3027 Milliarden: So viel Geld floss letztes Jahr in Deutschland für...

3027 Milliarden Euro wurden im Jahr 2015 in Deutschland umgesetzt für Dienstleistungen oder Produkte.
3027 Milliarden Euro wurden im Jahr 2015 in Deutschland umgesetzt für Dienstleistungen oder Produkte.

3027 Milliarden Euro. 1,7 Prozent Steigerung. Zwei Prozent geplant. So sieht die aktuelle Datenlage mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt aus. Doch was bedeuten diese Zahlen im Detail?

Für die Gesamtsumme von 3027 Milliarden Euro wurden im Jahr 2015 in Deutschland Produkte und Dienstleistungen angeboten und auch konsumiert. Das sogenannte Bruttoinlandsprodukt übertraf das aus dem Vorjahr um 1,7 Prozent und auch die Zukunftsaussichten werden vom Statistischen Bundesamt positiv bewertet: Zwei Prozent Steigerung seien für 2016 zu erwarten.

EIN BLICK AUF DIE ZAHLEN VON 2015

Wird mit großen Zahlen wie mit 3027 Milliarden Euro hantiert, kommen schnell Fragen auf: Wie setzt sich das Bruttoinlandsprodukt 2015 eigentlich zusammen? Diese Tortengrafik der BILD zeigt, wie sich das BIP 2015 bildet.

Für den Aufenthalt in Hotels und Gaststätten gaben die Deutschen in 2015 am meisten aus.
Für den Aufenthalt in Hotels und Gaststätten gaben die Deutschen in 2015 am meisten aus.
  • Der Großteil des Bruttoinlandsprodukts entfällt auf private Konsumausgaben der Haushalte.
    • Darunter wiederum haben die Kosten, die für Hotel-Übernachtungen und den Besuch von Gaststätten anfallen, den größten Anteil. 471 Milliarden Euro wurden im Jahr 2015 dafür aufgebracht.
    • 370 Milliarden Euro entfielen auf Wohnung, Wasser und Strom.
    • 259 Milliarden Euro auf Telekommunikation und Verkehr.
    • 208 Milliarden Euro auf Nahrungsmittel und Tabak.
    • 147 Milliarden Euro auf Kultur, Kino und Freizeit.
    • Das Schlusslicht bilden Aufwendungen von 103 Milliarden Euro für Möbel und Haushaltsgeräte sowie 75 Milliarden Euro für Kleidung und Schuhe.
In Schuhe und Kleidung investierten die Deutschen im Jahr 2015 hingegen weitaus weniger Geld.
In Schuhe und Kleidung investierten die Deutschen im Jahr 2015 hingegen weitaus weniger Geld.
  • Der zweitgrößte Geldbetrag entfällt auf Rüstung, Renten und Beamtengehälter, die mit 589 Milliarden Euro unter der Kategorie Konsumausgaben des Staates zusammengefasst wurden.

  • Investitionen für Maschinen, Brücken und Straßen schlugen mit 568 Milliarden Euro zu Buche.

  • Von den Einnahmen durch Exporte, müssen die Ausgaben für Importe abgezogen werden. Unterm Strich bleibt die Summe von 237 Milliarden Euro, die ebenfalls ins Bruttoinlandsprodukt 2015 einfließt.

Zur Übersetzung: Die deutsche Wirtschaft freut sich, denn sie verzeichnet das eingangs erwähnte Plus von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wie beruhigt sind die Deutschen mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt 2015?

Lieber erstmal sparen! Die Deutschen erweisen sich als sehr geduldig, wenn's um Geld geht.
Lieber erstmal sparen! Die Deutschen erweisen sich als sehr geduldig, wenn's um Geld geht.

Auf einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent ruhen sich die Deutschen rein prinzipiell schon nicht aus und auch das Bruttoinlandsprodukt von 37.108 Euro pro Kopf (das um 3,1 Prozent gestiegen ist), lässt die Deutschen nicht verschwenderisch werden, denn schließlich handelt es sich um das Volk der sparsamen Freunde der Sicherheit, die nur ungern Schulden machen.

So beweisen die Deutschen insbesondere in Geldangelegenheiten Ausdauer und Geduld. Im Ländervergleich mit 53 Nationen zeigt sich: Die Deutschen sind die Geduldigsten der Befragten – und sie würden lieber sparen, als einen Kredit aufzunehmen.

