. Zusammen mit seiner Frau Melissa (30) hat er zwei Kinder, Glen (2) und Liv (5 Monate).

Rückblicken sagt er über die Wende-Zeit: "Beide Seiten, Ost und West, sind ein Teil meiner Persönlichkeit. Beide möchte ich nicht missen. Und in diesem Sinne glaube ich, dass der Mauerfall das Beste ist, was uns passieren konnte."

Henry Maske und Sven Hannawald wurden am Samstag beim Sportpresseball ausgezeichnet.
Henry Maske und Sven Hannawald wurden am Samstag beim Sportpresseball ausgezeichnet.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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