Gedenkfeier am Breitscheidplatz: Terror-Hinterbliebene sollen Taxi-Fahrt selber zahlen

Zum ersten Jahrestag des Terroranschlags finden am Breitscheidplatz mehrere Veranstaltungen statt.
Zum ersten Jahrestag des Terroranschlags finden am Breitscheidplatz mehrere Veranstaltungen statt.  © DPA

Berlin - In Berlin haben die Gedenkveranstaltungen zum ersten Jahrestag des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz begonnen. (TAG24 berichtete) In einer nicht öffentlichen Zusammenkunft am Schauplatz des Anschlags stellte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag Opfern und Hinterbliebenen das Mahnmal für das Attentat vor.

Mit einem symbolischen Akt sollte dabei an der Gedächtniskirche das letzte Stück eines knapp 17 Meter langen, goldenen Risses im Boden vervollständigt werden. Dafür sollten Opfer Metallblöckchen in einen Ofen schieben, das flüssige Metall sollte dann von einem Fachmann in den Riss eingefügt werden.

Bei dem stillen Beisammensein, das der öffentlichen Mahnmal-Präsentation vorgelagert war, waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble anwesend. Zu den Gedenkveranstaltungen wurden rund 80 Opfer und Angehörige sowie rund 40 Helfer erwartet.

Der Riss im Boden soll die tiefe Wunde symbolisieren, die das Attentat im Leben der Betroffenen hinterließ. In den Treppenstufen vor der Kirche sollen zudem die Namen der Toten die Erinnerung wachhalten. Zuvor sorgte die schriftliche Einladung bei vielen Hinterbliebenen für Empörung.

Polizisten sichern den Bereich rund um den Breitscheidplatz.
Polizisten sichern den Bereich rund um den Breitscheidplatz.  © DPA

Wie die BZ berichtet, schrieb Berlins Bürgermeister zwar einen einfühlsamen Brief, darin steht aber auch, dass die Taxifahrten zum Breitscheidplatz nicht erstattet werden. "Es müssen öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden.", heißt es im Anhang des Schreibens der Senatskanzlei des Berliner Bürgermeisters.

Wer mit dem Auto anreist, dem werden "0,20 Euro pro gefahrenen Kilometer erstattet." Es wird allerdings auch deutlich darauf hingewiesen, dass die PKW-Kosten nur bis zu einem Betrag erstattet werden, der nicht höher ist als der für Flug- oder Bahnticket.

"Gerade jetzt, wo sich herausstellt, dass die Behörden und somit der Staat eklatante Fehler gemacht haben, eine Mitschuld tragen, hätte ich mehr Großzügigkeit erwartet", erklärt eine der Verletzten der BZ.

Die Sprecherin des Senats Claudia Sünder bedauert den Vorfall: "Das der Einladung beigefügte, zugegeben sehr sachliche Formular, ist haushalts- und verwaltungsrechtlich notwendig. Den dadurch möglicherweise entstehenden Eindruck bedaure ich."

Titelfoto: DPA


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