Gefragt wurden weltweit Studenten: Wollen Sie jetzt 3400 Dollar haben - oder lieber erst in einem Monat Geld bekommen, dafür dann aber 3800 Dollar? In Deutschland war vor allem das Abwarten beliebt; nur einer von zehn Studenten wollte hierzulande den schnellen Kredit, so financescout24. In Zahlen bedeutet das: Weltweit stimmten 68 Prozent der Befragten dafür, zu warten. Mit Blick auf alle befragten Deutschen waren es sogar 89 Prozent, die den schnellen Kredit ablehnten. Ein ganz anderes Bild hingegen zeigt sich in Nigeria. Dort wollten nur acht Prozent der Befragten auf den Folgemonat warten.

Gerade der Vergleich zwischen Deutschland und Nigeria lässt vermuten, was die Forscher auch offiziell machten: Wenn es ums Geld geht, dann sind Politik und Wirtschaft sowie die Kultur der Betroffenen ausschlaggebend dafür, wie mit Geld umgegangen wird. Zurück auf das Beispiel transportiert, bedeutet das: In Nigeria ist die Perspektive ungewiss, deswegen würden die Nigerianer tendenziell häufiger das Geld sofort nehmen, anstatt zu warten.

Die Politische Lage hat Einfluss auf den Umgang mit Geld

Die Flüchtlingskrise schürt Ängste vor der Zukunft.
Die Flüchtlingskrise schürt Ängste vor der Zukunft.

Der Status Quo sieht aktuell (noch) rosig aus: Zum Vorjahr ist ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent zu vermelden und für 2016 werden zwei weitere Prozentpunkte plus in Aussicht gestellt.

Doch trotz positiver Zahlenlage werden auch Sorgenfalten immer deutlicher, wie die Studie der Beratungsgesellschaft Ernst [&] Young zeigt.

Wie Huffington Post berichtete, wird derzeit die Flüchtlingskrise am kritischsten für die eigenen Finanzen gesehen: 85 Prozent bereitet diese finanzielle Sorgen. 60 Prozent der Befragten gaben sogar an, „sehr besorgt“ um ihre persönliche finanzielle Situation zu sein.

Gerade die breite Medienpräsenz des Themas holt die Thematik immer wieder zurück in die Köpfe der Deutschen und das zeigt sich auch in den Zukunftsvisionen der Menschen: Ins Jahr 2015 blickte noch jeder Dritte optimistisch in die Zukunft, 2016 wird nur noch von jedem Vierten optimistisch begrüßt.

In 2016 weniger Geld ausgeben. So lautet der gute Vorsatz vieler Deutschen. Wie sich das letztlich auf das Bruttoinlandsprodukt auswirkt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
In 2016 weniger Geld ausgeben. So lautet der gute Vorsatz vieler Deutschen. Wie sich das letztlich auf das Bruttoinlandsprodukt auswirkt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Ob es etwa der Grund für die Angst ist oder ein Widerspruch, dass 50 Prozent der Befragten zufrieden sind mit der eigenen Finanzlage, bleibt offen.

Die meisten Verbraucher dürften 2016 mehr Geld zur Verfügung haben. Arbeitnehmer profitieren von der guten Konjunktur. Senioren können auf eine üppige Rentenerhöhung hoffen und Studenten mit mehr Bafög rechnen. Doch einiges wird auch teurer“, heißt es zu Beginn des Service-Artikels hier.

In Anbetracht steigender Reallöhne und niedriger Arbeitslosenquoten wäre ein optimistischer Blick durchaus verständlich, doch diesen wagen hauptsächlich die Älteren. Gerade diejenigen, die Geld haben, bangen jedoch auch umso mehr darum. Und je jünger die Deutschen sind, desto mehr fürchten sie sich auch, ihren Lebensstandard nicht halten zu können.

Wie sich diese Furcht und der gute Vorsatz, bei Anschaffungen und Ausgaben sparen zu wollen, auf das Bruttoinlandsprodukt 2016 niederschlägt, bleibt indes abzuwarten.

Fotos: pixabay.com: © shubina_ka210; © 1475792; © stevepb; © antriksh; © Antranias (CC0 Public Domain)


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