Brennpunkt Schwimmbad: Wenn bei Hitze die Sicherung durchbrennt

Düsseldorf - Wenn die Temperaturen steigen, erhitzen sich schnell auch mal die Gemüter. Das Freibad ist da keine Ausnahme: In den vergangenen Tagen gab es gleich mehrere Vorfälle, den spektakulärsten am Samstag in Düsseldorf. Schwimm-Meister schlagen Alarm.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag musste die Polizei im Düsseldorfer Rheinbad Streitereien schlichten.
Sowohl am Samstag als auch am Sonntag musste die Polizei im Düsseldorfer Rheinbad Streitereien schlichten.  © DPA

Eigentlich verspricht ein Freibad-Besuch Abkühlung. Doch in jüngster Zeit scheint sich die Stimmung dort schnell aufzuheizen. Im Düsseldorfer Rheinbad kam es am Samstag zu einem Massen-Streit. Die Polizei rückte mit Dutzenden Beamten an (TAG24 berichtete).

Im Bad bot sich ihnen folgendes Bild: Ein Vater steht schützend vor seiner Familie, umgeben von Hunderten junger Männer, die ihn anschreien.

Wie verlautet, haben sich zuvor einige junge Männer daneben benommen und sind über Decken und Badegäste gesprungen. Als sich ihnen daraufhin der Familienvater entgegenstellt, schlagen sich viele andere junge Männer auf die Seite der Unruhe-Stifter.

Die Polizei fordert Verstärkung an, versucht, die Kontrahenten zu beruhigen. Getränke-Kartons fliegen in Richtung der Einsatzkräfte, die Polizisten setzen Pfefferspray ein. Die Familie wird aus dem Bad begleitet. Der Betreiber hält es für ratsam, das ganze Bad vorzeitig zu schließen. Ein renitenter Badegast wird kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Ausschreitungen, Steine fliegen, Pfefferspray wird versprüht

Eigentlich sollten Freibäder und Badeseen ja der Entspannung dienen (Symbolbild).
Eigentlich sollten Freibäder und Badeseen ja der Entspannung dienen (Symbolbild).  © DPA

Die Ereignisse in Düsseldorf sind nur der spektakulärste von mehreren Freibad-Vorfällen der vergangenen Tage.

In einem Bad in Essen attackierte eine Gruppe junger Männer am vergangenen Montag zwei Bademeister und ein junges Mädchen.

Die Stadt verdoppelte daraufhin die Zahl der Sicherheitsleute in dem Bad. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigte sich empört.

In Hessen kam es am Mittwoch vor einem überfüllten Badesee zu Ausschreitungen. Wegen starken Andrangs war der Einlass vorläufig geschlossen worden. Daraufhin versuchten nach Polizei-Angaben etwa 200 Leute gewaltsam, auf das Gelände vorzudringen. Wartende warfen Steine und beschimpften die Sicherheitskräfte (TAG24 berichtete).

In einem Freibad in Mannheim versprühte ein Mann am Samstag bei einem Familienstreit Pfefferspray. Fünf Menschen, darunter zwei Kinder, erlitten leichte Verletzungen.

Schwimm-Meister-Verband malt düsteres Bild der Situation in den Bädern

Die Schwimm-Meister beklagen die zunehmende Aggressivität in Freibädern (Symbolbild).
Die Schwimm-Meister beklagen die zunehmende Aggressivität in Freibädern (Symbolbild).  © DPA

Der Bundesverband Deutscher Schwimm-Meister beklagt schon seit längerem eine zunehmende Aggressivität in Freibädern.

"Ich bin jetzt 45 Jahre im Job", sagt Verbandspräsident Peter Harzheim. "Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort 'Respekt' hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute." In den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe sich das gründlich geändert.

Jetzt bekomme man eher Sprüche zu hören wie "Alter, was willste?" Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen.

Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bestätigt die Darstellung: Das Thema Aggressivität schlage derzeit hohe Wellen, sagt der Verbandsgeschäftsführer. "Ich kann den Verband Deutscher Schwimm-Meister nur darin unterstützen, dass härter durchgegriffen werden muss."

Zwar seien Bäder immerhin noch geschützte Räume mit Aufsicht, doch fühle sich das Bade-Personal ein Stück weit im Stich gelassen. Im Falle eines Hausverbots gingen die Störer einfach ins nächste Schwimmbad. Ochsenbauer: "Die Gesellschaft ist hier auf breiter Front gefordert - wir sind nur ein Teilbereich des Ganzen."

Schwimm-Meister-Präsident Harzheim findet die ganze Entwicklung traurig: "Ein Bad ist doch ein Ort der Erholung, der Wellness, des Kennenlernens, der Kommunikation." Da sollte man sich eigentlich locker machen können.

Update 6.53 Uhr: Düsseldorfer Rheinbad schließt nach Schlägerei

Das Düsseldorfer Rheinbad hat nach erneuten Ausschreitungen auch am Sonntag vorzeitig geschlossen.

Wie bereits am Samstag kam es zu Streits und kleineren Schlägereien im Freibad, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Erneut waren Dutzende Polizisten vor Ort.

Schließlich habe sich der Betreiber dazu entschieden, das Freibad erneut vorzeitig zu schließen. Verletzt wurde am Sonntagabend niemand.

Titelfoto: DPA

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