Häftling in Abschiebehaft tot aufgefunden: Sollte sein Tod vertuscht werden?

Büren - Die Abschiebehaftanstalt in Büren steht seit längerer Zeit in der Kritik (TAG24 berichtete). Fast täglich soll es dort zu "massiven Zwischenfällen" kommen.

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen in der Abschiebehaftanstalt in Büren.
Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen in der Abschiebehaftanstalt in Büren.

Zum Teil herrscht Gewalt unter den Insassen, aber auch die Vollzugsleiterin soll mehrfach übergriffig geworden sein (TAG24 berichtete). Die schwierigen Lebensumstände dort haben schwere Folgen: Anfang der Woche soll sich ein 41-jähriger Georgier erhängt haben, wie der Verein "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft" auf Facebook öffentlich machte.

"Anders als in der Vergangenheit hat die Einrichtungsleitung diesmal versucht, den Vorfall möglichst geheim zu halten", lautet der schwere Vorwurf. Die genauen Umstände des Todes seien bisher nicht bekannt.

"Unser Mitgefühl gilt den Familienangehörigen und Freunden des verstorbenen Mannes", so Frank Gockel, Pressesprecher des Vereins. Es sei unklar, ob die Angehörigen inzwischen informiert wurden. "Es wurde dieses Mal versucht, möglichst niemand zu benachrichtigen." Daher sei es auch fraglich, ob sich die Abschiebehaftanstalt um eine angemessene Beerdigung und Trauerfeier für den Verstorbenen kümmert.

Die Anzahl der Inhaftierten in Isolierhaft habe in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. "Aber anstatt dringend notwendige psychologische Betreuungsangebote zu schaffen, wurden die Aufschluss- und Hofzeiten rechtswidrig gekürzt und Isolierhaft stark ausgebaut", kritisiert Gockel.

Die Umstände, unter denen die Gefangenen in der JVA leben müssen, sollen nicht zumutbar sein.
Die Umstände, unter denen die Gefangenen in der JVA leben müssen, sollen nicht zumutbar sein.

"Bereits für kleinste Vergehen oder bei psychischen Erkrankungen werden die Betroffenen oft monatelang in Einzelzellen isoliert, teilweise wird ihnen jegliche Form von Kontaktmöglichkeit und Freizeitgestaltung weggenommen."

Daher fordert der Verein die Landesregierung auf, professionelle Sozialarbeiter und Psychologen einzustellen. Sozialassistenten, die bisher in Büren im Dienst sind, seien oftmals überfordert.

"Viele Menschen sind in Büren verzweifelt und haben Angst vor der Abschiebung. Deshalb braucht es Sozialarbeiter und Gesprächsangebote für die Inhaftierten."

Es sei zudem nicht hinnehmbar, dass Gefangene die christlichen Seelsorger aus eigener Tasche bezahlen müssen und dass Gebühren für die im Gesetz vorgeschriebene, kostenlose Rechtsberatung verlangt werden.

"Stattdessen sind Gesetzesverschärfungen geplant, welche nur den Druck auf die Gefangenen weiter erhöhen sollen. Dies kann dazu führen, dass die Anzahl der Suizidversuche künftig zunehmen werden."

Normalerweise zieht die Redaktion es vor, nicht über versuchte Suizide zu berichten. Da sich der Vorfall aber komplett im öffentlichen Raum abgespielt hat, hat sich die Redaktion entschieden, es zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.


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