English-Shop in Köln und der drohende Brexit: "Das will keiner von uns"

Köln - Der ungeplante Brexit, also der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, ist im Kölner "English Shop" ein alltägliches Thema. Kein Wunder: Die Mitarbeiter leben vom Handel zwischen Großbritannien und Deutschland.

Der English-Shop in Köln hat sich auf Waren aus Großbritannien spezialisiert.
Der English-Shop in Köln hat sich auf Waren aus Großbritannien spezialisiert.  © TAG24/Brüggemann

Mitarbeiterin Anna-Maria Böhm erklärt das Prinzip des Ladens: "Wir verkaufen in zwei Geschäften und im Online-Shop britische Waren, die es hier in Deutschland in der Regel nicht gibt."

60 Biere, 50 Cider, Teesorten, und Hunderte andere Artikel aus Großbritannien liegen in den Regalen des Shops unweit der Kölner Schildergasse.

„Etwa 70 Prozent unserer Kunden kommen aus Deutschland. Dazu kommen viele hierlebende Leute aus England und internationale Kunden." Zusätzlich verschicken die Mitarbeiter des Unternehmens etwa 3000 Pakete pro Monat.

Seit Monaten sorgt der "Brexit" bei den Mitarbeitern für Gesprächsstoff. "Natürlich ist das ein Thema bei uns. Allein schon deshalb, weil wir Kollegen aus Großbritannien haben."

Weil aber selbst die britische Regierung keinen Brexit-Plan hat, geht auch das Kölner Unternehmen insgesamt abwartend mit dem möglichen „Brexit" um.

Mit einer großen Veränderung kalkuliert das Unternehmen bislang nicht: "Wir haben mit einer zweijährigen Übergangsfrist nach dem März gerechnet. Dann hätte sich für uns bei der Einfuhr der Waren wohl wenig geändert."

Selbst wenn der harte Chaos"Brexit" ohne klare Regeln käme und zunächst keine offiziellen Abkommen ausgehandelt werden, gehen die Mitarbeiter selbstbewusst damit um: "Das will bei uns natürlich niemand. Wir haben aber sehr viele Erfahrungen im Import von speziellen Waren. Wir sehen uns dafür gerüstet", sagt Anna-Maria Böhm.

Käme dieser harte "Brexit", wäre die Einfuhr viel komplizierter. Doch aufgrund der jahrelangen Erfahrung würden die Kölner auf jeden Fall weiter machen. "Wir sehen die möglichen Probleme, aber die würden uns nicht kaputt machen."

Die Mitarbeiterin stellt klar, dass der Brexit aus Firmensicht definitiv nicht gewollt ist. Doch gerade die Erfahrung des Shops könnte ihnen im Ernstfall helfen. "Mitunter kämen sogar andere Firmen zu uns und würden unsere Hilfe bei der komplizierten Einfuhr von Waren beanspruchen. Aber wie gesagt: Das wünscht sich keiner von uns."

Chaos-Brexit immer wahrscheinlicher

Der English-Shop in Köln an der Straße An St. Agatha 41 in der Nähe der Kölner Schildergasse.
Der English-Shop in Köln an der Straße An St. Agatha 41 in der Nähe der Kölner Schildergasse.  © TAG24/Brüggemann

Die EU-Kommission veröffentlichte am Montag in dieser Sache neues Informationsmaterial für Bürger.

In diesem ist beispielsweise beschrieben, was im Fall der Fälle bei Reisen ins Vereinigte Königreich beachtet werden muss.

Für Bürger mit speziellen Fragen steht zudem eine kostenlose Telefon-Hotline (0080067891011) bereit.

Es werde derzeit immer wahrscheinlicher, dass es zu einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Austrittsabkommen komme, kommentierte eine hohe EU-Beamtin am Montag zu den Vorbereitungen.

Titelfoto: TAG24/Brüggemann

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