Wie schlimm wird das Brexit-Nein für Deutschland?

Berlin - Das britische Parlament hat entschieden: Mit 432 zu 202 wurde das ausgehandelte Brexit-Abkommen deutlich abggelehnt (TAG24 berichtete). Wie es nun weitergeht? Unklar!

Theresa May musste vor dem Parlament eine Schlappe hinnehmen.
Theresa May musste vor dem Parlament eine Schlappe hinnehmen.  © DPA

Großbritannien will die Europäische Union bereits am 29. März verlassen. Gibt es bis dahin keine Einigung, droht ein Austritt aus der Staatengemeinschaft ohne Abkommen. Für diesen Fall wird mit chaotischen Folgen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche gerechnet.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor dramatischen Folgen in Deutschland. "Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals hängen weiter in der Luft. Ein chaotischer Brexit rückt in gefährliche Nähe", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

Es drohe eine Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde. Jede Unklarheit gefährde Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Deutschland und vor allem in Großbritannien.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete die Ablehnung des Brexit-Abkommens in London als "politisch fahrlässig". Es drohten schwerwiegende Konsequenzen für Bürger und Unternehmen in Großbritannien und Europa, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Die Betriebe auf beiden Seiten des Ärmelkanals seien eng miteinander verbunden.

Annegret Kramp Karrenbauer plädiert für einen kühlen Kopf.
Annegret Kramp Karrenbauer plädiert für einen kühlen Kopf.  © DPA

Ohne geordnete und praktikable Lösungen für den Wirtschaftsverkehr stehen auch Jobs in der Automobilindustrie, insbesondere auf der britischen Seite, auf dem Spiel", betonte Mattes. Alle Beteiligten sollten jetzt daran arbeiten, einen ungeregelten Brexit noch abzuwenden. Vor diesem Hintergrund könne auch die Verschiebung des Austrittsdatums sinnvoll sein.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (56) hat für eine besonnene Reaktion auf das klare Nein des britischen Parlaments zum zwischen der EU und London ausgehandelten Brexit-Abkommen geworben.

"Wir müssen jetzt auch einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn das Herz da wirklich schwer ist heute", sagte Kramp-Karrenbauer am Dienstagabend beim Neujahrsempfang des Parlamentskreises Mittelstand in Berlin. "Wir haben ja befürchtet, dass es zu einem solchen Votum kommt. Aber dass es mit einer solchen klaren Mehrheit erfolgt, das ist doch noch mal eine besondere Situation."

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (50, CDU) dämpfte Hoffnungen von Premierministerin Theresa May (62) auf Nachverhandlungen mit der EU. Er bedauerte ebenfalls, dass das britische Parlament das Brexit-Abkommen abgelehnt hat. Auf Twitter schrieb Brinkhaus: "Alle müssen jetzt die Ruhe bewahren. Die EU kann aber ihre Prinzipien nicht aufgeben, so sehr wir mit den Briten weiter eng verbunden bleiben wollen."


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