Hier verhaftet die Polizei einen Betrüger noch im Gericht!

Patrick H. (30) musste zunächst auf der Anklagebank Platz nehmen.
Patrick H. (30) musste zunächst auf der Anklagebank Platz nehmen.

Von Stefan Ulmen

Bautzen - Ist er ein Opfer seiner Spielsucht oder ein skrupelloser Betrüger? Buchhalter Patrick H. (30) stand am Dienstag vor dem Amtsgericht Bautzen, weil er von seinem Chef, einem bekannten Rechtsanwalt, mehrere Hunderttausend Euro veruntreut haben soll.

Richter Dirk Hertle (52) machte (relativ) kurzen Prozess - und ließ den Angeklagten noch im Gerichtssaal verhaften!

Oberstaatsanwalt Ingo Roehl (55) hatte 860 Fälle zusammengetragen, in denen der Rechtsanwaltsfachangestellte von Anfang 2012 bis Ende 2014 Geldbeträge zwischen 1,77 und 1.000 Euro vom Kanzlei-Konto auf sein eigenes überwiesen hatte.

Die Summen gab er u. a. für Fußballwetten und seine Freundin aus, benannte die Überweisungen an sie mit „Wuschelmäuse“ und „Zickengeld“.

Gesamtschaden laut erster Anklage: rund 187.000 Euro.

Doch Rechtsanwalt Jürgen Neumann (52) sagte zu MOPO24, dass er einen Schaden von rund 400.000 Euro befürchtet: „Wir müssen jede Akte und jeden Zahlungsvorgang in die Hand nehmen.“

Deshalb ist eine weitere Anklage wegen 63.000 Euro Schaden schon fertig, wird demnächst verhandelt.

Wegen der finanziellen Schieflage musste der Kanzleichef vier Mitarbeiter entlassen.

Mit Blick auf den Angeklagten sagte er: „Ich habe alles für ihn getan, er hat mich in den Arsch getreten. Wir waren befreundet, haben über Fußball und persönliche Dinge gesprochen.“

Patrick H. war Kicker und Nachwuchstrainer in Bischofswerda, Neumann der Präsident.

Rechtsanwalt Jürgen Neumann (52) geriet durch die Betrügereien seines Angestellten mit seiner Kanzlei an den Rand des Ruins.
Rechtsanwalt Jürgen Neumann (52) geriet durch die Betrügereien seines Angestellten mit seiner Kanzlei an den Rand des Ruins.

Der Angeklagte sprach von einem „Scherbenhaufen“ und dass das Glücksspiel sich bei ihm vom Spaß zum Problem und dann zur Sucht entwickelt habe:

Automaten, Casino, anschließend Sportwetten und Poker. Doch sowohl sein ehemaliger Chef („Der Junge lügt wie gedruckt!“) als auch das Schöffengericht nahmen Patrick das nicht ab: „Sie sind ein Zocker!“, so der Vorsitzende.

Urteil: drei Jahre Knast.

Weil Fluchtgefahr bestand, wurde Patrick H. noch im Gerichtssaal verhaftet und nach Görlitz ins Gefängnis gebracht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Fotos: Ove Landgraf


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