Brennpunkt Bielefeld: Kriminelle Energie, wohin man guckt?

Polizeipräsidentin Katharina Giere stellte konkrete Zahlen über Kriminalität an Bielefelds Brennpunkten vor.
Polizeipräsidentin Katharina Giere stellte konkrete Zahlen über Kriminalität an Bielefelds Brennpunkten vor.  © Andreas Zobe

Bielefeld - Eine Stadt, fünf Problemzonen: In der Bielefelder City reiht sich ein Brennpunkt an den anderen. Vor allem der Jahnplatz entwickelte sich in letzter Zeit zum Hotspot der Kriminalität.

Aber wie viel war wirklich los? Erstmals legten Ordnungsdezernentin Anja Ritschel und Polizeipräsidentin Katharina Giere jetzt konkrete Zahlen für Jahnplatz, Boulevard, "Tüte", Kesselbrink und Bahnhofstraße auf den Tisch.

Zuletzt wurde an zwei Brennpunkten sogar die Polizeipräsenz verstärkt, um der Kriminalität entgegenzuwirken (TAG24 berichtete). Ob das gelingt, wird sich wohl erst in einem Jahr, bei der Veröffentlichung der nächsten Kriminalitätsstatistik, zeigen.

Einen Anlass für Videoüberwachung sieht sie übrigens nicht. "Ja, wir haben Grund, uns an diesen Orten besonders zu zeigen", betonte die Polizeipräsidentin laut Neue Westfälische. "Aber wir haben nicht den Eindruck, dass es eine auffallend negative Entwicklung gibt."

JAHNPLATZ

Auf dem Jahnplatz wird seit Kurzem stärker kontrolliert.
Auf dem Jahnplatz wird seit Kurzem stärker kontrolliert.  © Andreas Frücht

Zuletzt gab es 2010 so viele Körperverletzungen auf dem Jahnplatz wie 2016: 86 Mal kam es zu Vergehen. "Das ist bei einem Platz, der nach Schätzungen pro Tag 200.000 Personenbewegungen erlebt, wirklich wenig", so Giere.

Trotzdem ist die Häufung der Vorfälle in den vergangenen Monaten nicht abzustreiten. Laut der Polizeipräsidentin seien mehrere Schlägereien an einem Tag und Messerattacken allerdings die Ausnahme.

BOULEVARD

Am Boulevard gibt es zahlreiche Diskos. Dort kommt es immer wieder man zu Schlägereien.
Am Boulevard gibt es zahlreiche Diskos. Dort kommt es immer wieder man zu Schlägereien.  © Christian Mathiesen

Der Boulevard im Neuen Bahnhofsviertel ist alleine schon durch seine Disko-Dichte ein Ort, an dem es schnell zu Auseinandersetzungen wegen zu viel Alkohol kommen kann.

Das bestätigt auch Giere: "Wir haben hier häufig Delikte, die sich aus den Diskos heraus entwickeln und draußen ausgetragen werden." Insgesamt musste die Polizei im vergangenen Jahr 87 zu Körperverletzungen ausrücken.

BAHNHOF/TÜTE

Die Tüte ist kein schöner Anblick. Seitdem der Kesselbrink stärker kontrolliert wird, steigt die Kriminalität dort an.
Die Tüte ist kein schöner Anblick. Seitdem der Kesselbrink stärker kontrolliert wird, steigt die Kriminalität dort an.  © Andreas Frücht

Auch an der Tüte, also dem Eingang zur S-Bahn-Station am Bahnhof, stieg die Zahl der Körperverletzungen auf 63 leicht an. "An der Tüte sieht es tatsächlich nicht schön aus", meint Ralf Kaster, Leiter der Wache am Kesselbrink. "Aber nicht alles, was uns dort stört, hat mit Kriminalität zu tun."

Das Ordnungsamt kontrolliert mittlerweile verstärkt an der Tüte, um so wieder für ein Gefühl der Sicherheit zu sorgen.

BAHNHOFSTRAßE

Auf der Einkaufsmeile Bielefelds ist das kriminelle Niveau etwa gleichbleibend.
Auf der Einkaufsmeile Bielefelds ist das kriminelle Niveau etwa gleichbleibend.  © Andreas Frücht

Obwohl die Zahl der Raubüberfälle in der Bahnhoftraße, Bielefelds Einkaufsmeile, leicht gestiegen sind (2015: 17, 2016: 20), ist die Zahl der Körperverletzungen mit 44 auf einem gleichbleibenden Niveau.

KESSELBRINK

Auf dem Kesselbrink halten vor allem Drogendelikte die Polizei und das Ordnungsamt in Atem.
Auf dem Kesselbrink halten vor allem Drogendelikte die Polizei und das Ordnungsamt in Atem.  © Christian Geisler

2013 wurde der Kesselbrink ordentlich aufgepimpt. Seitdem steht er im Fokus der Polizei. "2015 und 2016 wurde er zum Anlaufpunkt für Drogendealer. Aus dieser Gruppe heraus entstanden dann Streit und Schlägereien", erklärt Giere.

Neben 52 Körperverletzungen zählte die Polizei elf Diebstähle. "Durch Razzien konnten wir dort zu einer deutlichen Beruhigung beitragen."

Titelfoto: Andreas Frücht