Zoff um Dresdner Bürgerdialog!

Im Dezember kamen 500 Menschen zum friedlichen Dialog in die Kreuzkirche. Doch am Donnerstag kocht die Stimmung jetzt schon.
Im Dezember kamen 500 Menschen zum friedlichen Dialog in die Kreuzkirche. Doch am Donnerstag kocht die Stimmung jetzt schon.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Die zweite Runde des Bürgerdialogs in der Kreuzkirche (Start 19 Uhr) hatte noch nicht richtig begonnen, da gab es bereits Streit: PEGIDA-Mitbegründer René Jahn (50) kritisierte OB Dirk Hilbert (44, FDP) wegen angeblich falscher Angaben.

Denn nicht der OB habe den Stein „Bürgerdialog“ ins Rollen gebracht, sondern die gleichnamige Initiativgruppe um ihn, sagt Jahn. Dazu gehörten neben ihm selbst u.a. die ehemaligen linken Politiker Barbara Lässig, Christine Ostrowski und Ronald Weckesser.

Zur ersten Veranstaltung Mitte Dezember 2015 waren etwa 500 Menschen gekommen. Der friedliche Dialog im Kirchraum wurde überschattet vom einem Wortgefecht eines PEGIDA-Anhängers und eines Redners des linken Lagers. Letzterer hatte zuvor Jahn beleidigt.

PEGIDA-Mitbegründer René Jahn (50) ist mit den Aussagen Dirk Hilberts (44, FDP) zu Organisation des Dialogs unzufrieden.
PEGIDA-Mitbegründer René Jahn (50) ist mit den Aussagen Dirk Hilberts (44, FDP) zu Organisation des Dialogs unzufrieden.

Das linksliberale Bündnis „Dresden für Alle“ sagte inzwischen seine weitere Teilnahme an den Dialogveranstaltungen in der Kirche ab.

Offizieller Einlader auch für die zweite Runde sind OB Hilbert und Superintendent Christian Behr. Es moderiert Frank Richter (55), Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

Hintergrund für Jahns Unmut sind die offizielle Einladung des Rathauses und ein Interview mit Hilbert in der „SZ“ vom heutigen Donnerstag. Dort sagt der OB: „Die Bürgerversammlung liegt in der Verantwortung von Herrn Behr und mir.“

Jahn weiter zum Thema: „Ohne uns in den Vordergrund zu drängen, halten wir es für wichtig, nicht nur den Oberbürgermeister und den Superintendenten aus Aufrufer zu benennen, sondern auch uns."

UPDATE 21:12 UHR: Die Versammlung ist beendet. Superintendent Christian Behr kündigt den nächsten Dialog in der Kirche für den 3. März an und fordert für die Demonstrationen am 6. Februar "Keine Gewalt". Er schließt mit den Worten: "Nächstenliebe ist nicht verhandelbar."

UPDATE 21:02 Uhr: Auch Ex-PEGIDA-Frontfrau Katrhin Oertel ist da. Trotz mehrfacher Wortmeldungen konnte sie bisher allerdings noch nicht sprechen.

UPDATE 20:45 Uhr: Ein Redner hält einen flammenden Appell, dabei zu bleiben und miteinander zu reden. Egal, welche Position man vertrete, nur das Gespräch hilft, um mit einander klar zu kommen.

UPDATE 20:30 Uhr: Pfarrer Christian Mendt warnt vor Bürgerwehren. "Die Entwicklung ist nicht gut." Es bestehe die Gefahr, dass irgendwann Polizei gegen Polizei steht. Mendt moderiert mit dem Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, den Bürgerdialog.

UPDATE 20:10 Uhr: Die Bürger haben jetzt das Wort. Jeder hat drei Minuten Redezeit. Wichtiges Thema ist die öffentliche Sicherheit. Wie auch die resolute Wortmeldung dieser Dame.

UPDATE 19:35 Uhr: Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann bezeichnet die Aufnahme von Asylsuchenden als "Pflichtaufgabe" und als "menschliche Pflicht". Allerdings müsse sie gestehen: "Keiner weiß, wie viele Menschen in den kommenden Monaten nach Deutschland, Sachsen und Dresden kommen. Wir rechnen mit der gleichen Zahl wie 2015."

Da kamen 4100 Asylbewerber nach Dresden. Unter Lachen und Buh-Rufen einiger Zuhörer sagte sie zudem: "Wir werden unser Bestes tun, dass der Asylsuchende von heute der Nachbar von morgen wird."

UPDATE 19:15 Uhr: Oberbürgermeister Dirk Hilbert (44) eröffnet das Bürgerforum. Er verschärft seinen Ton gegen Pegida. Zur Eröffnung des zweiten Bürgerdialogs in der Kreuzkirche sagte er am Donnerstag-Abend wörtlich: "Die Demonstrationen, Kundgebungen, Facebookeinträge liefern seit über einem Jahr keine Lösungen und werden es auch in Zukunft nicht." Dafür erntet er sowohl Buh-Rufe, als auch Applaus.

Etwa 1000 Menschen sind zum Bürgerdialog in die Kreuzkirche gekommen.
Etwa 1000 Menschen sind zum Bürgerdialog in die Kreuzkirche gekommen.

Fotos: imago, Thomas Türpe, Christian Suhrbier, Andreas Krause


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