Meine Meinung zu grünen Verbots-Ideen: Hört auf, uns ständig zu gängeln!

Stuttgart - "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen": Dieser Satz aus Emanuel Geibels Gedicht "Deutschlands Beruf" (1861) dürfte wohl jedem bekannt sein.

Zu viele Flugreisen im Jahr? Den Grünen ein Dorn im Auge. Dabei fliegen sie am häufigsten.
Zu viele Flugreisen im Jahr? Den Grünen ein Dorn im Auge. Dabei fliegen sie am häufigsten.  © DPA

Heutzutage würde der Satz wohl lauten: "Am grünen Wesen mag die Welt genesen." Denn die kriegen sich gar nicht mehr ein vor lauter Ideen, was man noch alles verbieten könnte.

Im Kern geht's den Damen und Herren dabei offenbar um Moral - und das beruhigende Gefühl, die Guten zu sein. Denn die Bösen, das sind die anderen.

Die Grünen sind gegen Fleischkonsum. Gegen Verbrenner-Autos. Gegen das Fliegen. Gegen Männlichkeit. Und auch gegen Grenzkontrollen. Die Liste der Forderungen und Ideen ist lang.

Doch wer auf dem hohen, moralischen Ross sitzt, dem bekommt vielleicht die Höhenluft dort oben nicht so gut. Der wird plötzlich blind für die Sorgen und Nöte der einfachen Bevölkerung. Und ist besoffen von seiner eigenen Moral. Baden-Württembergs grünem Landesvater Winfried Kretschmann ist es jetzt zu bunt geworden.

"Ich halte von dieser ganzen Moralisiererei wenig", verriet er der Deutschen Presseagentur. Und weiter: "Rumzumoralisieren ist Aufgabe von Eltern, von Erziehern, von Kirchen, von Philosophen, von der Gesellschaft überhaupt - aber nicht von der Politik."

Für Kretschmann ist klar: Es ist nicht Aufgabe der Politik, den Leuten zu sagen, was sie essen dürfen und was nicht und wie sie sich fortbewegen. Denn: "Das ist Bestandteil der persönlichen Lebensführung." Recht hat er!

Grüne verdienen überdurchschnittlich

Spricht sich deutlich gegen "Moralisiererei" aus: Winfried Kretschmann.
Spricht sich deutlich gegen "Moralisiererei" aus: Winfried Kretschmann.  © DPA

Die Grünen sind nicht umsonst als "Verbotspartei" verspottet. Liegt vielleicht aber auch daran, dass der klassische Grünen-Fan von Verboten oder Preiserhöhungen nicht superhart getroffen wird.

Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt, dass die Grünen-Wähler "nicht nur über die höchsten Bildungsabschlüsse verfügen, sondern auch überdurchschnittlich verdienen."

Und: "Unter Arbeitern, Arbeitslosen und gering Qualifizierten konnte die Partei (...) bisher nur wenig Unterstützung verbuchen." Logisch. Wer den Liter Benzin ehedem auf 5 Mark anheben wollte, dem kann sowas ja selbst nicht besonders weh tun. Den Arbeitern oder Mindestlöhnern, die mit ihrem Töff zur Arbeit kommen und so manchen Cent zweimal umdrehen müssen, aber vielleicht schon eher.

Da passt dann auch ins Bild, dass die Grünen Weltmeister dabei sind, anderen das Fliegen verbieten zu wollen - sie selbst sind aber Spitzenreiter was die Flugreisen angeht. Dafür haben sie jedoch (Moral sei Dank!) ein besonders starkes schlechtes Gewissen deshalb. Sogar Flugscham. Schnüff!

Die Lösung von Umweltproblemen wird nicht dadurch erreicht, dass man für Lieschen Müller einfach alles unbezahlbar macht und ständig moralisiert. So erreicht man nur, dass große Teile der Bevölkerung die Schnauze voll haben und sich (zu Recht!) gegängelt fühlen.

Besser: Auch mal über den eigenen finanziellen Tellerrand hinausschauen, die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen sehen, anerkennen und dann an der Realität orientiert handeln. Ohne Moral oder Ideologie. Dann wird die Welt vielleicht tatsächlich genesen.

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