Plant die Stadt eine feindliche Übernahme der BRN?

Die Bunte Republik Neustadt wird 2015 kontrovers diskutiert. Nun schaltet sich auch die Stadtverwaltung ein.
Die Bunte Republik Neustadt wird 2015 kontrovers diskutiert. Nun schaltet sich auch die Stadtverwaltung ein.

Von Dirk Hein

Dresden - Letzten Sonntag, passend zum Abschluss der BRN, verkündete die Schwafelrunde das drohende Aus der Bunten Republik für mindestens ein Jahr. Doch die Stadtverwaltung hat ganz andere Pläne mit dem Multi-Kulti-Fest.

„Bei dem ’geplanten zeitweiligen Aus der BRN‘ handelt es sich aus behördlicher Sicht lediglich um den Wunsch von Mitgliedern der so genannten ’Schwafelrunde‘, sagt Ordnungsamtschef Ralf Lübs (54). Lübs weiter: „Die Stadtverwaltung nimmt zur Kenntnis, dass es den Wunsch gibt und wird sich an der Diskussion aktiv beteiligen.“

Allerdings rechnet Lübs „auch 2016 mit einer Vielzahl von Anträgen auf Sondernutzung, über welche die Fachämter zu entscheiden haben.“ Heißt konkret: Wenn die Schwafelrunde nicht mitmacht, organisiert die Stadt die Sause eben alleine! Mehr noch.

Glaubt, dass die BRN auch 2016 stattfindet: Ordnungsamtschef Ralf Lübs (54).
Glaubt, dass die BRN auch 2016 stattfindet: Ordnungsamtschef Ralf Lübs (54).

Wie die Morgenpost exklusiv weiß, hat die Stadt die Weiterentwicklung des BRN-Sicherheitskonzeptes an die Agentur Schröder (30.000 Euro für zwei Jahre) vergeben.

Das Team um Chef und Stadtfest-Organisator Frank Schröder (46) hat unter anderem die Sicherheitskonzepte für die Eröffnung der Waldschlößchenbrücke, für den Striezelmarkt und den Tag der Sachsen gestemmt.

„Es geht rein um die Weiterentwicklung des Sicherheitskonzeptes. Wir planen keine Übernahme der Veranstaltung und werden diese auch nicht inhaltlich bewerten“, versichert Schröder.

Viele BRN-Verantwortliche sind dennoch alarmiert. „Frank Schröder unterstützt im Wahlkampf Dirk Hilbert. Der hat bereits angekündigt, dass er einen Gesamtveranstalter für die BRN will. Was hier stattfindet ist die feindliche Übernahme durch die Stadt“, sagt Torsten Schulze (45, Grüne), Stadtrat und Schwafelrunden-Mitglied.

Die Schwafelrunde hat sich mit dem angekündigten BRN-Aus ins Abseits gestellt.
Die Schwafelrunde hat sich mit dem angekündigten BRN-Aus ins Abseits gestellt.

Feindliche Übernahme?

Kommentar von Dirk Hein

Das angekündigte BRN-Aus hat die Neustadt aufgerüttelt. Der drohende Tod der Megasause ist seit einer Woche das wichtigste Kneipengespräch im Viertel.

So ziemlich alle sind sich einig, dass unbedingt etwas passieren muss, um den Charakter der Bunten Republik doch noch zu erhalten.

Wenn die Schwafelrunde allein das mit ihrem Antrag zur BRN-Auszeit erreichen wollte, kann man sagen - Ziel erfüllt.

Sollten die Neustadt-Originale erwartet haben, mit der verkündeten Auszeit tatsächlich eine Pause einleiten zu können, ging das gründlich schief.

Die Stadt hat mittlerweile mehr als deutlich gemacht, dass die BRN gerne mit, notfalls aber auch ohne die Schwafelrunde über die Bühne geht. Mehr noch: Die bunt zusammengewürfelte Organisations-Truppe der BRN läuft Gefahr zukünftig keine Rolle mehr zu spielen.

Die Stadt übernimmt unter der Überschrift „Sicherheitskonzept“ mehr und mehr die Kontrolle. Denn logischerweise wird so ein Konzept auch Empfehlungen darüber enthalten, wie das Stadtfest idealerweise organisiert werden müsste …

Fotos: Thomas Türpe, Petra Hornig


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